Weil am Rhein Lautes Geschepper zur Unzeit sorgt für Verärgerung

Nachlässigkeit, angebliche Unkenntnis bis zur mutwilligen Missachtung: Die Ursachen, dass es bei den Altglascontainern auch außerhalb der zulässigen Einwurfzeiten kräftig scheppert, sind für Messeplatz-Anwohner Marten Trendelenburg vielfältig. Die Belastung steige. Die Verärgerung darüber kann die Stadt verstehen, etwas verändern werde sich vorerst im Stadtgebiet nicht.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Mittlerweile seit sechs Jahren verfolgt die Familie Trendelenburg das Treiben am Messeplatz. Immer wieder stellen Menschen ihren Müll an den Containern ab, halten sich nicht an die Nutzungszeit werktags von 7 bis 20 Uhr und lassen es damit sogar nachts und feiertags kräftig krachen. „Ich habe die Nutzer verschiedentlich auf die erhebliche Lärmbelästigung aufmerksam gemacht, und bin dabei letztes Jahr so deutlich bedroht worden, dass ich mich veranlasst sah, den Vorfall dem Ordnungsamt zu melden. Eine Handlungsmöglichkeit sah man dort jedoch nicht“, schildert der Betroffene unserer Zeitung. So kam an einem Sonntagvormittag seinen Darstellungen nach ein Mann mit einer Flasche in der Hand auf ihn zu und fragte, warum er ihn anmache.

Landrätin eingeschaltet

Auch andere Anwohner seien über die späten Einwürfe von Altglas verärgert und würden sich daran stören. Dass der Containerstandort im Bebauungsplan definiert war und daher schon beim Bau dieser feststand, war ihm bewusst. Doch mit der Lärmbelästigung zu Unzeiten habe er nicht gerechnet. In den vergangenen Jahren komme es immer mehr zu diesem rücksichtslosen Verhalten. Daher wandte sich Trendelenburg schon vor einem Jahr an Landrätin Marion Dammann und Oberbürgermeister Wolfgang Dietz.

In einem zweieinhalbseitigen Schreiben verweist die Landrätin einerseits darauf, dass die Nutzung der Glascontainer außerhalb der zulässigen Einwurfzeiten ganz klar eine Ordnungswidrigkeit darstelle, die beim Weiler Ordnungsamt angezeigt werden müsse, um sie ahnden zu können. Es sei ihr aber bewusst, dass sich eine Ahndung hier schwierig gestalte.

Andererseits verweist Dammann darauf, dass es ein „Reglement zur Aufstellung von Glascontainern im Landkreis“ nicht gibt. Eine rechtliche Verpflichtung der Städte, Standplätze für Altglascontainer zur Verfügung zu stellen, bestehe nicht. Bürger müssten aber getrennt Abfälle sammeln und den richtigen Entsorgungswegen zuführen. Die Nähe und Erreichbarkeit von Glascontainern spiele dabei eine große Rolle. „Ich versichere Ihnen, dass der Landkreis fortlaufend bemüht ist, die Standortdichte hoch und damit die Belastung am einzelnen Standort möglichst gering zu halten.“ Dabei sei man aber auf die Unterstützung der Städte und Gemeinden oder von Unternehmen angewiesen, da der Landkreis innerstädtisch kaum über eigene Flächen verfüge.

Stadt: Standorte im Blick

Nach wie vor sei es das Ziel, innerhalb des Orts Möglichkeiten der Rückgabe von Altglas zu bieten, erklärt Stadtsprecherin Annette Huber auf Anfrage unserer Zeitung. Ziel sind dabei hohe Rückgabemengen. Dass an den Containerstandorten auch sonstiger Müll abgeladen wird, sei bekannt, doch grundsätzlich dann Aufgabe des Entsorgers. „Wir schauen aber auch danach.“ Erst Ende Juli habe man hier Kontakt mit Remondis gehabt. Mitarbeiter des Betriebshofs würden auf ihren Touren aber auch mal eingreifen und entsorgen.

Dass es diese Standorte gibt, sei den Anwohnern aber schon bei der Errichtung des Quartiers auf dem früheren Messeplatz bekannt gewesen und so auch kommuniziert worden. Bei den Einwurfzeiten sieht Huber nur wenig Möglichkeiten, deren Einhaltung auch zu kontrollieren. So sei die Chance, hier Übeltäter zu erwischen, sehr gering. „Kontrollen wären nicht effektiv.“ Anwohner Trendelenburg hält dagegen: „Wenn man Vorgaben macht, aber sie nicht kontrolliert, wird es zur Farce.“

So müsse er eine „sich immer weiter ausdehnende hemmungslose Nutzung“ der Altglascontainer beobachten. Dass er dann „ist mir egal“ von den Einwerfenden höre, führt Trendelenburg auch auf den Zustand der Gesellschaft zurück. „Es ist Ausdruck einer rücksichtslosen Selbstbezogenheit, ohne die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere auch nur zu erwägen bis hin zur auf diese Weise erzwungenen Toleranz zu Lasten der Mitbürger.“ Er habe es fast aufgegeben, auf recht einfache Benutzungsregeln hinzuweisen. Entweder man stelle künftig flächendeckend die Container auf, womit dann alle vom Glaslärm betroffen wären, oder nur noch im Recyclinghof, so seine Hoffnung (siehe nebenstehenden Bericht).

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