Weil am Rhein Großer Auftritt, strahlender Wohlklang

Die Aufführung des Haydn-Oratoriums „Die Jahreszeiten“ überzeugte die zahlreichen Besucher in der Friedlinger Kirche. Foto: Dorothee Philipp

Weil am Rhein - Mit einer strahlend schönen Aufführung des Haydn-Oratoriums „Die Jahreszeiten“ füllte die Basler Liedertafel zusammen mit drei weiteren Chören, drei Solisten und der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz die Friedlinger Kirche Guter Hirte.

Die Leitung des Großprojekts, das den Ausführenden zwei Stunden lang hohe Konzentration und viel Einsatz abverlangte, meisterte Karl Gehweiler, Leiter der Weiler Musikschule und seit 2014 Dirigent der Basler Liedertafel.

Haydns weltliches Oratorium ist ein durch und durch von Wohlklang geprägtes monumentales Naturgemälde, welches das einfache Leben auf dem Land als moralisches Ideal anpreist. Die Solisten Hanne (Kathrin Hottiger), ihr Vater Simon (Tobias Wicky) und ihr Freund Lukas (Dieter Wagner) verkörpern symbolisch die bäuerlichen Bewohner dieser heilen Welt, in der die Tugend den höchsten Stellenwert besitzt.

Die Konstanzer Philharmonie in ausgewogener klassischer Besetzung gefiel von Anfang an durch einen üppigen, aber transparenten Klang, der in den Rezitativen um den barocken Akzent eines Cembalos (Reinhard Martin Mayr) erweitert wurde. Das Orchester malte beweglich, geschmeidig und klangschön Bilder und Szenen aus dem literarisch eher bescheidenen Libretto Gottfried van Swietens: Die Frühlingswiese, auf der sich die Jugend sittsam tummelt, das Sommergewitter, das wie ein Vorgriff auf die entsprechende Szene in Beethovens „Pastorale“ wirkt, die wilde Jagd im Herbst, die durch den schmetternden naturtönigen Klang zweier Parforce-Hörner eine dramatische Dimension erhielt. Dann das Trinkgelage, bei dem van Swieten den Chor immer wieder in ein frenetisches „Juchhe, Juch!“ ausbrechen lässt.

Sauber in den Details und großartig in der Dramaturgie

Und auch der traute Anblick der Mütter und Töchter an Rocken und Spinnrad gab Haydn eine Steilvorlage für genüssliche Lautmalerei: ein mit lebhaft fließender Motorik dargestelltes Tonbild, das später auch Schubert mit seinem „Gretchen am Spinnrade“ aufgriff.

Sauber in den Details und großartig in der Dramaturgie, in der kein Spannungsbogen vorzeitig abbrach, agierten die Musikerinnen und Musiker in den frischen Tempi, die Gehweiler vorgab. Der riesige, aus vier Ensembles bestehende Chor – neben der Basler Liedertafel sangen hier die aus dem Weiler Gesangverein entstandenen „Voices In Motion“, das Frauenensemble „Singvoll“ aus Basel und die Herren der „Jungen Tafelrunde“ Basel – agierte wie aus einem Guss, reagierte vorzüglich auf das Dirigat und bestach durch einen groß dimensionierten und bestens proportionierten Gesamtklang.

Eine Meisterleistung war der technisch anspruchsvolle Schlusschor mit diffizilen Einsätzen, langen Koloraturen und einem komplizierten Fugato, das in ein triumphales Finale mündete. Auch die Auswahl der Solisten passte bestens zum Gesamtwerk.

Ein Höhepunkt an diesem Abend war der Part der Hanne, den Kathrin Hottiger mit jugendlichem Charme füllte. Vogelgleich schwang sich ihr Gesang in höchste Höhen, bezauberte mit einem schwerelosen Pianissimo und agilen Koloraturen. Mit makellos klarem Timbre und verhalten stählerner Kraft gab der Tenor Dieter Wagner als Lukas einen passenden Partner. Besonders schön zeigte sich die Harmonie der beiden Stimmen in dem Liebesduett „Ihr Schönen aus der Stadt“.

Einen großen Auftritt hatte der Bariton Tobias Wicky mit der Winter-Arie des Simon „Erblicke hier, betörter Mensch“, in der sich das Orchester dezent zurücknimmt, um der Darstellung des Textes über Leben, Sterben und Ewigkeit genügend Raum zu geben.

Eine gelungene Aufführung, die das Publikum am Ende mit einem langen und auch lebhaften Beifall belohnte.

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