Weil am Rhein Quartierstreff in Friedlingen eröffnet

Beatrice Ehrlich
Im Freien unter den Platanen fand die Eröffnung des neuen Quartierstreffs in Friedlingen in der Hauptstraße 400 statt. Foto: Beatrice Ehrlich

In einer ehemaligen Bäckerei können jetzt Bewohner selbst ihre Räume gestalten.

Großzügige Räume, zur Gestaltung freigegeben, Sitzgelegenheiten im Schatten eines grünen Platanendachs: Noch ist Fantasie vonnöten, um sich das Leben im neuen Quartierstreff in Friedlingen so richtig vorstellen zu können. Nach dem Willen der Initiatoren soll sich das bald ändern: Ein gemütliches Café, ein „Wohnzimmer“ für’s Quartier, Kulturveranstaltungen im Keller, sind nur einige Vorschläge, die am Donnerstag zur Sprache kamen, als Vertreter von Stadt und Wohnbau Weil am Rhein den Raum in der Hauptstraße 400 seiner Bestimmung übergaben. „Dieser Raum gehört allen Friedlingern“, sagte Quartiersmanagerin Sonia Bekhoucha-Held bei der feierlichen Eröffnung mit Weils Erstem Bürgermeister Rudolf Koger, und Andreas Heiler, Geschäftsführer der Wohnbau Weil am Rhein, der das Gebäude gehört. „Wir sehen das soziale Management als Schwerpunkt unserer Arbeit“, sagte Heiler, „keine Frage, dass wir das unterstützen“.

Tatkräftig: Elternmentorinnen Foto: Beatrice Ehrlich

Große Erwartungen

An der Eröffnung nahmen viele Menschen teil, denen Gemeinschaft und Zusammenhalt in dem Weiler Stadtteil wichtig sind. Etwa eine Gruppe Elternmentoren, die rund um einen Tisch stehen und zur Feier des Tages mit Wasser, Orangensaft und Sekt anstoßen. Die Frauen, die unter anderem einen Frauenabend, einen Flohmarkt und Tanzabende verantworten, setzen große Hoffnungen in den neuen Raum, in dem sie künftig jeden Dienstag zwischen 8 und 10 Uhr Sprechstunden anbieten wollen. „Wir erwarten uns mehr Integration, mehr Offenheit“, sagt Mexhide Avdin. Zu Gast ist auch Volker Hentschel, Vorsitzender des Stadtteilvereins Weil am Rhein-Friedlingen, der seinen Sitz ganz in der Nähe hat. Die Quartiersarbeit werde schon lange aufgebaut, das Quartiersmanagement mit Quartierstreff seien „ein großer Wurf“, sagt er.

Was zu essen gibt es an der provisorischen Theke. Foto: Beatrice Ehrlich

„Riesen-Chance für Friedlingen“

Für Friedlingen sei das eine Riesen-Chance „Wir hoffen, dass die Zusammenarbeit so gut bleibt und wir uns weiter unterstützen können“. Rebekah Carson und Sandrine Özcatal stehen an der Theke und verteilen Canapés und Hähnchenflügel zur Einweihung. „Wir wollen die Nachbarschaftsarbeit unterstützen“, sagt Carson. Die Gemeindepädagogin und Seelsorgerin aus der benachbarten „Living Hope Gemeinde“ will sich mit Präsenzzeiten im Café ehrenamtlich einbringen. Dass es bisher keine Küche gibt, die aber nach Worten Kogers noch geliefert werden soll, schreckt sie nicht. „Am Anfang gibt es heißes Wasser und Tee.“

Ideen sammeln für einen neuen Namen Foto: Beatrice Ehrlich

Noch keine Pläne

Bekhoucha-Held betont, dass es sich bei dem neuen Treff um einen Ort handelt, der für alle offen ist. Er soll nach und nach von Friedlingern belebt werden – weil sie Lust haben, etwas zu machen, nicht nur um ein vorgegebenes Programm zu absolvieren. An ein gemeinsames „Wohnzimmer“ denkt die Französin bei dem Raum, der auch von allen zusammen ausgestattet werden soll. „Jeder bringt was mit, jeder fühlt sich zuhause“, lacht sie. Im Innenraum, einer ehemaligen Bäckerei hängen Plakate, auf denen zu sehen ist, was noch gebraucht wird: Geschirr und Besteck, Tische und Sitzgelegenheiten, Staubsauger und Putzeimer, Spielsachen, eine Kaffeemaschine – eigentlich fast alles. Auf einem weiteren Plakat haben Kinder und Jugendliche festgehalten, was Leben im Quartier für sie bedeutet. Von Netflix über Comics bis Pommes frites reicht die Palette. An einer dritten Plakatwand können die Besucher Namensvorschläge für den neuen Treff notieren.

Abid El Moussaoui hat ein Friedlingen-Lied kreiert. Foto: Beatrice Ehrlich

Friedlingen-Rap

Einen Überraschungshit landet Abid El Moussaoui, der erst vor kurzem von Duisburg nach Weil am Rhein gezogen ist, mit seinem „Friedlingen-Rap“. „Musik berührt“, findet er. Auch er möchte sich künftig in die Quartiersarbeit einbringen. Das nächste Ziel des jungen Mannes, der sich darüber hinaus als Fußballtrainer beim Bosporus FC Friedlingen engagiert, ist, ein Musikvideo zu dem Lied zu drehen. Dafür sucht er noch Mitstreiter. Für musikalische Unterhaltung sorgt außerdem der Musiker und Soziologe Aytekin Kaya mit türkischen und kurdischen Liedern an der orientalischen Langhalslaute Saz.

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