Weil am Rhein „Mein Salon ist meine Werkstatt“

Weil am Rhein-Haltingen -  Es duftet nach Kaffee, nach Holz, an manchen Tagen nach frisch gewaschenem Haar. Das „positivO.“ in Haltingen ist weit mehr als nur ein Friseursalon. Es soll Salon, Café, kleine Kunstgalerie und kreative Ideenschmiede in einem sein. Hier hat Gründer Christian Ormuz sich seinen Traum erfüllt.

Im Schaufenster des „Concept Vision Stores positivO.design“ an der Burgunder Straße steht eine antik wirkende braune Ledercouch, darüber hängt ein goldener Stuckrahmen – allerdings ohne Bild. „Das ist unser Fenster raus in die Welt“, beschreibt Ormuz die Szenerie.

Ormuz ist Künstler, Unternehmer, Friseur, Handwerker, aber vor allem Freigeist. Dementsprechend vielgestaltig ist auch sein Arbeitsraum. „Kunst studiert habe ich nie, ursprünglich habe ich eine Lehre zum Bürokaufmann absolviert“, erklärt der gebürtige Lörracher, der über Umwege schließlich zum Friseurhandwerk gelangte.

In seinem Salon, in dem er neben dem klassischen Haarschnitt auch die immer mehr in Mode gekommene Bartpflege anbietet, hängen die Wände voll mit Kunstwerken jeglicher Art. „Hier direkt neben der Tür – das ist meine Italien-Wand. Die habe ich so getauft.“ Auf dem Verputz vereinen sich viele kleine für den Italien-Urlaub typische Motive zu einem großen von Ormuz selbst gezeichneten Kunstwerk. „Warum Italien so einen besonderen Raum in meinem Salon einnimmt? Ich liebe das Dolce Vita.“

Dolce Vita in Haltingen

Das dort vermittelte Lebensgefühl, dem Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen und kurz die Seele baumeln zu lassen, diese Atmosphäre will Ormuz für seine Kunden kreieren. „Ich wünsche mir, dass sich meine Kunden hier wohlfühlen und mehr als nur Kunden sind. Für die Zeit, die sie hier sind, sollen sie meine Gäste sein und möglichst viel positive Energie aufsaugen.“

Positiv sein, Positivität ausstrahlen und verbreiten – das ist dem Wahl-Haltinger besonders wichtig: „So kam es auch zum Namen ,positivO.’ Das O. steht übrigens für meinen Nachnamen.“

Die „Posianer“ – so nennen sie sich. Gemeint sind damit aber nicht nur Ormuz selbst und seine drei Mitarbeiterinnen, die sich neben einem neuen Haarschnitt auch um dekorative kosmetische Behandlungen für ihre Kunden kümmern. „Posianer oder Posi-People sind für mich Gleichgesinnte, alle, die ähnliche Werte vertreten, dasselbe schätzen wie ich. Mit solchen Leuten umgibt man sich doch gerne.“

Das Miteinander ist für Ormuz von großer Bedeutung und stellt ihn bisweilen auch vor Herausforderungen, die er aber gerne annimmt. „Ich begreife mich in erster Linie nicht als Chef. Klar muss ich Entscheidungen treffen und sehen, dass alles läuft. Aber unsere Hierarchien sind flach, das ist ganz nach meinem Geschmack.“

Kreativität ist Trumpf

Mit der Gründung seines „Concept Vision Stores“ hat Ormuz sich seinen Traum bereits erfüllt. Kreative Köpfe, die mit neuen Ideen in sein Konzept mit einsteigen wollen, sind aber weiterhin willkommen: „Ich habe die kreative Plattform geschaffen, eine Spielwiese. Jetzt können die Leute kommen und sich austoben.“

Der lebendige Austausch, das Knüpfen neuer Kontakte mit Personen, die seine Interessen teilen, gehören für den Künstler zum täglichen Geschäft, seien ihm aber gleichermaßen eine „Herzensangelegenheit“. „Ich verfolge hier ein Konzept, das es so nicht wieder zu finden gibt. Dafür brauche ich aber auch Leute, die meine Ideen verstehen und meine Visionen teilen.“ Abschlusszeugnisse seien für ihn daher weniger entscheidend, als die Leidenschaft und Muße, mit der das Individuum seine Ziele verfolge.

Mit welchem Ideenreichtum Ormuz selbst die Dinge in Angriff nimmt, offenbart sich nicht zuletzt in der Ausgestaltung seines Salons. Metallrohre sind das verbindende Element – sie schlängeln sich in Windungen durch den ganzen Raum. Wer bei Metall nun an den eher kühlen „Industrial Style“ denkt, irrt. „Ich liebe Holz, warmes Licht, braune Farben und Stoffe“, beschreibt Ormuz das Bild, das sich dem Kunden bietet.

In Verbindung mit den Metallrohren verleihen die hölzernen Tische sowie die selbst gebauten und mit weichem Stoff bezogenen Barhocker dem Raum eher den Charakter eines gemütlichen Wohnzimmers: „Dieses Wohnzimmerfeeling, dass man reinkommt und sich willkommen fühlt, ist für mich entscheidend.“

Die Metallrohre, die Ormuz auch zu Stuhlbeinen umfunktioniert hat, sind allerdings nicht nur Dekoration. „In den Rohren im Salon ist ein Stabsauger integriert. Der saugt dann beim Haareschneiden die Überreste vom Boden auf.“

Kreatives mit dem Nützlichen zu verbinden, zu recyceln und vorhandene Materialien in Kunst zu verwandeln, das fällt dem Autodidakten leicht. „Ich habe keine Werkstatt, in der ich arbeite. Mein Salon ist meine Werkstatt. Hier baue ich die Möbel, male und designe.“

Die Integration eines Cafés in seinen Salon empfand Ormuz als ebenso natürlich wie die Eröffnung seiner eigenen kleinen Kunstausstellung. „Ich habe so viele Ideen, vielleicht ist das manchmal auch ein Hindernis.“

Im Café, das im Eingangsbereich seines Salons Platz gefunden hat, schenkt Ormuz nicht nur seinen eigenen Kaffee an seine Gäste aus, sondern bietet die Kaffeebohnen dort auch zum Verkauf an. Obwohl Perfektion nicht an erster Stelle stehe, und Kunst auch ihren freien gestalterischen Raum brauche – bei der Zubereitung seines Kaffees versteht der Friseur keinen Spaß: „Die La Marzocco Siebträgermaschine habe ich aus Florenz mitgebracht, die macht einfach einen hervorragenden Kaffee.“

Das Besondere sei die Auswahl an Monin-Getränkesirupen. „Damit kann jeder Gast seinen eigenen Kaffee ganz nach persönlicher Vorliebe kreieren.“

Neben dem eigenen Kaffee bietet der Haltinger aber auch Kapuzenpullover, T-Shirts und andere Accessoires mit seinem Logo an. „Auf manchen Stücken haben wir auch den Ort mit integriert, das gefällt unseren Kunden.“

Auch als Autor versucht er sich. Im vergangenen Jahr hat er vier Bücher veröffentlicht, die seine Kreativität widerspiegeln. Rezepte für einen besonders guten Kaffee finden sich darin ebenso wie Gedanken, die Ormuz teilen will.

Träumen Struktur geben

„Wie ich alle meine Ideen unter einen Hut bekomme? Das ist manchmal gar nicht so leicht“, sagt Ormuz lachend. Er kann sich als Visionär, aber auch als Geschäftsführer des „positivO.“ keine Verzagtheit erlauben. „Ich bin kein Traumtänzer. Im Gegenteil – wenn ich eine Idee habe, versuche ich, die zeitig umzusetzen und gehe dabei strukturiert vor.“

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