Weil am Rhein Den Hebammen etwas unter die Arme greifen

Freiberufliche Hebammen werden unterstützt. Foto: sba Foto: Weiler Zeitung

Weil am Rhein (mcf). Die freiberuflichen Hebammen haben weiterhin alle Hände voll zu tun und sind finanziell alles andere als auf Rosen gebettet. „Die Situation hat sich nicht wesentlich verbessert“, erklärte Hauptamtsleiterin Annette Huber am Dienstagabend im Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss. Daher hat dieser auch der Fortführung des Programms zur Sicherung der ambulanten Versorgung durch Hebammen vorerst bis Ende 2022 zugestimmt. Pro Jahr rechnet die Stadt mit Kosten für die Freiwilligkeitsleitung in Höhe von 7500 Euro. Seit Anfang 2015 können werdende Eltern einen Zuschuss in Höhe von 30 Euro pro Geburt für die Vor- und Nachsorge durch eine ambulant tätige Hebamme beantragen.

Dies ist im Jahr 2017 durch 169 Familien erfolgt, im vergangenen Jahr von 113 und bis zum 26. August dieses Jahres wurde in 50 Fällen bereits ein Zuschuss bewilligt. Diese Zahlen zeigen laut der Stadtverwaltung, dass nach wie vor ein großes und im Vergleich zu den Vorjahren im Schnitt stabiles Interesse an der Leistung besteht. Die Befristung der Zuschusszahlung erfolgte einerseits, um die Entwicklungen bei den bundesrechtlichen Rahmenbedingungen zu beobachten. Andererseits, um das Unterstützungsprogramm auch weiterhin auf seine Akzeptanz und Wirksamkeit hin zu evaluieren.

„Von der Wochenbettstation im St. Elisabethen-Krankenhaus Lörrach wissen wir, dass zwei Drittel der entlassenen Frauen eine ambulante, nachstationäre Versorgung haben – und ein Drittel leider nicht“, schilderte die Weiler Hebamme Rita Lechner, Vorsitzende des Hebammen-Netzwerks Lörrach schriftlich. Daher würden Frauen ohne Hebamme vermehrt Frauen- und Kinderärzte und die Notaufnahmen aufsuchen. „Das bedeutet Stress und Infektionsrisiken für Mutter und Kind. Insofern leitet Wochenbett-Betreuung eine wichtige Präventionsarbeit.“

Die Situation in Weil wird von Lechner aktuell als nicht so dramatisch im Vergleich zu anderen Kommunen eingeschätzt. Vier freiberufliche Hebammen leben und arbeiten in der Grenzstadt, wovon drei in Vollzeit tätig seien, eine Kolligen aber nur wenige Frauen im Wochenbett betreuen könne. Damit stehe Weil am Rhein im Vergleich mit anderen Regionen im Landkreis gut da. Doch: „Das Betreuungsgeld der Stadt leistet einen Beitrag dazu, dass wir Hebammen damit einen Zuschlag zu unseren knapp bemessenen Gebührensätzen haben.“

Politik unterstützt einstimmig Förderung

Sowohl die Verwaltung als auch die Politik steht auch weiter hinter dem „Weiler Modell“, das laut Huber schon von anderen Kommunen übernommen wurde. Als „Wertschätzung für Hebammen“ bezeichnete Matthias Dirrigl (SPD) die weitere finanzielle Förderung. Außerdem handle es sich um einen „großen Standortfaktor“, dass die Versorgung mit Hebammen-Leistungen erfolgt. „Wir müssen hier in Vorleistung treten.“ Als „sinnvolles Stichwort“ hinsichtlich der kinderfreundlichen Kommune bezeichnete Claus Weibezahl (CDU) die Bezuschussung. „Es ist gut für unser Image.“ Auch Eva-Maria Bozenhardt (CDU) unterstützte die Förderung, was gut für junge Mütter sei. „Es ist wichtig, dass wir dabei bleiben.“ Ulrike Fröhlich (Grüne) bezeichnete die Fortführung der Unterstützung als „superklasse Projekt“, da sich die Versorgungssituation bei der Schwangerennachsorge als so kritisch darstelle.

Wolfgang Roth-Greiner (FDP) reihte sich zwar auch in das einstimmige Votum für die Fortsetzung der finanziellen Förderung ein, doch „mit einer kleinen Faust im Sack“. Denn die Sicherstellung der Versorgung durch freiberufliche Hebammen sei eine Bundesaufgabe. Hier müssten Veränderungen herbeigeführt werden. „Der Zuschuss löst das Problem nicht. Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Bürgermeister Rudolf Koger stimmte zu, dass das Problem auf anderer Ebene gelöst werden müsse. Doch die 30 Euro seien „wenigstens etwas“.

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