Weil am Rhein Katzenhilfe vollzieht einen Kraftakt

Bei „Nero“ handelt es sich um einen tauben Kater, der aktuell vermittelt wird. Insgesamt gibt es acht vermittelbare Katzen in den Pflegestellen und noch zwei „Flaschenbabys“. Foto: zVg

Weil am Rhein - Die SOS Katzenhilfe will ein tatkräftiger Helfer in der Not sein. Neben schnellen Einsätzen geht es den regional tätigen Ehrenamtlichen auch darum, dass die Zahl der wild lebenden Katzen im Kreis nicht zu groß wird. Neue Aktionen wie ab Montag in Efringen-Kirchen kosten neben zahllosen Einsatzstunden viel Geld. Alleine 12 000 Euro an Tierarztkosten fallen für den Weiler Verein im Jahr an.

„Man macht es, um das Leid zu reduzieren“, bringt die neue Vorsitzende der SOS Katzenhilfe, Cornelia Tscheulin, ihren Beweggrund auf den Punkt. Schon im Alter von zwölf Jahren habe sie einen kranken Perser gepflegt. Im Weiler Verein startete sie mit Kuchenbacken und Fahrdiensten, stieg später als Kassierin in den Vorstand ein, dessen Vorsitz sie nun gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Birgit Lang im Mai übernommen hat.

Pflegestellen im Haushalt

Mit nahezu komplett neuer Führungsriege geht es den Aktiven darum, die definierten Statuten mit Leben zu füllen. Dazu zählt die Kastration von wild lebenden Hauskatzen, die Beratung von Bürgern samt Unterstützung mit Streu und Futter, Fahrdienste zu Tierärzten sowie die Gesundung und Aufzucht von Tieren in Pflegestellen, die privat bei den Katzenhelfern eingerichtet sind. „Dort leben die Tiere mit uns im Haushalt und bekommen das ganze Leben mit“, erklärt Tscheulin. In den zuletzt fünf Pflegestellen seien im vergangene Jahr 33 reine Pflegekatzen aufgepäppelt worden.

Eine aus einer Lörracher Messie-Wohnung geholte Katze hatte dabei zuvor sogar tote Babys im Bauch, die per Notoperation herausgeholt werden mussten, schildern die Katzenhelfer ein Beispiel ihres Wirkens, das mit hohen Kosten verbunden ist.

Jeden Monat gilt es, 1000 Euro einzusammeln. Das erfolgt über den an jedem zweiten Samstag auf dem Weiler Rathausplatz stattfindenden Kuchenverkauf, die Mitgliedsbeiträge und die zehn über den Landkreis verteilten Spendendosen. „Kleinvieh macht auch Mist“, laute die Maxime. Das Geld zusammenzubekommen sei sehr kraftaufwendig, aber bis jetzt noch immer von Erfolg gekrönt. „Doch es ist sehr eng. Wir betteln immer.“

Fallen für die Katzen

Neben dem Geld geht es aber vor allem um einen enormen nicht bezahlten Einsatz. So stellt sich die Kastration von wild lebenden Katzen als wochenlanges Unterfangen dar. Um die wilden Katzen zu kastrieren, wurde und wird eine Futterstelle eingerichtet. Danach stellen die Ehrenamtlichen eine Lebendfalle auf, in die das Futter dann gelegt wird. Es folgt das Scharfstellen, um die wilde Katze zu fangen und dann beim Tierarzt zu kastrieren. „Teilweise warten wir stundenlang in der Nähe im Auto“, beschreibt Tscheulin. Denn die Katze soll nicht zu lange in der beengten Falle sein. Bei fünf von mehr als zehn wild lebenden Katzen ist das in Schopfheim-Kürnberg schon geglückt, in Grenzach-Wyhlen bei weiteren fünf und ab Montag sind 15 Katzen aus Efringen-Kirchen im Fokus.

Ziel ist es, Revierkämpfe zu verhindern. Es gilt zudem, „Stress“ zu reduzieren, da ein nicht kastrierter Kater ein Einzugsgebiet von zehn Quadratkilometern hat. Auch Missbildungen durch Inzucht sollen verhindert werden. Der Klimawandel sorge zudem dafür, dass ganzjährig und nicht mehr nur im Frühjahr und Herbst Nachwuchs geboren wird. Tscheulin: „Es herrscht der Irrglaube, wir wollen den Tieren etwas Böses. Dabei wollen wir den Bestand mit der Kastration minimieren und reduzieren.“

Appell an die Besitzer

Und hier appelliert die SOS Katzenhilfe auch an die Tierbesitzer, die Katzen kastrieren zu lassen – auch wenn es im Landkreis Lörrach keine Pflicht gibt. Angesichts von Kosten in Höhe von etwa 90 Euro für einen Kater und 130 Euro bei einer Behandlung einer Katze würden viele dies bislang nicht tun. Auch das Chippen und das Registrieren der Katze bleibe auf der Strecke. Eine Folge sei beispielsweise, dass zwischen dem Rhein-Center in Friedlingen und dem Stauwehr in Märkt 150 Katzen wild leben. Und: Nach den Kastrationsaktionen seien Jahre später teilweise wieder Katzen neu ausgesetzt worden, womit die Aktion wie nun in Efringen-Kirchen der Fall neu aufgelegt werden muss von dem 146 Mitglieder starken Verein.

Bei diesem sind Rainer Lang Kassierer, Nadine Pletscher die Pflegestellenbeauftragte, André Tscheulin und Sandy Pletscher die Materialwarte, Silke Münch die Spendenbeauftragte und Christine Schwärzel Kassenprüferin. Unterstützt wird Helga Ell, für deren Wirken beim Dehner-Markt in Haltingen und in Zell Futterabgabestellen stehen. Die Maulburgerin kümmert sich um zwei Futterstellen, die geheim bleiben sollen, um Vergiftungen zu verhindern. Tscheulin: „Auch das gibt es.“

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