Weil am Rhein Gruppen servieren Weiler Publikum scharfzüngigen Schnitzelbangg voller Pointen

Monika Merstetter
Die Getto Singers Foto:  

Die Beitragenden absolvierten einen närrischen Parforce-Ritt durch die wichtigsten Themen des vergangenen Jahres.

Nein, es gab so vieles Kurioses und Interessantes zu berichten, worüber die Schnitzelbänggler unbedingt ihre Gäste aufklären wollten. Hauptsächlich machte allen die abhanden gekommene oder gar nicht vorhandene Intelligenz Sorgen. Egal ob in der hohen Politik oder von der Schulbank aus. Genauso wie die verarmten Lörracher.

Keine großen Lücken

Diszipliniert hielten die Akteure den von Organisator Stefan Arndt erstellten Fahrplan ein, sodass es in den vollbesetzten Lokalen zu keinen großen Lücken zwischen den Auftritten kam. Trotzdem wurde den Zuhörern bis nach Mitternacht einiges an Sitzfleisch abverlangt, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat.

Chörli Foto: Monika Merstetter

Was allen eine Steilvorlage bot, war das diesjährige Fasnachtsmotto „Darf me das?“ Diese Frage wurde sehr differenziert und originell ausgeschlachtet. Das fragte der Schnurefridli un si Knecht bereits zu Beginn nach der Eingangsmelodie Hollari…dubidubidi…Ha-Ha-Ha… Darf me so blööd a-fange? Gopferdeckel – es sinn halt scho veruggti Seggel, wie sie neben den Zunftabenden so einen vielfältigen Schnitzelbangg auf die Beine gestellt haben –Chapeau.

Sorgen ums Open-Air

S Chörli macht sich arge Sorgen um das Chieswerk-Open-Air und hat zu Recht die BuGA in Mannheim gemieden, weil Dreadlocks und Sombreros unter kulturelle Aneignung fielen, dafür werden in Weil Dirndl und Lederhosen angezogen, um an das Wiiler Oktoberfescht zu gehen. Geht das, wo bleibt da die Aneignung der bayerischen Kultur?

Die Mooswaldsiechä Foto: Monika Merstetter

Die beiden Mooswaldsiechinnen wälzten vielfache Probleme und Dramen, hatten bei der Pointe aber immer die Lacher auf ihrer Seite. Da niemand in Sachen Bläserfestival im letzten Jahr auf sie gehört hat, besangen sie jetzt aufmüpfig das 3LSF. Schadenfreudig schlachteten sie das blaue Auge, das Olaf Scholz sich beim Joggen einfing, aus. Bereits eine Marke ist, wenn zum Schluss Berndt rot, rot, rot so wie die Rosen… anstimmt.

OB-Wahl bei den Riisnegel

Wie ein roter Faden zog sich die OB-Wahl durch den Bangg der Riisnegel. Es gibt bestimmt in keiner anderen Gemeinde eine so offensichtliche Wahlbeeinflussung wie in Weil. Indem viel Geld fließt, ist wohl abzusehen, aus welcher der Schnitzelbangg-Cliquen das neue Stadtoberhaupt kommt. Wenn es denn genug Campari auf dem Rathaus gebe, wären dr Röne und dr Däni und dr Markus debi. Sie blieben zwar kurz an ihrem Helgen kleben, aber nach drei Schorli suur legten sie ihre Finger weiter in einige offene Wunden in der Region.

Dr Schnurefridli Foto: Merstetter

Die Rhy-Deufel haben sich mit Danny Busch an der Drehorgel verstärkt. Das und ihr Gereimtes kamen beim Publikum sehr gut an. Ihr einziges Problem ist wohl, dass sie noch nicht kapiert haben, dass nicht in jeder Person, die wie eine schöne Frau aussieht, auch eine schöne Frau steckt.

Die Rhy-Deufel Foto: Monika Merstetter

Wie sich die Rollen zwischen Mann und Frau gewechselt haben, besangen sehr humorvoll die Getto Singers. Die Sportschau moderieren jetzt Frauen, dafür stehen die Männer in den Kochshows am Herd. Sie bedauern, dass schöni Chleidli nur no s‘ Großmutti a hett und diä Junge am Sundig in Trainingshose nebedra schtöhn. Genauso wie es da, wo es einst in Weil noch Sexhops und Striptease gegeben hat, nur noch Döner und Nagelstudios gibt.

d‘ Düpflischisser Foto: Monika Merstetter

Mächtig ins Zeug gelegt

Kompliment an den neuen Helgenmaler Frank Schmohl für seine Interpretation. D‘ Schereschliffer legten sich noch einmal so richtig ins Zeug. Besonders mit ihrer umgemünzten Melodie von Macarena auf Annalena bekamen sie viel Applaus. Als sie jedoch zum Schluss auf die Melodie Marmor, Stein und Eisen bricht sangen, dass sie zum letzten Mal aufgetreten sind, war das Erstaunen doch groß. Wenn sie auch erst seit 2020 dabei waren, sind sie doch gleich ein sich nahtlos einreihendes Mitglied der IG gewesen. Bestens aufgestellt präsentierten sich d‘ Düpflischisser. Sie können nicht nur Blues, sondern auch Kanon und vor allem sich selbst auf den Arm nehmen. Da die Lörracher nun keini Schnägge meh fresse, d‘Düpflischisser hän e Schreck, wänn die uns jetz‘ fresse, drei Schneckenuddle mit viel Speck.

Die Schereschliffer Foto: Merstetter

Einen furiosen Einstand lieferten an ihrer Premiere die Rhy-Pirate. Dass da mit Kapitän Stefan noch etwas Lachsfrässer drinsteckt, war gleich bei der Erkennungsmelodie zu hören: Joa guede Nobe liebi Lüt, nämmet euch doch jetzt e klei wenig Ziit, für d‘ Rhy-Piraaaate… Pfiffige Themen, gut gereimt und die Pointen auf den Punkt gebracht.

KI lässt Tote Lieder singen

Der zänkische Papagei, der die von Frank Schmohl in einem besonderen Stil aufwendig gemalten Helgen präsentierte, war geschickt eingebunden. Wie angekündigt, haben die Quärulante wieder kein Blatt vor den Mund genommen. Ob Lauterbach, die Krise in der Kirche, die straßenblockierende Bauern, Pisa-Studie, Schuhbeck, KI, die sogar Tote wieder Lieder singen lässt, die Quärulante stellen vieles auf den Prüfstand. Fluch oder Segen, nach einem Tigermückenstich können sie nur noch schwiizer Dialäkt.

Alle Akteure bekamen vom neuen Vorstand der IG Straßenfasnacht Andreas Kiesewetter den diesjährigen Narrenorden verliehen. Noch zweimal wird gesungen: am Freitag, 16. Februar und Samstag, 17. Februar.

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