Weil am Rhein Quartier soll von Nachtbar-Ausprofitieren

„Das Nachtclub-Leben im Grenzgebiet ist auf deutscher Seite tot.“ Seine These untermauert Ali Tasocak tatkräftig. Nachdem er schon das Gebäude des früheren Nachtclubs „Pussy Cat“ in eine Lounge-Bar mit angrenzendem Wettbüro verwandelt hat, folgt jetzt die Betriebsstillegung des Nachtclubs „Lady Christin“. Der Basler will Otterbach aufwerten.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Mehr als eineinhalb Millionen Euro hat Tasocak bereits in seine „Exil Shisha Lounge Bar“ und dem dahinter liegenden Wettbüro „Tipico“ investiert. Das liegt einerseits an der zuvor maroden Substanz des Gebäudes, in dem sich auch Rattennester gebildet hatten, andererseits an der hochwertigen Ausstattung samt einer 25 Quadratmeter großen Wandfläche mit 250 000 Jahre alten Salzsteinen.

Bewusst sei die Bar zur Straße ausgerichtet und das Wettbüro weniger sichtbar dahinter. Mit dieser Anordnung verdiene er deutlich weniger Geld, doch der 41-Jährige will nach eigenem Bekunden ein Quartierscafé etablieren und „hier etwas Schönes machen“. Folge sei aktuell, dass er mit dem Wettbüro unterm Strich kein Geld mehr verdiene.

Nach der Übernahme des Gebäudes war eigentlich vorgesehen, es etwas aufzumöbeln und weiterzuverpachten. Doch eine Kernsanierung war nötig, das zweistöckige Haus wurde verkleinert und letztlich eine Fläche von zirka 400 Quadratmetern geschaffen. „Wir haben Rücksicht auf die Nachbarschaft genommen“, wiederholt der hauptberuflich als Unternehmensberater auf deutscher Seite tätige Basler im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Ich bin sehr positiv überrascht über die Menschen und Lebensqualität in Otterbach.“ Und mit den beiden früheren Nachtbars soll künftig eine weitere Aufwertung erfolgen. Denn zuvor hätten die Gebäude das Stadtteil in ein schlechtes Bild gerückt.

Anfang dieser Woche hat er den Betrieb des Nachtclubs „Lady Christin“ stillgelegt. Direkt wurde ein Teil der Verkleidung im Bar-Bereich heruntergerissen, auch nach außen hin wurden Schilder abmontiert, um ein klares Signal zu setzen. „Ich will, dass das hier weg kommt und eine andere Qualität bekommt.“ Seit einem Jahr habe er mit den Inhaber verhandelt, letztlich tiefer ins Portemonnaie greifen müssen als es wert war. Doch sobald auch dieses Gebäude saniert sei, verändere sich der Charakter des Quartiers und eine Wertsteigerung sei die Folge, vergisst der Basler den monetären Aspekt nicht. Wobei: Geld für einen späteren Betrieb eines Nachtlokals an gleicher Stelle sei ihm schon angeboten worden, doch bei einem Weiterverkauf oder einer Verpachtung will er klar regeln, dass keine Vergnügungsstätte mehr hier betrieben werden darf. Die Vermarktung läuft aktuell über die Schopfheimer Firma Hayka Immobilien.

Mit Skepsis sei er zu Beginn seines Engagements konfrontiert worden, erinnert sich Tasocak. So hätten die Nachbarn nicht so recht gewusst, was kommt. Doch nach vielen Gesprächen sei Aufklärung betrieben worden, wobei er positive Rückmeldungen erhalten habe. „Die Leute brauchen Zeit und müssen sich dran gewöhnen.“ Dass mit der neuen Lounge-Bar Leben einkehrt, sieht er nicht als Problem an. „Die Güterzüge sorgen für mehr Belastung als das Wettbüro“, das spätestens um 23 Uhr schließe.

Wettbüros gebe es in der Stadt nur eine gute Handvoll. Für mehr sieht der Basler auch keinen Markt. Dann erfolge vielmehr eine Verteilung des klar begrenzten Besucherpotenzials, das fast ausschließlich aus Frankreich und der Schweiz komme. Hinzu rechnet er die hohe finanzielle Belastung durch die Besteuerung. Die Frequenz in seinem Wettbüro sieht Tasocak auch als „Enttäuschung“ an. Hier sei weniger los als kalkuliert, dafür laufe der Laden im vorderen Bereich deutlich besser als gedacht. Und das ist Tasocak viel wichtiger, versichert er.

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