Weil am Rhein In drei Etappen genau betrachten

Weil am Rhein - Mit großer Mehrheit, aber auch reichlich kritischen Tönen hat der Gemeinderat am Dienstagabend 400 000 Euro für die weitere Innenstadtplanung bewilligt. Außerdem wird für 184 000 Euro das Ingenieurbüro Mailänder Consul beauftragt, die weitere Planung für die Tram-Verlängerung bis zum Läublinpark vorzunehmen.

Wie sich die Innenstadt von Weil von der autogerechten Stadt bis heute verändert hat, führte Erster Bürgermeister Christoph Huber am Dienstagabend vor Augen. Ziel sei nun, die nächste Planungsstufe zu erreichen. Im Blick ist als „Etappe 1“ die Müllheimer Straße zwischen Schlaufenkreisel und Einmündung Humboldtstraße, die Humboldt-straße bis zur Einmündung Sternenschanzstraße sowie der Schlaufenkreisel bis zur Friedensbrücke und die Hauptstraße bis zur Einmündung Schillerstraße. Die zweite Etappe umfasst die Planung Richtung Osten bis zur Einmündung Bühlstraße. Als dritte Etappe gilt die Hauptstraße bis zur Kreuzung am Läublinpark. Mit konkurrierenden Verfahren, also Mehrfachbeauftragung oder einem städtebaulichen Wettbewerb, soll eine gesamthafte Betrachtung erfolgen, so Huber. Dies sei dann Diskussions- und Entscheidungsgrundlage – auch für die ins Auge gefasste Fußgängerzone, über die noch nicht entschieden wurde.

1,5 Kilometer Hauptstraßen-Raum plus direkter Umgebung sind im Blick. Klar ist, dass der Schlaufenkreisel nicht funktioniert, sondern auf einen Mini-Kreisel gesetzt wird (wir berichteten).

Einbahnring prüfen

Bei Planung der ersten Etappe gelinge mit der kurzen Fußgängerzone vom Schlaufenkreisel bis zu Einmündung eine Unterbrechung des Durchgangsverkehrs, bezog Andreas Rühle (UFW) Stellung. „Aus meiner Sicht ein wichtiger und guter Schritt.“ Allerdings müsse man aufpassen, welche Auswirkungen das auf die angrenzenden Wohnquartiere habe. Als mögliche Variante in die Planung mit aufnehmen müsse man auch die Option eines Einbahnrings von der Hauptstraße kommend über die Schillerstraße zur Bühlstraße. Hier regte Rühle einen Testbetrieb nach Fertigstellung der kurzen Fußgängerzone bis zur Schillerstraße an.

City-Bus statt Tram8+

Gegen eine Insel-Lösung und ein etappenweises Vorgehen sprach sich Wolfgang Roth-Greiner (FDP) aus. Er ist dagegen, die Planungsgelder auszugeben. Auch die Tram-Verlängerung sieht der Freidemokrat kritisch, wobei eine Sinnhaftigkeit im Vergleich zum City-Bus nicht gegeben sei. Völlig unklar sei außerdem, wie man den Schweizern den Nutzen der Tram8+ vermitteln soll, der nicht belegt sei. Wie berichtet, muss OB Wolfgang Dietz Bundesbern davon überzeugen, um Mittel aus dem Strukturfördertopf „Agglomerationsprogramm“ nach Weil zu leiten. Angesichts von geschätzten Gesamtkosten von 18 bis 20 Millionen Euro sei zu überlegen, das Geld anderweitig auszugeben, erklärte Roth-Greiner.

Kurzfristig und langfristig

Das große Ganze dürfe nicht aus den Augen verloren werden, erklärte Johannes Foege (SPD). Etappieren bedeute, dass man im ersten Bereich beginne und Anpassungsmöglichkeiten in den weiteren Bereichen habe. „Wir gehen wirklich ran, Nägel mit Köpfen zu machen“, begrüßte Foege die Arbeit an der ersten Etappe.

Der schienengebundene ÖPNV, also auch die Tram, sei im Vergleich zum Bus deutlich vorteilhafter. Als „Schildbürgerstreich“ sieht es SPD-Fraktionschef Foege daher an, wenn Weil vom Verkehr Basel abtrennt. Daher müsse für die Tram-Verlängerung weiter geplant werden. Bis die Tram8+ komme, könne ein City-Bus fahren. Es gelte, das Problem kurzfristig zu lösen und die längerfristige Perspektive im Blick zu behalten. Zwischen Läublinpark und Rathaus verkehre schon jetzt „alle paar Minuten“ ein Bus, kommentierte OB Dietz das Ansinnen.

Gegen Einbahnverkehr

„Festgefahrene Wege gibt es, doch die soll man hinterfragen und neue Möglichkeiten aufzeigen“, unterstützte Thomas Bayer (Grüne) die weiteren Planungsschritte. Im Gegensatz zu anderen Parteien seien die Grünen gegen eine Einbahnregelung. „Entweder wir machen das richtig oder gar nicht. Einbahnverkehr ist für die Wohnquartiere herum keine Option.“

Auf eine Verkehrssimulation, bildlich und darstellerisch, setzt Axel Schiffmann (UFW) – „damit klar ist, was geschieht“. Für die Tram8+ beschließe man eine Planungsleitung, nicht die Realisierung, betonte er. Hier sei vorher noch ein Betriebskonzept mit den Betriebskosten erforderlich.

Die Aufenthaltsqualität

Pro Fußgängerzone positionierte sich Martin Fischer (Grüne). Diese erhöhe die Aufenthaltsqualität. Wenn die Tram komme, werde sie zudem als innerstädtisches Verkehrsmittel genutzt, ist er sich sicher. Hinzu komme, dass Buslinien entlastet würden und in andere Bereiche fahren könnten.

„Von der Aufenthaltsqualität wird die Zukunft der Innenstadt abhängen“, unterstrich auch OB Wolfgang Dietz. Mit der Tram8+ erreiche man zudem 15 000 mögliche Nutzer, die in dem Bereich wohnen. Doch es bedürfe einer tauglichen Grundlagenplanung.

Die Tram8+ soll laut Eugen Katzenstein (UFW) aber nur kommen, wenn es für die Stadt finanziell tragbar ist.

Die Planung für die Innenstadt sei wichtig, betonte Claus Weibezahl (CDU). Es dürfe dabei nicht zu einer Verlagerung der Verkehrsbelastung in irgendwelche Bereiche kommen.

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