Weil am Rhein - Das vielseitige Programm im Kulturzentrum Kesselhaus ist seit Samstagabend um eine Facette reicher. Unter dem Motto „Kerstin Schneider präsentiert die aktuelle Musikszene“ wurden im Kesselhaus ganz ungewohnte Töne angeschlagen. Schneider, in der Region selbst als Musikerin der „Kleinstadtlichter“ und als „The Kerstin“ bekannt, brachte in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Kulturamt Weil am Rhein den Lörracher Rapper und Musiker „Tamino“ und die Freiburger Hip-Hop-Band „Fenis“ auf die Kesselhaus-Bühne.

Mit den für Rap typischen tiefen dumpfen Beats versetzte ab 20 Uhr „Tamino“ den Saal in rhythmische Schwingungen. Der Rapper, der sich, was seine Arrangements und seine deutschsprachigen Texte angeht, als Dichter und Denker versteht, hatte mit seinem Sprechgesang zu den verschiedensten Themen „Tracks“ im Repertoire. Sozialkritische Betrachtungen, Lebensweisheiten, Erlebtes und Projektionen, politisch und gesellschaftskritisch, persönlich, oder auch allgemeingültig, aber flüssig und sprachlich verständlich formuliert begeisterte der seit rund vier Jahren rappende Musiker das interessierte Publikum, das leider nicht in Masse die Veranstaltung wahrgenommen hatte.

„Junge, laber nich, alles was du machst ergibt ’n schiefen Strich“, kannten einige Gäste als Textzeile und „sprachen“ sie mit. An den Mischpulten agierte DJ Gidom Schvitz und lieferte die fetten Beats. Auf Einladung von Tamino rappte dazwischen „Arbajo Jairus“ aus Basel und heizte den Saal professionell mit englischen Texten und schnelleren Beats auf. Tamino und Arbajo Jairus „battleten“ abschließend gemeinsam zur Begeisterung der Gäste. Der Stimmung zusätzlichen Auftrieb gaben anschließend „Fenis“.

Die vierköpfige Freiburger Hip-Hop-Band war in ihrem rhythmischen Flow deutlich schneller unterwegs und spielte ihre Musik selbst. Mit Max Trommsdorf (Kontrabass), Benjamin Kuder (Saxofon), Dennis Schneider (Gitarre und Gesang) und Niklas Mischkowski (Slide-Guitar und Alt-Klarinette) fetzte das Quartett die Bühne. „Tanz mit mir durch die Straßen meiner Stadt“, „Artificial Christmas“ (oder „Bis Weihnachten nicht kiffen“), aber auch Titel und Texte wie schlicht „Scheiße“ und „Komm wir pflanzen Bäume bis ein neuer Urwald wächst“ ließen immer wieder nicht nur große Weisheiten hevorblitzen, sondern demonstrierten eindrucksvoll, dass die Formation ernste, aber auch spaßige Themen stil- und wortsicher musikalisch umsetzen kann.

Perfekt gespielt und genial Musikelemente des Rap, Reggae und Jazz mit dem Sprechgesang kombiniert, ließen „Fenis“ voll ambitioniert musikalisch die Funken der Leidenschaft sprühen. Dennis Schneider entpuppte sich dabei als wahrer Sprachakrobat mit stellenweise atemberaubender Sprechgeschwindigkeit.

„Das war `ne echte Sternstunde der Rap- und Hip-Hop-Musik von höchster Güte hier im Kesselhaus“, kommentierten einige Gäste abschließend den Abend und bedauerten gleichzeitig die mangelnde Resonanz auf die Veranstaltung.