Weil am Rhein Laguna leidet massiv unter Zwangspause

Das Laguna soll nicht baden gehen. Foto: zVg/Thomas Dix

Weil am Rhein - Im Laguna herrscht angesichts verschlossener Eingangstüren und damit fehlender Badegäste seit Monaten eine gewisse Trostlosigkeit. Die Hoffnung auf Verbesserungen haben die verbliebenen 75 Mitarbeiter der Rumpfmannschaft aber ebenso wie ihr Chef Carl-Stephan Matti. Weil der Laguna-Geschäftsführer Einnahmen und Ausgaben im Lot halten muss und will, rücken Abstriche bei den bisherigen Angeboten in den Blick.

Wellness-Abteilung nahezu aufgelöst

Von „Federn, die glänzen“ spricht Matti, wenn die Fitness- sowie die Wellness-Abteilung zur Sprache kommen. Dies sei kein nettes Angebot, das man haben könne aber nicht müsse, sondern trage vielmehr mit zur Strahlkraft des weit über Weil bekannten Bades bei. Dennoch ist die Wellness-Abteilung mittlerweile personell nahezu aufgelöst – „sozialverträglich“, wie Matti im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

In einem Fall wurde eine Abfindung gezahlt, in einem anderen Fall ging die Person freiwillig, eine Mitarbeiterin falle wegen einer Schwangerschaft aus und eine Kraft arbeitet nur noch freitags. Von 140 Stunden sind nur neun übrig. Hinzu kommen die Honorarkräfte, für die keine Arbeit ansteht, weil das Laguna zu hat. „Falls für die Wellness-Abteilung Nachfrage besteht, dann können wir diese reaktivieren“, betont Matti zugleich. Die Zielmarke der Auslastung eines Mitarbeiters liege bei 70 Prozent, um eine Kostendeckung zu erreichen.

Fitness-Abteilung: Ohne Nachfrage kein Angebot

Die Formel „keine Nachfrage gleich kein Angebot“ gilt auch für die Fitness-Abteilung, in der mehrere Honorarkräfte im Einsatz sind, die bei Bedarf abgerufen werden. Der Zeitvertrag der festangestellten Mitarbeiterin ist hingegen ausgelaufen. Diese hatte laut Matti das Angebot abgelehnt, privat die Fitness-Abteilung zu betreiben – „aus Risikoüberlegungen“. Ebenso wie für die Wellness-Abteilung gilt die Maxime: „Sobald Interesse besteht, lässt sich die Fitness-Abteilung wieder hochfahren“, so der Laguna-Geschäftsführer.

Öffnung der Saune nicht möglich

Eine Öffnung der Sauna war und ist laut Laguna-Chef Carl-Stephan Matti derzeit nicht möglich. „Man kann die Auflagen nicht einhalten.“ Ein Gast pro Sauna, bei dem der Schweiß nicht irgendwohin tropfen darf und der einen eigenen Stuhl erhalten muss, zeige dies deutlich.

In den roten Zahlen

Das Kerngeschäft Bäderbetrieb ist weiterhin aufgrund der Corona-Bestimmungen geschlossen. Lediglich Wartungs- und Pflegearbeiten laufen. „Wir warten darauf, dass wir wieder aufmachen und dann Spaß und Freude schenken können. Das ist unser Anspruch“, wiederholt Matti die schon Ende September gegenüber unserer Zeitung ausgegebene Marschrichtung, als der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung einer Bürgschaftsübernahme für die GmbH für das vierte Quartal zugestimmt hat, damit 750 000 Euro aufgenommen werden können.

Nun hat der Gemeinderat sich erneut hinter verschlossenen Türen mit der städtischen Tochtergesellschaft befasst. Dabei wurde dem vorgelegten Wirtschaftsplan sowie Finanzplan zugestimmt. Der Geschäftsführer sieht Szenarien: Im besten Fall fließen die Einnahmen wieder und die Kosten werden in Grenzen gehalten. Im anderen Plan, dem „Worst-Case-Szenario“ muss das Bad auch 2021 zu bleiben.

Mögliche Einschnitte

Es gibt aber nicht nur eine Schwarzmalerei oder ein Bild mit blumigen Aussichten, sondern der Geschäftsführer macht sich auch Gedanken, wie er mit seiner „ausgedünnten Mannschaft“ unter den Hygiene-Bestimmungen das Laguna öffnen kann, ohne dass tiefrote Zahlen später bilanziert werden müssen, weil statt mehr als 2000 Gästen nur 100 Gäste kommen können.

Kurzfristig sieht er bei der Fitness-Abteilung keine Chance, kostendeckend zu arbeiten. Eine Möglichkeit, darüber hinaus Kosten einzusparen, sind kürzere Öffnungszeiten. Dabei gerät auch die Sommeröffnung des Freibads in den Fokus. In den Randzeiten kommen weniger Badegäste, womit viele Kosten den geringen Einnahmen entgegenstehen. „Einen Aufschrei wird es sicher geben, die Leute haben auch Ansprüche“, weiß Matti. „Um das finanzielle Defizit abzufangen, sehe ich aber Möglichkeiten.“ Auch sieht Matti die Möglichkeit, wieder Geld zu erwirtschaften.

„In der Schwebe“

Je nach Öffnungszeitpunkt und den damit verbundenen Modalitäten würden die bilanzierten Zahlen ausfallen. „Alles ist momentan in der Schwebe.“ Und mit Prognosen hält sich Matti auch zurück. Seine erste ist ins Wasser gefallen. „Ich bin davon ausgegangen, dass wir nach dem ersten Shutdown zum 1. Mai dieses Jahres wieder aufmachen können.“

Es bleibt ihm die Hoffnung: „Wir wünschen uns die Rückkehr zum Normalbetrieb.“ Ein Teil-Betrieb helfe wenig, um dem Patienten Laguna auf die Beine zu helfen. 

Vereine und Schulen sind vom Laguna angefragt worden, wie groß der Bedarf ist, damit das Bad wieder aufmachen kann. Es hätte aber nur für drei von sieben Tagen gereicht und selbst dann wäre deutlich weniger los gewesen, so Laguna-Chef Carl-Stephan Matti.

"Die Kommune hält uns am Leben"

Seit acht Jahren an der Spitze der Laguna-Gesellschaft weiß Geschäftsführer Carl-Stephan Matti um die Kostensensibilität, die beim Aufsichtsrat herrsche. Daher gebe es auch nicht mehr solch ein großes Außen-Schwimmbecken, was im Rahmen der „kostengerechten Umgestaltung“ verkleinert wurde. Die Mitarbeiter werden über die GmbH nicht über den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt, sondern über ein anderes Belohnungs- und Lohnsystem. Matti: „Das Laguna ist wirtschaftlich eines der besten Bäder in Deutschland.“

Für die nächsten Monate gelte es, dass die Kommune über die Bürgschaften ihre Investitionen sichere. Und hier weiß er das Rathaus-Spitzentrio hinter sich. „Damit gibt es eine Perspektive für das Laguna.“

Enttäuscht zeigt sich Matti aber darüber, dass die Laguna GmbH nicht unter den Corona-Rettungsschirm rücken durfte und damit kein Geld erhielt. „Die Kommune hält uns vielmehr am Leben.“

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