Weil am Rhein „Habe nie einen Karriereplan gehabt“

Christoph Schennen

Christian Streich war am Donnerstagabend Gast bei den vom Bürgerverein Weil organisierten und vom SWR durchgeführten „Weiler Gesprächen“. In der Altrheinhalle in Märkt beantwortete er Fragen von Moderator Matthias Zeller und nahm Stellung zum Erfolg des SC Freiburg, zu seiner Jugend in Eimeldingen, zur aktuellen WM und zu der Zeit nach dem Trainerjob.

Von Christoph Schennen

Weil am Rhein - Eines dürfte die zahlreichen SC-Fans beruhigen: Christian Streich wird nicht Bayern-München-Trainer. Er hatte mal eine Bayern-Jeansjacke und trug sie, als er als Jugendlicher nach München getrampt ist, um sich ein Spiel des Rekordmeisters anzusehen, erzählt er. Aber ein Engagement beim erfolgreichsten deutschen Fußballverein?

„Vollständig unrealistisch“, sagt Streich. Allzu gut läuft es derzeit bei seinem Herzensverein, dem er seit elf Jahren als Trainer vorsteht – und das mit wachsendem Erfolg. Es zahlt sich in dieser Saison aus, so der Fußballtrainer, dass der SC viele Spieler habe, die schon lange dabei sind und dass es wenig Wechsel gebe. „Wir schätzen uns sehr“, sagt Streich über sein Verhältnis zu seinen Spielern.

Ein großen Teil zum Erfolg trage auch die „enorme Kompetenz im Trainerbereich“ bei. Wer Streich kennt, weiß, dass er jemand ist, der bodenständig ist und niemals abhebt. Derzeit sei der SC Zweiter hinter den Bayern, aber, so der Südbadener, „wir bleiben dort nicht, aber jetzt sind wir dort“.

Die Jahre als Jugendlicher

Streich blickt im Interview auch auf seine Kindheit in Eimeldingen zurück, in der ihm alles erlaubt war. Er durfte kicken, soviel und wann er wollte. Wenn er mal Kinder nach Hause einlud, war das für seine Eltern kein Problem. Diese Offenheit des Elternhauses habe ihm sehr gut gefallen. In Erinnerung blieben ihm auch WM-Spiele, die er im „Löwen“ geguckt hat.

Der WM-Triumph von Bern 1954 – er hat ihn selber nicht miterlebt – habe seiner Meinung nach eine Wirkung auf die Gesellschaft gehabt, die man nicht unterschätzen dürfe. Dass die WM in diesem Jahr in Katar stattfindet, missbilligt er; er warnt aber auch vor Scheinheiligkeit – im Hinblick auf das Verbot von Homosexualität in dem Wüstenstaat weist er darauf hin, dass es vor 15 Jahren auch in Deutschland viele Leute gegeben habe, die Ängste hatten vor Menschen mit sexuellen Orientierung jenseits der Norm. Und bei der WM 1978 in Argentinien habe auch der Junta-Chef neben dem FIFA-Präsidenten gesessen.

Streich liebt die Natur

Es sind nicht nur Fragen zu seiner Lieblingssportart, die Streich beantworten muss. Er wird auch gefragt, was ihm Halt gibt. „Natur, der Geruch von Boden, Menschen“, antwortet er: „Ich kann mich an vielen Sachen erfreuen.“ Und welche Bedeutung hat Heimat? „Heimat ist schön, kann aber auch eng sein.“ Der Interviewer solle denjenigen fragen, der keine Heimat (mehr) hat, was für ihn Heimat bedeute, meint Streich.

Weggefährten melden sich

Auch die Bürger dürfen Fragen stellen. Es melden sich zahlreiche seiner Weggefährten. Einer hat in einer Mannschaft, die Streich trainiert hat, gespielt. Ein anderer hat mit seinem Team gegen Streichs Team gespielt. Das muss vor Jahrzehnten gewesen sein. Dann gibt es noch einen SC-Fan, der auch Union Berlin-Fan ist und ihn nach seiner Meinung zu Urs Fischer fragt. „Er macht eine unglaubliche Arbeit mit den Eisernen“, attestiert Streich dem Hauptstadt-Kollegen.

Der Abschied

Nochmal zurück zum Interview: Eine Frage drängt sich nämlich auf, wenn man wie Streich so lange im Trainergeschäft ist. Wie sein Abschied beim SC Freiburg aussehe, will SWR-Moderator Matthias Zeller wissen. Ein Fußballlehrer stellt sich ja immer die Frage, wie lange er noch bleiben darf. Streich muss sich diese Frage nicht nach jedem Spieltag stellen. Denn Freiburg ist ähnlich wie Heidenheim ein Fußballstandort, der nicht so schnell seinen Trainer entlässt. Volker Finke, Streichs Vorgänger, war 16 Jahren beim Sportclub. Streich, der die Elf auch schon elf Jahre trainiert, sagt, er unterschreibe immer nur Ein-Jahres-Verträge. So lange wie Finke werde er nicht machen, versichert Streich.

Reise Richtung Indien

„Ich habe nie einen Karriereplan gehabt“, fügt der 57-Jährige hinzu. Und: „Wenn ich nicht mehr will, kann ich gehen. Aber ich wüsste nicht, was ich machen sollte.“ Er hat mal gesagt, dass er ein halbes Jahr Richtung Indien unterwegs sein wolle. „Ich habe vor vielen Sachen Angst, aber nicht vor Fremden“, betont er. Aber so wichtig scheint ihm dieser Wunsch nicht mehr zu sein, als er vom Interviewer darauf angesprochen wird. Es würde ihm auch reichen, etwas zu lesen, über jemanden, der fünf Monate nach Indien gewandert ist.

Dass Christian Streich in naher Zukunft den Verein verlässt, ist nicht zu erwarten. Die Abläufe beim SC sind gut, die Trainer auch. Warum sollte er gehen? Die Antwort könnte sein, wie es so schön heißt: „Never change a winning team.“

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