Weil am Rhein Französisch-Unterricht beibehalten

Weiler Zeitung, 17.07.2017 21:20 Uhr

Von Marco Fraune

Spracherfahrungen, kulturelle Kenntnisse und eine politische Botschaft in Richtung Frankreich: Rektoren der Weiler Grundschulen sprechen sich in einer Umfrage unserer Zeitung für die Beibehaltung des Französisch-Unterrichts in der ersten und zweiten Klasse aus – und damit gegen die Pläne von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), ab dem Schuljahr 2018/19 in der dritten Klasse mit einer Fremdsprache zu beginnen.

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Weil am Rhein. Noch erhalten alle Grundschüler zwei Stunden in der Woche Französisch-Unterricht, bei dem auch Informationen über Land und Leute einfließen. Wissenschaftliche Untersuchungen würden belegen, dass Kinder zwar am Ende der vierten Klasse nicht fließend die Fremdsprache sprechen, doch rezeptive Fähigkeiten entwickeln, erläutert Bernhard Nopper, Rektor der Rheinschule. Die Sprache könne dekodiert werden, und so gingen die künftigen Fünftklässler später mit Unbefangenheit in den Französisch-Unterricht auf die weiterführende Schule.

Besonders für die Rheinschule, wo es einen hohen Migrantenanteil gibt, komme noch der soziale Aspekt hinzu. Im Französisch-Unterricht würden alle bei Null anfangen und so ähnliche Startvoraussetzungen haben. Für Nopper steht fest: „Je früher man Sprachen lernt, desto besser.“

Dass nun die Abschaffung des Französisch-Unterrichts in der ersten und zweiten Klasse erfolgen soll, kann der Rektor nicht verstehen, schließlich hätte sich Volker Schebesta, heute Staatssekretär im Kultusministerium, noch als Oppositionspolitiker der CDU im Jahr 2011 gegen die Abschaffung des Fremdsprachen-Unterrichts durch Grün-Rot ausgesprochen: „Es besteht nach unserer Auffassung die große Gefahr, dass hier wichtige Potenziale der Schülerinnen und Schüler fahrlässig vergeudet werden“, erklärte Schebesta seinerzeit.

Die Leiterin der Karl-Tschamber-Schule, Susan Leonhardt, unterstreicht, dass geeignete Lehrkräfte benötigt werden, die den Schülern ein „Sprachbad“ bieten. Doch das könne aktuell nicht geleistet werden. Für „unverantwortlich“ hält sie es aber, dass an dem Französisch-Unterricht nun geschraubt werde, nur weil die entsprechenden Lehrer fehlen.

Der Französisch-Unterricht in der ersten und zweiten Klasse bringe einiges. „Es ist toll, wenn die Kinder schon mal ein Gefühl für die Sprache bekommen.“ In ihrer Schule haben sich vier Lehrerinnen gefunden, die perfekt Französisch sprechen können.

Eine gute Versorgung mit Lehrern, die Französisch unterrichten können, hält auch die Leiterin der Hans-Thoma-Schule, Gabriele Sautter, für zentral. Es brauche Personal, welches die Vorgaben umsetzen könne. Die aktuelle Diskussion um den Französisch-Unterricht, bei der sich sogar das Auswärtige Amt eingeschaltet hat (wir berichteten), bewertet die Rektorin aber als eine Nebenbaustelle. Insgesamt sei die Versorgung mit Unterrichtsstunden, auch im Sprachförderbereich, wichtig, damit dem allgemeinen Bildungsauftrag entsprochen werden könne. „Französisch ist da ein kleines Thema im Gesamtkanon.“ Zugleich weiß sie darum, dass dieses Zeichen setzen kann. „Der Französisch-Unterricht ist auch ein politisches Zeichen in unserer Region“, erklärt Sautter.

Als einen „Teil der Friedenserziehung“ bewertet auch die Leiterin der Hermann-Daur-Schule, Anna Kruse, den Französisch-Unterricht. Einige Schüler würden sicher einige Kenntnisse beim Spracherwerb mitnehmen, andere weniger. „Doch es öffnet den Blick“, verweist sie auf Themen wie Landestypisches, Feiern, Essen oder auch das Erkennen von französischen Einrichtungen wie das Hôtel de Ville (Rathaus). „Je früher man mit Französisch anfängt, desto besser“, findet auch Kruse.

Grunsätzlich findet Alice Weeber, Rektorin der Leopoldschule, das Projekt mit Französisch-Unterricht gut, zumal man mit dem Oberrhein-Gymnasium ein bilinguales Gymnasium in Weil am Rhein habe. Daher bedauert sie die geplante Änderung. Seinerzeit habe man Werbung für Französischunterricht bereits ab dem ersten Schuljahr gemacht, jetzt werde er zurückgenommen. Allerdings sieht Weeber die Sache auch ganz pragmatisch. Jetzt schon gebe es einen Mangel an Lehrern, auch würden Grundschullehrer fehlen, die Französisch unterrichten können. Insofern kommt es der Schule entgegen, wenn künftig erst ab der dritten Klasse diese Fremdsprache unterrichtet wird.