Weil am Rhein Jedes Kleidungsstück wird inszeniert

Ines Bode
Voll wie selten war die Vernissage im Textilmuseum: Jugendliche beider Gymnasien zeigen Exponate. Foto: Ines Bode

Im Museum Weiler Textilgeschichte wird die Sonderausstellung im Textilmuseum „Textile Phantasien. Kunst aus Schüler*innen Hand“ eröffnet. Oberbürgermeister Wolfgang Dietz lobt die „enorme Qualität“ der Schülerarbeiten.

Ein amüsiertes Schmunzeln hier, ein spontanes Lachen da, ein erstaunter Blick, ein wissendes Kopfnicken: Die Reaktion der Besucher zu den 32 Unikaten der Sonderausstellung im Textilmuseum fiel unterschiedlich aber positiv aus – das Thema: „Textile Phantasien. Kunst aus Schüler*innen Hand“.

Mehrfach fiel das Wort „erstmalig“ in den Grußworten der Vernissage. Es sei eine reine Schüler-Ausstellung in öffentlichem Raum, die es in dieser Art noch nicht gab, teilte die städtische Museums-Verantwortliche Barbara Brutscher mit. Involviert sind die beiden örtlichen Gymnasien. Sie ließ die erlebnisreiche Entstehung und Umsetzung der vergangenen Monate Revue passieren. Heraus kam eine Schau, die immer wieder die Frage aufwirft: „Das haben Schüler gemacht?“ Alles sieht äußerst professionell aus. Die Kulisse tut ein Übriges. Die Exponate befinden sich inmitten von Maschinen und wuchtigen Werkbänken.

Extravagante Kleider

Erstaunlich oft wirkt es so, als ob alles seine Richtigkeit hat. Eine lebensgroße Puppe wurde direkt auf eine Arbeitsbank platziert. Sie trägt Stoff und Metall, es gibt einiges an der Figur zu betrachten. Gleich nebenan steht ein zweites Objekt, im schwarzen Kleid samt metallenem Underskirt, der früher Petticoat hieß. Gar ein Barockstuhl wurde in eine Szene eingebaut. Stiehlt er dem Textilobjekt die Show? Nein, er untermauert die Botschaft: Extravagant. Jedes Kleidungsstück wurde anders inszeniert, nichts wirkt langweilig. Es verdeutlicht, hier hat man sich viele Gedanken gemacht. In der Kurve des Rundgangs wartet eine Kreation, bei der dem Besucher der Begriff „Robe“ in den Sinn kommt. Äpfel liegen am Boden auf orangefarbigen Tüll.

Abgerundet wird das Triple von einem Bild. Es zeigt ein Model mit Apfel und mies gelauntem Blick. Wie in der Realität eben. Überhaupt die Fotografien. Ein Profi hätte es nicht besser gekonnt. Zu jedem Outfit gehört ein Bild. Mal klein, mal größer. Das sitzende „Model“ mit streng nach hinten gekämmtem Zopf pafft eine Pfeife, der Oberkörper fällt nach vorn, die Beine sind nur halb zu sehen, stecken in weiten Hosen. Anderswo hängt ein Schwarzweiß-Bild, der Wind wirbelt eine Locke der kurzen Haare der Protagonistin auf, fährt ins Kleid, und sie streckt den Arm durch Metallgebilde. So etwas nennt man Kunst. Ein drittes zeigt die typische surreale Modelpose, so steht niemand herum, der Blick des Mädchens fällt gen Boden, der Kopf wird nur halb gezeigt. Die Natur dient meist als Kulisse.

Kunstvolle Hüte

Auf einen Höhepunkt trifft man gleich zu Beginn. Robustes Malervlies diente als Material, entstanden ist eine Art bodenlanges Gewand mit einer Art Kapuze. Wie man es tragen sollte, empfiehlt das Foto: Am besten mit exaltiertem Auftreten. Heraus sticht die Ecke namens „Tragbare Gefühle“. Kunstvolle Hüte, die für Schmerz, Trauer, Wut stehen. Ein Platz, wo sich die Gäste drängen.

Märchenhafte Kostüme

Oberbürgermeister Wolfgang Dietz sprach Dank an die Organisatoren aus, und erheiterte beim Stichwort „Phantasie“ mit einer Ferien-Anekdote: Teure Preise rechtfertigten sich damit, dass eben Träume verkauft werden. Brutscher sprach die „enorme Qualität an, die sich nicht von normalen Künstlern unterscheide“. Leidenschaft stecke in den Kostümen, die teils an Märchen erinnern. Ihr persönliches Lob an die Gymnasiasten: Es sei eine der am wenigsten stressigen Zusammenarbeit gewesen.

Professionell geriet weiter die musikalische Umrahmung: Es unterhielten Jonathan Leitherer am Saxophon und Josua Geyer am Keyboard.

Die Sonderausstellung ist jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr zu sehen, und sie wird bis Juni nächsten Jahres gezeigt.

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