Weil am Rhein Die Korrekturen der Rheinkorrektur

Weil am Rhein-Märkt - Dass die Begradigung des Flusslaufs nicht alle Probleme der Rheinanlieger gelöst, aber neue verursacht hatte, wurde schnell klar. Eine Reihe von Korrekturen musste die Rheinkorrektur deshalb erfahren. Sie prägen das heutige Bild der Flusslandschaft.

Neben den Einbußen für die Fischerei durch den dramatisch abgesunkenen Pegel behinderten wandernde Kiesbänke den Schiffsverkehr und mussten durch künstliche Querriegel am Rheinufer, sogenannte Buhnen, zurückgehalten werden. Der weiter eingeschnürte Fluss erhielt eine Tiefe, die eine dauerhafte Schifffahrt ermöglichen sollte: Diese erste Korrektur der Rheinregulierung erfolgte ab 1907 durch Max Honsell.

Wieder Korrektur nötig

Allerdings verschärften sich durch die Rheinbegradigung die Hochwasser am Mittel- und Niederrhein. Weil der auf eine Breite von 200 Metern eingepferchte und mit Betonwänden eingefasste Fluss die Wassermassen nicht mehr aufnehmen kann, wenn die Schneeschmelze in den Alpen und langandauernde Regenfälle zusammentreffen. Und weil der schnelle Abfluss des Wassers das Zusammentreffen der Hochwassserscheiteln des Rheins mit denen der Zuflüsse fördert.

Wieder wurde eine Korrektur der Verfahrenstechnik notwendig, unter anderem indem dem Fluss die abhanden gekommenen Überflutungsflächen wieder zurückgegeben werden – in Form von Poldern nördlich von Breisach und mit einem, so zumindest zunächst geplant, im Mittel um sechs Meter tiefergelegten Uferbereich zwischen Breisach und Märkt. Das „Integrierte Rheinprogramm“ (IRP), dem ein Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich zugrunde lag, machte im Südwesten unter dem Stichwort „90 Meter-Streifen“ Schlagzeile und sorgte für Unruhe.

Im Markgräflerland erreichten schließlich Naturschutzorganisationen, Bürgerinitiativen und Gemeinden meist, dass die Hochwasserschutzmaßnahme, die bei Bedarf 25 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten soll, weitgehend an die örtlichen Gegebenheiten angepasst wurde. Die „IG Rheinufer“ in Weil verband ihre Forderung „Hände weg von Märkter Ufer“ mit den Vorschlag, den Mündungsbereich der kanalisierten Kander in einen naturnahen Bachlauf umzugestalten und 200 Meter weiter nördlich in den Rhein zu leiten.

Gute Argumente

Die Oberrhein-Agentur in Lahr, zuständig für Rahmenkonzept und Umsetzung des IRP, ließ sich von den Protagonisten überzeugen: Der ehemalige Märkter Ortsvorsteher Heinz Merstetter, der Wasserwirtschaftsingenieur und spätere Eimeldinger Bürgermeister Manfred Merstetter, Hans-Dieter Geugelin als Vorsitzender des Angelvereins Weil am Rhein und Umgebung sowie SPD-Stadtrat Johannes Foege hatten gute Argumente. Da war nicht nur die Erfahrung mit der wiederholten Absenkung des Grundwasserspiegels, jedes Mal, wenn am Rheinufer gebaggert wurde, sondern auch der befürchtete Verlust eines wichtigen Naherholungsraums, den es doch eher auf- statt abzuwerten und die notwendige Renaturierung der Gewässer zweiter Ordnung.

Heute präsentiert sich die ehemalige Kandermündung als beliebter Rast- und Grillplatz. Ein Info-Pavillon klärt über die Hochwasserschutzmaßnahmen auf. Die Kander schlängelt sich in Richtung Efringen-Kirchen, und ihre Bewährungsprobe bei Hochwasser hat die Maßnahme auch schon bestanden.

Auch die Rheininsel jenseits des Märkter Stauwehrs ist seit 2016 kaum wiederzuerkennen. Die notwendige Neukonzessionierung für die Kembser Staustufe packten Naturschützer im Dreiland mit der notwendigen Unterstützung durch die Eidgenossen und ihr Mitspracherecht beim Schopf, um ökologische Verbesserungen einzufordern. Der französische Energieversorger EdF akzeptierte nach jahrelangen Verhandlungen schließlich eine Reihe von Maßnahmen und investierte rund 50 Millionen Euro: Die Restwassermenge im Rhein wurde von 25 auf 52 bis 150 Kubikmeter je Sekunde erhöht. Den Produktionsverlust im Kanal gleicht ein neues kleines Kraftwerk aus, das mit einem Teil des Restwassers 8,4 Megawatt Strom pro Jahr liefert.

Rheininsel renaturiert

Die Rheininsel, die zum Naturschutzgebiet Petite Camargue Alsacienne gehört, wurde renaturiert. Eine Auenlandschaft mit Weihern und Fließgewässern, wie dem „kleinen Rhein“, der einem alten Rheinarm folgt, wurden angelegt. Zwei Fischpässe erlauben die Wanderung von großen Fischen. Neuer Lebensraum ist entstanden, und es gibt einen Biberpass am Märkter Stauwehr.

Auch als Ausflugsziel hat die Rheininsel deutlich gewonnen. Einen wichtigen Schritt dazu ermöglichte 1995 die Öffnung des Märkter Stauwehrstegs für Radfahrer und Fußgänger.

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