Weil am Rhein Die Grenzen überwinden

Weiler Zeitung
Eine erfolgreiche Geschichte mit Zukunft: Beim Dreiländerlauf haben die „Regio-Lions“ das Patronat inne. Fotos: zVg Foto: Weiler Zeitung

Große Bedenken sind großer Begeisterung gewichen. Die „Regio-Lions“ haben sich innerhalb eines guten Jahrzehnts zu einer aktiven grenzüberschreitenden Verbindung gemausert. Noch bestehende Grenzen in einigen Köpfen sollen weiter weichen.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Wenn Peter Völker vom „Regio Lions-Club“ erzählt, flackert das Gründungsfeuer immer noch in seinen Augen. Trotz seiner Hamburger Herkunft kann von norddeutscher Unterkühltheit im Gespräch keineswegs die Rede sein. Die offenen Grenzen im Dreiländereck und die Gemeinsamkeiten treiben ihn um. „Tagsüber können wir gemeinsam etwas Gutes tun und abends wieder in unserem eigenen Bett schlafen“, beschreibt er das angestrebte Verschwimmen der Grenzen, ohne jedoch die nationale Herkunft zu verlieren.

Gründung und Startphase

Für die deutsche Seite hat er als Gründungsvater der grenzüberschreitenden Verbindung der Lions im Jahr 2005 genau diese Besonderheit mit Leben gefüllt. Gemeinsam mit Rolf Leimgruber für die Schweizer und Francoise Flieger für die französische Seite fand das erste Treffen am 21. März 2005 im damaligen „Atlas“-Hotel an der Palmrainbrücke statt. Die drei Zonen-Chairmans aus den drei Ländern hatte Völker zusammengebracht, wobei der französische und Schweizer Vertreter seinerzeit jeweils vom anderen dachten, dass dieser gar nicht erst erscheint, blickt Völker mit einem Schmunzeln zurück. „Dass die deutsche Seite kommt, davon gingen beide aus.“

Nachdem die drei nationalen Lions-Clubs zuvor für sich aktiv waren, folgte nun ein größerer Austausch. Als Plattform diente dann schnell die ins Leben gerufene Regio-Lions-Internetseite und auch der Austausch per Mail. Doch auch persönliche Treffen und Feiern folgten, so eine große Veranstaltung in Village-Neuf, bei Vitra, in Mulhouse oder auch im St. Jakob-Park.

Das Patronat für den „Dreiländerlauf“ übernahm der „Regio Lions-Club“ dann im Jahr 2010. Völker: „Wir brauchten etwas, was man gemeinsam macht.“ Tatkräftig wurde nicht nur bei der Organisation des Anlasses angepackt, sondern auch bei der Festbewirtung auf dem Marktplatz in Basel. Wie bei anderen Lions-Veranstaltungen auch, ging es dabei im Kern um den guten Zweck.

Förderung der Jugend

Ein zentrales Anliegen der Lions ist besonders die Förderung der Jugend. Gerhard Laux ist als Jugendbegegnungs-Organisator dabei eine zentrale Person. Er kümmert sich auch jedes Jahr um das Sommercamp in Huttwil. Hier geht es bei dem einwöchigen Aufenthalt auf dem Bauernhof darum, dass Jugendliche die Arbeit der Landwirte schätzen lernen und diese hautnah durch den tatkräftigen Einsatz im Stall und auf dem Feld erleben. Andererseits bildet die Begegnung der Jugendlichen einen zentralen Aspekt. Das Freizeit- und Kulturprogramm mit der traditionellen Trottinettfahrt ist dabei Tradition.

Den zweiten Baustein der Jugendangebote stellen die Hausbootfahrten dar, zuletzt ging es mit drei großen Booten auf sechstägige Fahrt, unter anderem auf der Mosel und nach Nancy und Metz. Laux: „Eine Hausbootfahrt ist gut, um sich zu begegnen.“ Speziell an den Schleusen seien außerdem alle beim Anpacken gefragt. District-Gouveneur François Rotzinger besuchte die jungen Teilnehmer ebenso wie weitere Persönlichkeiten, die über ihr Leben und Wirken berichteten. Der Austausch untereinander erfolge aufgrund der Sprachbarrieren teilweise non-verbal. „Weniger die Sprache, mehr die Offenheit spielt eine Rolle“, erklärt Laux.

Die Teilnahme an einem solchen trinationalen Austausch bringt den Jugendlichen für ihren späteren Werdegang sogar etwas. Ein Leo-Club-Mitglied aus Weil am Rhein konnte das Mitwirken in seinen Lebenslauf für eine technische Ausbildung in Berlin vorweisen, womit er den Job erhielt.

Solch eine Aktionswoche schweiße zusammen, weiß der Organisator. Über Whats-App werde zwischen einigen Teilnehmern zudem Kontakt gehalten. „Wir wollen fördern, dass junge Leute etwas gemeinsam machen. Dass Grenzen im Kopf vermindert werden.“

Bestehende Potenziale

Andreas Kasa, Präsident des Lions-Clubs Lörrach, weiß, dass es diese Grenzen noch gibt. Schon wenn die Clubs die Aktionen der „Nachbarn“ besuchen, sieht er einen großen Gewinn. Alle zwei bis drei Monate gibt es nun bereits Treffs mit Schweizern und Franzosen. „Es entwickeln sich richtige Freundschaften“, zieht Laux ein positives Zwischenfazit.

Als Ziel für die Zukunft betont Völker, also der „Gründungsvater“ der Regio-Lions, dass nun mit gemeinsamen Aktionen etwas bewirkt werden könne und es wachse. Ein stärkeres Mitmachen und noch mehr Besucher beim Dreiländerlauf seien zwei Potenziale. 1700 Teilnehmer sind es aktuell beim Lauf viermal über den Rhein, 3000 ist die für die Zukunft erhoffte Zahl. Schon jetzt Realität ist hingegen, dass alles drei Verkehrsverbünde beim Dreiländerlauf mit im Boot sind. „Wir müssen vernetzen, auch mit der Infrastruktur“, unterstreicht Völker. Wie beim Dreiländerlauf schon jetzt zusammengearbeitet wird, fasziniert auch Laux. Als „einzigartig“ wertet Kasa das trinationale Ereignis, bei dem der „Leo-Club“ mit anpackt.

Mit dem grenzüberschreitenden Engagement sehen sich die Regio-Lions als Vorreiter im Vergleich zu anderen Lions-Clubs, die jeweils in Grenzregionen agieren. Noch Potenziale erkennt Kasa aber beim gegenseitigen Besuch von Veranstaltungen der anderen Lions-Clubs. „Ein noch stärkerer Austausch untereinander ist das Ziel.“

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