Weil am Rhein Mikroplastik treibt Stadt um

Auf dem Kunstrasenplatz im Nonnenholz befinden sich zwischen den Halmen reichlich kleine Plastikteile. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Das mögliche Verbot von gesundheits- und umweltgefährdendem Granulat auf Sportplätzen beschäftigt auch die Weiler Stadtspitze. Besonders der Kunstrasenplatz im Nonnenholz ist aktuell wegen seiner Verfüllung unter der Lupe, doch auch auf die Planungen von neuen Platzbelägen für die Friedlinger und die Haltinger Fußballer hat die Mikroplastik-Debatte Einfluss.

Ein weißes Blatt Papier mit schwarzen Plastikkügelchen liegt auf dem Tisch vor Oberbürgermeister Wolfgang Dietz und Erster Bürgermeister Christoph Huber. 11 000 Tonnen dieses Mikroplastiks werden jedes Jahr von den etwa 5000 Plätzen in Deutschland über Starkregen oder die Nutzung der Fläche ausgetragen – das Siebenfache, was die Kosmetikbranche verursacht, zeigt Huber auf. „Das geht in den Naturkreislauf“, führt Dietz vor Augen. Gut zwei Tonnen wären es dann pro Platz.

Der Kunstrasenplatz im Nonnenholz

Damit gerät besonders der Kunstrasenplatz im Nonnenholz in den Blick, der seit sechs Jahren dort liegt. Denn Huber weiß: „Mehr als die Hälfte der Lebenszeit ist verbraucht.“ Dies liege an der hohen Nutzungsintensität im Vergleich zu Haltingen, wo mit zwölf bis 15 Jahren Lebensdauer bei der Verlegung eines Kunstrasenplatzes gerechnet wird. Daher habe die Stadt nun schon Kontakt mit dem Sportanlagenbauer Gotec aufgenommen, um eine umweltfreundlichere Lösung für die Zukunft zu finden. Gummi raus, Kork rein?, lautet hier die Frage. In einem kleinen Probebereich wird nun Kork ausgebracht, woraus wiederum Erkenntnisse für die Gesamtfläche gewonnen werden sollen.

Kork, Quarzsand oder andere Optionen

Kork ist eine der Alternativen, die eine im Dezember 2017 veröffentlichte Studie aus Norwegen für die Verfüllung des Kunstrasens aufzeigt. Eine andere Möglichkeit stellt ein unverfüllter Kunstrasen dar, der sich auch in Riehen befindet. Dieser werde auch für den 40 mal 60 Meter großen neuen Kunstrasenplatz in Friedlingen verwendet, der im nächsten Jahr dort verlegt werden soll.

Alternative Granulate für Kunstrasenplätze mit Verfüllungen haben Vor- und Nachteile, weiß Erster Bürgermeister Huber. Kork sei teurer, benötige eine intensivere Pflege, erhöhe den Unterhalts-aufwand und sei anfälliger für Schimmel. Getestet wurden durch die Norweger auch Zuckerrohr, geraspelte Kokosschalen oder Quarzsand. Bei letzterem bildet eine höhere Verdichtung das Problem. Heißt: Dieser wird bei starkem Regen härter. Doch regnet es zu wenig, kann er auch als Feinstaub in die Lungen der Spieler gelangen und womöglich negative gesundheitliche Auswirkungen haben, wie eine 2017 publizierte kanadische Studie aufzeige, so Huber. „Da könnte man gleich auf einem Hartplatz spielen“, erklärt Dietz mit dem Verweis auf den unterschiedlichen Reinhaltsgehalt von Quarzsand.

In der Premier-League zum Einsatz kommt hingegen ein Hybrid-Rasen, ein Humus, der mit Kunststofffasern durchmischt ist. Vor Jahren wurde diese Option laut Huber in Weil am Rhein aber verworfen, da sich Kunststoff mit der Natur vermische.

Unklare gesetzliche Bestimmungen

Aktuell weiß die Weiler Stadtspitze aufgrund des möglichen Verbots von umweltgefährdendem Granulat auf Kunstrasenplätzen durch die Europäische Union und einer entsprechenden Umsetzung durch den Landes-Gesetzgeber noch nicht, was künftig erlaubt und verboten ist. Doch schon im kommenden Jahr könnten die Beschränkungen für künstliches Granulat auf deutschen Kunstrasenplätzen kommen, vermuten Huber und Dietz. „Es gibt wohl keine Karenzzeiten“, sei man dann vermutlich direkt zum Handeln verpflichtet, weshalb auch schon jetzt der Kontakt mit der Firma Gotec für den Platz im Nonnenholz aufgenommen worden sei. Außerdem rechnet Dietz nach einem Gespräch mit dem zuständigen Kulturministeriums-Staatssekretär in Stuttgart nicht damit, dass die althergebrachten Kunstrasenplätze bezuschusst werden. Noch offen sei, ob Geld für einen Ersatz locker gemacht wird.

OB: Vor Diskussion nicht Augen verschließen

Obwohl sich der Oberbürgermeister bei der Diskussion über den Bau eines Kunstrasenplatzes klar für einen natürlichen Rasen ausgesprochen hatte, womit er im Gemeinderat aber keine Mehrheit fand, gebe es seitens der Rathaus-Verwaltung keine Häme zu dem Thema. „Wir wollen auch nicht an der Gemeinderats-Entscheidung herumkritisieren.“ Doch dürfe man vor der aktuellen Diskussion nicht die Augen verschließen, sondern müsse nun aufzeigen, welche Kosten damit verbunden sind und wie das weitere Verfahren läuft.

Knackpunkt sei aktuell vielmehr der schon vorhandene Kunstrasen im Nonnenholz. Dennoch sieht sich Dietz aufgrund der EU-Positionierungen bestätigt. Der Wunsch nach ständiger Verfügbarkeit des Platzes führe zu Konsequenzen, verweist er auf die Umweltbelastungen.

Die Pläne für Haltinger und Friedlinger Platz

In Haltingen sei eine Gummimischung kein Thema gewesen, stellt Huber zugleich klar, sondern vielmehr eine Sand-Kork-Mischung. Bei dem unverfüllten Kunstrasen in Friedlingen müsse hingegen berücksichtigt werden, dass dort die Nutzungsdauer um ein Drittel kürzer ist, also statt womöglich zwölf dann acht Jahre, da das Granulat als Stabilisator der Halme fehle.

In Friedlingen ist bereits die Planungsphase angelaufen, in Haltingen geht es nun erst einmal darum, das Angebot, das der Verein vom Kunstrasenplatz-Bauer erhalten hat, zu verifizieren. Werde dies aufgrund neuer Bestimmung deutlich teurer, müsse noch einmal inhaltlich diskutiert werden, so Dietz. Noch in diesem Monat gebe es ein Treffen mit dem Badischen Sportbund als möglichem Zuschussgeber, dem Verein als Bauherr und Nutzer, den beauftragten Planern sowie der Stadt, kündigt Huber an. Dabei geht es nicht nur um den Platzbelag, sondern auch um die Platzgröße und -lage.

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