Die ursprünglichen Pläne zur Sanierung der Festhalle in Haltingen nehmen eine überraschende Wende: Die Stadtverwaltung schlägt vor, stattdessen einen Neubau zu errichten.

Von Daniela Buch

Weil am Rhein-Haltingen. Der Ortschaftsrat stimmte in seiner Sitzung am Donnerstagabend zu, zunächst eine grobe Kostenschätzung vorzunehmen und die Kosten der Sanierung denen eines Neubaus gegenüberzustellen. Ergänzt wurde die Beschlussvorlage jedoch um die Forderung, für den Neubau keine Verkleinerung der nutzbaren Flächen und Räumlichkeiten vorzunehmen und den Bedarf der Vereine zu berücksichtigen. Abstriche und Kompromisse bei den Nutzungsmöglichkeiten, die im Zuge bisheriger Planungen zwecks Kosteneinsparung vorgenommen wurden, sollen beim Neubau wieder zurückgenommen werden.

Trotz Sanierung Abstriche

Eine im vergangenen Jahr in Auftrag gegebene Kostenschätzung für die Sanierung und Erweiterung der Festhalle hatte Kosten zwischen sechs und sieben Millionen Euro ergeben. Die Argumentation der Stadtverwaltung: Auch nach einer umfassenden Sanierung würde die Festhalle sowohl technisch als auch funktional weiterhin nicht in allen Bereichen den modernen Standards einer Mehrzweckhalle entsprechen, etwa in Bezug auf Schadstoffe, Erdbebensicherheit, Abdichtung und Wärmedämmung. Die Kernstruktur der Festhalle würde zudem keine Aufwertung erfahren, da Wände, Decken, Dachstuhl, Dacheindeckung und Innenputz in den Sanierungsplänen nicht enthalten seien. Auch seien die finanziellen Risiken schwerer zu kalkulieren und Mehrkosten von bis zu 30 Prozent möglich.

Vorzüge eines Neubaus

Architektur, räumliche Organisation und der Einsatz moderner Technik hingegen könne bei einem Neubau besser umgesetzt werden. Und da der Neubau auch auf einer anderen Teilfläche, beispielsweise im Bereich des Sägischopfs, realisiert werden könnte, wäre es möglich, die alte Halle bis zur Fertigstellung weiterhin zu nutzen. Der geschätzte Kostenrahmen für den Neubau werde auf etwa zwölf Millionen Euro beziffert, informierte Ortsvorsteher Michael Gleßner. Zur Sitzung hatte er Einladungen an die Vereine geschickt, als Vertreter waren Astrid Grunicke (Turnverein), Michael Lang (Musikverein) und Christian Katterfeld (Judoschule) gekommen.

„Fass ohne Boden“

Die Ursache für das plötzliche Umdenken der Stadtverwaltung wollte sich nicht jedem am Ratstisch so recht erschließen. Dass eine umfassende Sanierung der Festhalle zum „Fass ohne Boden“ werden würde, habe man schon vor drei Jahren bei der gemeinsamen Ortsbegehung festgestellt. Auch wurde die Befürchtung laut, dass nach Feststellung der tatsächlichen Kosten wieder eine „Rolle rückwärts“ und Einsparungen vorgenommen würden. „In einem Jahr werden wir genau an diesem Punkt stehen“, warnte Axel Schiffmann (UFW), der die realistischen Kosten weit höher einschätzte. Der Hinweis, die Kostenschätzung werde gemäß der Baudatenbank des Baukosteninformationszentrums Deutscher Architektenkammern (BKI) erfolgen, sorgte für Bedenken. In der Praxis bedeute dies, dass genormte und reduzierte Größen angewendet würden und nicht die optimalen, gewünschten Ausmaße. „Am Ende haben wir einen Neubau für zwölf Millionen, der aber nur noch halb so groß ist“, sagte Jan Bautz (SPD).

Nicht kleiner als bisher

Ein Neubau, so war sich der Ortschaftsrat einig, dürfe keinesfalls kleiner konzipiert werden als die jetzige Festhalle. „Eher nach oben angepasst“, meinte Thomas Bayer (Grüne) vor dem Hintergrund, dass weitere Vereine nach Räumlichkeiten suchten.

Die grobe Kostenschätzung soll laut Stadtverwaltung noch in diesem Herbst in den Sitzungen des Bauausschusses und des Gemeinderats zur Entscheidung vorliegen, um die Mittel im Haushalt 2019 einplanen zu können.