Weil am Rhein Freundschaft mit vielen Facetten

Ingmar Lorenz
Das Zeichen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit: die Dreiländerbrücke über den Rhein zwischen Friedlingen und Huningue Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Im Zuge der Debatte über die Zusatzbezeichnung „3-Länder-Stadt“ kam die Frage auf, welche Verbindungen es in der Stadt Weil am Rhein in die angrenzende Schweiz und nach Frankreich eigentlich gibt. Bei der Suche nach einer Antwort zeigt sich: Die Kooperationen – gerade mit Frankreich – sind vielfältig und seit langem Bestandteil der Stadtgeschichte.

Dabei scheinen die Verbindungen in die Schweiz zunächst allein aufgrund der zahlreichen Berufspendler und der Einkaufstouristen im Alltag deutlicher zutage zu treten, als jene mit dem Elsass. Auch die sprachlichen Barrieren sind im Fall der Schweiz niedriger – denn das Elsässische wird gerade von der älteren Generation auf der anderen Seite des Rheins zwar noch gesprochen, ist inzwischen aber immer seltener zu hören.

Mehr als arbeiten und einkaufen

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass das Verhältnis mit der Schweiz mehr ist, als das Befolgen des Mottos „arbeiten in Basel – einkaufen in Weil“. Längst sind im Lauf der Jahre mannigfaltige private Kontakte entstanden. Auch fällt beim Blick auf die Kooperationen, die Weil am Rhein mit Basel unterhält, auf, dass bei diesen häufig auch Frankreich eine Rolle spielt.

„Weil am Rhein ist Mitglied des Trinationalen Eurodistricts Basel“, erklärt Stadtsprecher Mirko Bähr. Ein aktuelles Projekt sei diesbezüglich etwa die Dreiland-Radregion, an dem auch Weil am Rhein beteiligt ist. Die Stadt war zudem Teil der IBA Basel 2020 und hat im Rahmen der IBA verschiedene Projekte mit den Partnern aus Frankreich und der Schweiz umgesetzt.

Ein Teil der IBA sei etwa das städtebauliche Entwicklungsprojekt „3Land“. „Seit dem Jahr 2011 arbeiten die Nachbarstädte Basel, Weil am Rhein, Huningue und Saint-Louis am gemeinsamen Ziel, zwischen der Dreirosen- und der Palmreinbrücke einen grenzüberschreitenden Stadtteil zu entwickeln und den Strukturwandel aktiv mitzugestalten“, erklärt Bähr. Ein konkretes Projekt hierbei stelle das „Vis-à-vis Huningue – Weil am Rhein“ dar. Es beinhaltet die Neugestaltung der beiden Rheinuferseiten.

Daneben gibt es in vielen weiteren Bereichen direkte Verbindungen zu den französischen Nachbarn. „Die Verbindungen nach und mit Frankreich sind vielfältig und von tiefer Freundschaft geprägt“, legt Bähr dar und weist auf das wohl sichtbarste Zeichen dieser Verbundenheit hin: die längste freitragende Fußgänger- und Fahrradbrücke der Welt, die Weil am Rhein mit Huningue seit 2007 verbindet.

„Bereits seit 60 Jahren ist die elsässische Nachbarstadt unsere Partnerstadt“, ruft Bähr die seit langem bestehende Freundschaft ins Gedächtnis. Seit 1962, und damit noch vor Abschluss des Élysée-Vertrags, werde diese gepflegt. „Es handelt sich um eine der ältesten deutsch-französischen Städtepartnerschaften überhaupt.“

Kooperationen bei Bildung und Kultur

Im Rahmen der Städtepartnerschaften gibt es immer wieder verschiedene Kooperationen, beispielsweise im Kulturbereich, wenn Corona nicht gerade einen Strich durch die Rechnung macht. „Auch die Musikschulen spannen immer wieder zu gemeinsamen Projekten zusammen“, so der Stadtsprecher. Zudem gebe es die deutsch-französische Interessengemeinschaft „Table Ronde“, die vor den coronabedingten Einschränkungen immer ein Jahresprogramm mit Aktivitäten im Dreiländereck angeboten habe. Dazu gehörten unter anderem Führungen in der jeweiligen Partnerstadt, aber auch Ausflüge in der Region. „Nicht zu vergessen die Pilzausstellung, die vor Corona immer im Wechsel in Märkt beziehungsweise im Triangle in Huningue stattgefunden hat, oder auch das Elsässer Theater im Haus der Volksbildung“, nennt Bähr weitere gemeinsame Projekte.

Kooperationen gibt es zudem im schulischen Bereich zwischen den beiden Gymnasien. „Das Kant-Gymnasium hat erst kürzlich für die Zusammenarbeit mit dem Collège-Lycée ,Don Bosco’ das Oberrheinsiegel erhalten“, so Bähr. Das Oberrhein-Gymnasium als bilinguales Gymnasium hat verschiedene Partnerschulen und konnte bereits verschiedene Auszeichnungen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit entgegennehmen.

Auch in Sachen Ausbildung spiele der deutsch-französische Austausch eine Rolle. „Zwar ist dieses Thema eher bei den Kammern angesiedelt, doch laden wir auch französische Schulen zu unserer Ausbildungsbörse ein, wenn sie denn stattfinden kann“, betont Bähr.

Gegenseitige Einladungen als Fundament

„Neben den offiziellen Partnerschaften und Projekten sind es aber vor allem die tagtäglichen Begegnungen, die durch die Dreiländerbrücke natürlich noch mehr geworden sind“, so der Stadtsprecher. Auf politischer und Verwaltungsebene finden immer wieder Treffen und Begegnungen fern ab der konkreten Projekte statt. Die Nachbarn laden sich etwa gegenseitig zu festlichen Anlässen ein. „Diese Begegnungen und gemeinsame Festivitäten, wie das Fest anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Dreiländerbrücke, sind ein wichtiges Fundament der Zusammenarbeit“, heißt es seitens der Stadt Weil am Rhein.

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