Weil am Rhein Mit sauberem Kraftstoff unterwegs

Regenerativen Treibstoff im Blick: Ineratec-Mitgeschäftsführer Philipp Engelkamp (r.) schilderte auch dem OB Wolfgang Dietz, was in der Zukunft möglich ist. Foto: Marco Fraune Foto: Weiler Zeitung

Weil am Rhein (mcf). Der aktuellen Abhängigkeit von Kohlenwasserstoffen aus Öl und Gas setzt das Karlsruher Start-up-Unternehmen Ineratec eine regenerative Alternative entgegen. Dessen Geschäftsführer und Mitgründer, Philipp Engelkamp, zeigte beim Wirtschaftstreffen am Mittwoch auf, wie lokal und global Benzin, Kerosin und Diesel chemisch hergestellt werden können. Zugleich schilderte er unterhaltsam den Weg von einer bei einem Glas Wein geäußerten Idee über die Gründungsphase bis zur Expansion.

Ineratec will mit der eigenen Technologie Vorreiter für eine nichtfossile Kohlenwasserstoff-Wirtschaft werden. Hierzu plant, produziert und vertreibt das Unternehmen chemische Anlagen, die mit Hilfe chemischer Reaktortechnologie Gase in synthetische Kohlenwasserstoffe umwandeln – also Benzin, Kerosin, Diesel oder feste Wachse. Konkret werden kleinere, mittlere oder auch größere Containereinheiten mit der integrierten innovativen Technologie gebaut und an die Kunden verschickt. Ein Bauteil des Reaktors enthält einen Katalysator, an dem eine chemische Reaktion stattfindet, unten tropft später beispielsweise Diesel heraus. Dabei kommen übereinander gestapelte Platten zum Einsatz – wie bei einem Hamburger geschichtet, zeigte Engelkamp an einem kleinen mitgebrachten Stück auf.

Aus Methangasen, die sich beispielsweise auf einer Kläranlage bilden, könne mit der Technologie erneuerbarer Kraftstoff erzeugt werden, aus Strom und Kohlendioxid dann Gas, oder in der Power-to-Liquid-Anlage würden Gase über eine kompakte Fischer-Tropsch-Synthese in synthetische Kraftstoffe umgewandelt. In Finnland stehe beispielsweise eine chemische Ineratec-Anlage in Form eines Containers, wo Holz vergast wird, damit die Moleküle gewonnen werden, woraus später der Kraftstoff entsteht. Synthetisches Erdgas entsteht zudem in Containern neben einer Kläranlage in Spanien nahe des Flughafens in Barcelona. „Aus CO2 lassen sich wertvolle Produkte machen“, schilderte der Ineratec-Mitgründer. Mit Energiedienst in Laufenburg sei die Firma zudem auch Partner der dortigen Power-to-Liquid-Anlage.

„Der regenerative Kraftstoff ist teurer als das Erdöl, das aus der Erde kommt.“ Bei einer passenden Besteuerung hält Engelkamp die saubere Variante aber für wettbewerbsfähig an der Zapfsäule, das zeige die Praxis in der Schweiz.

Neben dem lokalen Szenario, Kraftstoff zu produzieren, denkt der Gründer aber auch global. Aus den starken Wasserströmen in Kanada, dem kräftigen Wind in Russland oder der strahlenden Sonne in Marokko lasse sich in großem Umfang Kraftstoff gewinnen, der dann in die Welt verschifft werden könnte, so Engelkamp. Als Vision vor Augen hat er eine Serienproduktion der chemischen Anlagen.

Zum Start eine Idee, aber keine Kohle

Wie die bisherige Erfolgsgeschichte von Ineratec begonnen hat und was andere Gründer beachten sollten, erklärte der noch nicht einmal 30 Jahre alte Geschäftsführer ebenso. „Zu Beginn hatten wir eine Idee, aber keine Kohle.“ Daraufhin ging es darum, Fördertöpfe anzuzapfen und Kunden an Land zu ziehen. „Gründer werden faul, wenn sie Geld haben“, warnte er aber davor, sich nicht zurückzulehnen. Vielmehr gehe es darum, die Gründung des Unternehmens anzugehen, wobei hier das Wirtschaftsministerium oder die L-Bank als Geldgeber im Spiel sind. Denn: Im Gegensatz zu Amerika gebe es in Deutschland keine Risiko-Kapitalgeber, die mal eben mehrere Millionen Euro locker machen. Anfangen zu verkaufen und zu produzieren, sei der nächste Schritt, bevor später die weitere Expansionsphase folge, in der sich Ineratec befindet.

Einen Tipp, wie man solch ein Unternehmen nach Weil lockt und hier ein „kleines Silicon Valley“ aufbaut, wollte Sparkassen-Chef Ulrich Feuerstein noch einholen. Bei den Flächen agiere die Stadt super, bei Testständen in der Halle riet der Unternehmer zu Pragmatismus und Offenheit. Zudem könnten noch Fördermöglichkeiten aufgezeigt werden. Engelkamp: „Ich komme aus Karlsruhe, aber ich finde es in Weil nicht unattraktiv.“

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