Weil am Rhein Einblick in den „Untergrund“

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Bei der Besichtigung des Bereichs unter dem Badischen Bahnhof: die „Herbstzeitlosen“ Foto: zVg

Die „Herbstzeitlosen“ der Weiler VHS haben die Geheimnisse der unterirdischen Gänge und Räume des Badischen Bahnhofs in Basel erkundet.

Geleitet wurde die Gruppe um Organisatorin Caro Lefferts von dem Historiker und langjährigen Kenner des ausgedehnten Areals, Oswald Inglin. Er berichtete, dass es anfangs 113 Gleise gab und überdies auch noch im Norden der Halle einen Fürstenanbau mit Fürstengarten, in dem noch heute ein Brunnen plätschert. Im Ersten Weltkrieg war der Bahnhof geschlossen. Im Zweiten Weltkrieg beschloss man, den Bahnhof nicht zu schließen, da der Handel mit dem verbündeten Italien einträglich und der Zugang in die Schweiz über das befeindete Frankreich nicht mehr möglich war. Für Personenverkehr jedoch war der Bahnhof geschlossen, nur von Weil nach Grenzach konnte man fahren, allerdings mit strengen Grenzkontrollen und geschlossenen Stationen unterwegs. Ab 1943 galt der Bahnhof als militärisches Sperrgebiet, bis er ab April 1945 vorübergehend geschlossen wurde.

Alles unterkellert

Eine einfache Tür brachte die Teilnehmer in die über die gesamte Länge des Bahnhofs unterkellerten Gänge und Räume. Von Inglin erfuhren sie, dass die Ausdehnung bis an den Rhein, die Wiese und das Erlenmattgebiet reichte. Die Hallen hatten viele Zwecke zu erfüllen. Die Basler NSDAP-Ortsgruppe nutzte sie als Vereinslokal, zusammen mit Baslern wurde dort sportlich trainiert, die Gänge wurden aber auch als Umschlagplatz für Waren und wichtige Informationen genutzt sowie als Aufbewahrungsort von Waffen und Maschinen.

Die Öfen des Dampfleitwerks versorgten den Bahnhof mit Wärme. Die Leitungsschächte und Rohre für die Fernmeldetechnik zeugen davon. Mitte 1933 wurde die Hakenkreuzflagge am Turm des Bahnhofs gehisst. Die Schweizer hatten jedoch schon einen Plan, die Unterführungen und Zugänge mit Schotter zu blockieren.

Gegen Beflaggung

Dazu kam es jedoch nicht, da ausländische Beflaggung an öffentlichen Gebäuden der Schweiz verboten wurde. Die Schweizer Bevölkerung hatte sich schon immer gegen die Übergriffe der Beflaggung gewehrt und fürchtete auch den vermuteten Spionage-Umschlagplatz unter dem Badischen Bahnhof. Immer wieder jedoch kam es zu Verhaftungen wegen Spionageverdachts unter den in der Schweiz lebenden 4000 Deutschen sowie den 600 Reichsbahnangestellten.

Am 29. Mai 1945 hatte der Spuk ein Ende. Allerdings wollten jetzt die französischen Besatzungstruppen den Badischen Bahnhof unter ihre Kontrolle bringen. Die Schweizer jedoch beendeten dieses Vorhaben und stellten ihn unter Verwaltung einer Schweizer Treuhand. Somit fielen das Barvermögen von 280 000 Schweizer Franken und die Weiterverwendung der Anlagen und Gleise an die Schweiz.

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