Weil am Rhein Facettenreiches Instrument

Revisionsbeauftragter und Organist André Wahl, Orgelbaumeister Wolfgang Brommer und Pfarrer Gerd Möller (von links) vor der Orgel in St. Maria in Haltingen, die kurz vor ihrer Intonierung steht. Foto: Alisa Eßlinger

Weil am Rhein-Haltingen  - Die Orgel in der Haltinger Kirche St. Maria ist in den vergangenen zwei Monaten saniert worden. Zur Revision des Instruments, das Unesco-Weltkulturerbe ist, gehörte nicht nur das Versetzen der Orgel, sondern auch die Verbesserung des Klangbilds. Bis Ostern sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

„Die Orgel ist ein wertvolles und facettenreiches Musikinstrument“, findet Orgelbaumeister Wolfgang Brommer von der Firma „Jäger und Brommer Waldkircher Orgelbau“. Mit der Sanierung sei die Zuverlässigkeit der Orgel für zukünftige Generationen gesichert. Hin und wieder müsse das Instrument zwar gepflegt werden, aber ansonsten seien Orgeln langlebig, berichtete Brommer beim gestrigen Pressetermin.

Auslöser für die Revision waren sowohl das Klangbild, als auch die Mechanik. Die Orgel stand zu eng an der Wand, so dass sich Schimmel gebildet hatte, erklärte Revisionsbeauftragter und Organist André Wahl. Die Luftzirkulation um das Gehäuse konnte sich dabei nicht richtig entfalten.

Somit musste eine nachhaltigere Lösung gefunden werden: Die hintere Reihe wurde um 16 Zentimeter von der Wand versetzt und erhöht. Durch das Verschieben musste die gesamte Orgel um 40 Zentimeter zusätzlich versetzt werden, da sonst nicht genug Platz für das zukünftige Stimmen und Revidieren wäre. Dies hatte zur Folge, dass die Mechanik angepasst werden musste, da sich die Anordnung des Aufbaus verändert hatte.

Nur noch schwach zu hören

Auch klanglich ließ die Orgel zu wünschen übrig: Das erste Register war nicht mehr spielbar. Durch die fehlende Luftversorgung der Pfeifen waren die Töne vor allem im Rückpositiv nur noch schwach zu hören. „Die insgesamt vier Register klangen alle gleich. Es gab keinen Unterschied zwischen den hinteren und den vorderen“, so der Organist. Im Zuge der Sanierung erhielten die Register wieder einen unterscheidbaren Charakter. „Beim Begleiten des Chors war der Sprung zwischen den lauten und leisen Tönen zu groß.“

Ab heute beginnt die Intonation, sprich das Einbauen der rund 1040 Pfeifen und das Abstimmen der einzelnen Teile aufeinander sowie auf den Kirchenraum. „Sobald nur eine Pfeife verwechselt wird oder fehlt, hört man das“, erklärte Brommer.

Insgesamt drei Monate wird die Orgelsanierung dauern, dabei wurde teilweise in der Werkstatt der Firma „Jäger und Brommer“ an der Orgel gearbeitet. Das technische Ergebnis ist bereits sichtbar. Die Gesamtkosten für die Sanierung betragen 75 000 Euro. „Unsere Kirchengemeinde wird jedoch zu gut zwei Dritteln vom erzbischöflichen Ordinariat bezuschusst“, erklärte Pfarrer Gerd Möller. Außerdem berichtete er, dass die Orgel bis zum Gottesdienst in der Osternacht wieder zum Klingen gebracht werden soll.

Das Instrument wurde 1979 von der Firma Späth gebaut, seit dem steht es in der Kirche St. Maria in Haltingen und ist Unesco-Weltkulturerbe. Die Orgel wird auch bald in das Netzwerk der deutschen Orgelstraße aufgenommen, kündigte Möller an. „Doch leider wird die Orgel als Musikinstrument häufiger vergessen. Dabei ist es ein typisch deutsches Kulturgut. In Deutschland gibt es mehr als 50 000 Orgeln“, hob Brommer hervor, der selbst Orgel spielt. „Das Thema Orgel ist heutzutage nicht präsent“, meinte Möller. Auch ihm und Organist Wahl sei es wichtig, dass ihre Bedeutung nicht in Vergessenheit gerät.

  Im Internet unter www.waldkircher-orgelbau.de führt die Orgelbaufirma ein Tagebuch über die Revisionsarbeiten in St. Maria, die dort zurückverfolgt werden können.

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