Weil am Rhein RP mit Strich durch den „Durchstich“

Hier beim Otterbacher Kreisel war der Durchstich unter den Bahnanlagen hindurch nach Friedlingen ins Auge gefasst. Foto: wz

Weil am Rhein - Aus dem Bundesverkehrswegeplan ist der „Durchstich“ schon länger raus, nun hat das Regierungspräsidium Freiburg mit einem Schreiben an die Stadt „einen Strich durch den Durchstich“ gemacht, bedauerte Oberbürgermeister Wolfgang Dietz am Dienstabend im Gemeinderat. „Das ist keine gute Nachricht für die Stadtentwicklung.“ Es geht um eine Untertunnelung der Bahngleise zwischen der B 317 und Friedlingen.

Der Bund hatte die Maßnahme vor Jahren aus seiner Bedarfsplanmaßnahme herausgenommen, erinnert Claus Walther, Abteilungspräsident beim RP. Damit falle dieser als potenzieller Baulast- und Kostenträger aus. Das RP gehe im Falle vom Durchstich in Friedlingen von Baukosten in Höhe von nicht unter 40 Millionen Euro aus. „Sollte die Stadt das Tunnelprojekt als kommunale Maßnahme weiter verfolgen wollen, empfehlen wir einschlägige und profunde Expertisen – insbesondere zu den zu erwartenden Kosten – von ausgewiesenen und wirklich kundigen Fachbüros heranzuziehen.“

Vergleich mit Mannheim Im Rahmen eines Gesprächs in Freiburg wurde mit dem Abteilungspräsidenten sowie den Weiler Vertreten Dietz, Erster Bürgermeister Christoph Huber, Stadtbauamtsleiter Christian Renner und Verkehrs-Abteilungsleiter Markus Rotzler die Perspektive eines Tunneldurchstichs behandelt. Im Nachgang folgte nun die Darlegung der zentralen und finanziellen Gesichtspunkte.

Als Beispiel führt das RP darin ein vergleichbares Tunnelbauprojekt in der Stadt Mannheim an, wo es Ende der 1990er-Jahre zum Spatenstich kam. Während es in Friedlingen unter zirka 15 Bahn-Gleisen entlang gehen würde, waren es dort zehn Gleise, allerdings in einem schiefen Winkel, wie die Freiburger Behörde schreibt. Ähnlichkeiten gebe es mit dem Untergrund, also ein kiesiges, rheinnahes und mit ungünstigen Durchlässigkeitsparametern behaftetes Material, das zu erheblichen Problemen in der Planungsphase und vor allem in der Bauphase in Mannheim geführt habe.

Die Kosten Das Projekt Fahrlachtunnel sei mit umgerechnet 80 Millionen Euro abgeschlossen worden. Die Verkehrsbelastung liege heute bei etwa 62 000 Fahrzeugen pro Tag. In der Zwischenzeit haben sich die Tunnelbaukosten laut RP „deutlich erhöht“. Auch hätten die Fachbüros und Spezialfachbaufirmen volle Auftragsbücher.

Während die geografischen, geologischen und bahnspezifischen Erfordernisse in Friedlingen nach Einschätzung der Behörde durchaus mit denen in Mannheim vergleichbar sind, sieht es bei der Anzahl der Fahrzeuge anders aus. Die Verkehrsbelastung liege deutlich unter der in Mannheim. „So spricht auch der Kosten-Nutzen-Faktor nicht für eine potenzielle Untertunnelung der Gleisanlagen in Friedlingen.“

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