Weil am Rhein In einer schwierigen Zeit

Am Freitagmittag fiel die Entscheidung: Der Weiler Buurefasnachtsumzug kann wie geplant stattfinden. Das freut auch den Veranstalter. Foto: Marco Fraune Foto: Weiler Zeitung

Die IG Weiler Straßenfasnacht musste gestern noch zittern, ob die Fasnachts-Großveranstaltungen stattfinden können. Vorsitzender Uwe Wissler atmete am Mittag auf. Nicht nur wegen des Coronavirus waren die Vorbereitungen besonders umfangreich.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Im Gespräch mit unserer Zeitung liefert Wissler Einblicke und Einschätzungen zur besonderen Weiler Buurefasnacht.

Frage: Coronavirus und ein Mann, der mit seinem Auto in eine Menschenmenge fährt: In diesen Tagen sind Sie nicht zu beneiden, eine Großveranstaltung mit voraussichtlich mehr als 20 000 Besuchern zu organisieren.

Das ist richtig. Aber wir wussten, was auf uns zukommen kann. Wichtig ist, dass man gute Partner wie die Stadt, Ordnungsamt, Polizei und Hilfsorganisationen hat. Wenn man sich vernünftig abstimmen kann, hilft das. Aber es sind in diesen Tagen natürlich spezielle Ereignisse gewesen.

Frage: Was beschäftigt Sie mehr: Die in Baden-Württemberg gemeldeten grippeähnlichen Symptome oder die Ereignisse im nordhessischen Volkmarsen?

Beides – und als drittes das Wetter, da es zu Sturmböen und anderen Kapriolen kommen kann. All diese Punkte muss man analysieren. Wir haben mit der Stadt auch wegen des Coronovirus Rücksprache gehalten. Schlussendlich muss man sagen: Es ist eine Veranstaltung im Freien. Jeder muss hier dann selbst entscheiden, ob er kommt. Die Sicherheit der Zuschauer und der Aktiven steht grundsätzlich an oberster Stelle. Solange aber keine gehäuften Coronavirus-Infektionen auftreten, findet die Fasnacht ohne Einschränkungen statt.

Frage: Welche Maßnahmen haben Sie wegen der jüngsten Entwicklungen neu in diesem Jahr ergreifen müssen?

Im Vorfeld waren wir schon sehr gut aufgestellt. Wir haben in den Vorjahren vieles getan, sodass wir nur noch ein klein bisschen optimiert haben. In Menschenmengen zu rasen, dieser Wahnsinn ist schließlich leider nicht neu. Und wir dürfen nicht sagen: Wir sind hier eine kleine Stadt und machen Fasnacht, hier wird schon nichts passieren. Daher müssen wir die Sicherheit für alle Teilnehmer gewährleisten. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es aber nicht. Das ist unmöglich.

Frage: Für die allgemeine Sicherheit soll auch die Sperrung der Umzugsstrecke zwischen 10 bis 24 Uhr für sämtlichen Verkehr dienen...

Hier gibt es leider immer wieder Wahnsinnige, also Anwohner und andere unvernünftige Leute, die Absperrungen auf die Seite rücken und einfach auf die Strecke fahren, dann auch noch die Gitter an der Seite stehen lassen. Vielleicht hört dieser Wahnsinn irgendwann einmal auf. Dafür habe ich null Verständnis. Ich werde jede dieser Pappnasen fotografieren und anzeigen. Außerdem wird die Absperrung immer wieder nicht nur ignoriert, sondern die Ordner werden sogar beleidigt und bepöbelt, mit dem Fahrzeug bis zu ihren Füße gefahren. Das ist Wahnsinn.

Frage: Beim Guggenmonsterkonzert am Samstag gab es schon in den beiden Vorjahren aus Sicherheitsgründen ein „Mitführungs- und Benutzungsverbot von Glasbehältnissen“. Im vergangenen Jahr haben Sie zudem ein Konzept zur Müllvermeidung angekündigt. Wie sieht dieses aus?

Das ist aus finanziellen Gründen dieses Jahr noch nicht durchzusetzen. Wenn wir Mehrwegbecher und Gefäße anschaffen, dann nutzen wir die einmal im Jahr. Die Anschaffung fällt nicht nur als Investition an, sondern wir müssen die Utensilien lagern und sie speziell reinigen. Die Kosten stehen nicht im Verhältnis zum Nutzen. Zum Glasverbot: Hier haben wir nicht die Schwierigkeit, mit dem, was verkauft wird, sondern mit den mitgebrachten Gefäßen, auf die wird keine Sorgfalt gelegt. Das bleibt liegen oder wird sogar verteilt. Seit Jahren haben wir daher uns selbst ein Verbot auferlegt, keine kleinen Klopfer-Flaschen zu verkaufen.

Frage: Im vergangenen Jahr haben Sie wegen des Sturms dazu aufgerufen, auf Konfetti zu verzichten. Wie lautet die Empfehlung für Sonntag?

Im Moment gibt es keine. Wir finden aber, dass Konfetti zum Umzug dazu gehört. Anders als unnötige Sachen, die gesundheitsschädlich sind, die gehören verboten. Ein Beispiel sind Kabelbinder, mit denen die Füße von Besuchern zusammengeknotet werden. Wir brauchen auch keine dunklen Höhlen mit Matratzen, wo jungen Frauen Konfetti in den BH gesteckt wird. Industrielles Abfallkonfetti verschwindet außerdem langsam aus dem Umzug. Auch das ist wichtig.

Frage: Mit der Fasnacht wird ein Brauchtum gepflegt: Was halten Sie von den Party-Mobilen, die auf der Strecke unterwegs sind?

Musik finde ich generell immer schön. Mitschunkeln und tanzen gehört dazu. Doch zu laute Musik braucht kein Mensch – also auch keine fahrenden Discoanlagen. Man muss aber auch mit der Zeit gehen und sich anpassen. Wir haben schließlich auch jüngeres Publikum. Eine gesunde Mischung hinzukriegen, dies ist das Ziel.

Frage: Angesichts von Auflagen und Problemen mit dem Virus und der Sicherheit: Lassen sich solche Großveranstaltungen wie der Umzug in den nächsten Jahren überhaupt noch realisieren?

Ja, das würde ich schon sagen. Veränderungen gab es, gibt es und wird es weiter geben. Man muss sich anpassen und offen für weitere Maßnahmen sein. Es kommt aber natürlich darauf an, was sich noch ereignet. Die Finanzen sind zudem ein weiterer wichtiger Punkt. Plakettentragen ist daher Ehrensache. Und irgendwann kommt vielleicht der Zeitpunkt, wenn es sich nicht mehr finanzieren lässt. Doch wenn die Veranstaltung weiterhin sauber organisiert ist: Dann dürfte es kein Thema sein.

Frage: Worauf freuen Sie sich denn bei den Veranstaltungen am meisten?

Wenn sich unsere Arbeit ausgezahlt hat und wir den Besuchern Freude bringen und diese erreichen konnten – und wir damit die Fasnacht am Leben erhalten. Außerdem ist uns sehr wichtig, dass keiner Schaden nimmt, falls doch, dann aber angemessen und schnell reagiert wird. Ich selbst habe keine Fasnacht, denn man ist immer angespannt. Doch wir Organisatoren haben es uns ausgesucht. Wir machen es aber sehr gerne.

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