Weil am Rhein Streifzüge durch ein Jahr der Extreme

Fotograf Rolf Frei zeigt „sein“ Corona-Jahr. Foto: Gabriele Hauger

Weil-Haltingen - Menschenleere. Schnee und Äste in scharfem Hell-dunkel-Kontrast, Linien, die das Bild strukturieren: der Lindenplatz im Corona-Januar. Diese faszinierende Aufnahme ziert die Einladungskarte zur aktuellen Ausstellung des bekannten Fotografen Rolf Frei. Er präsentiert 52 Aufnahmen, allesamt entstanden in diesem außergewöhnlichen Corona-Jahr voller Einsamkeit, Leere, Konzentriertheit auf sich selbst.

Zu einer Art Tagebuch sind diese Fotoarbeiten geworden, allesamt mit dem Smartphone gemacht, auf den Streifzügen Freis durch diese auf ganz eigene Art ent-menschlichte Welt. Sein fotografisches Auge entdeckte dabei die Besonderheit der Welt. Da brauchte es kein Teleobjektiv, kein Zoom. Konzentriert auf eine Stelle hielt er sein Handy – und entdeckte die Qualität des eingefangenen Augenblicks, nach Hause zurückgekehrt, am Computerbildschirm.

Das erste seiner Bilder entstand am 12. März 2020 im Basler Kunstmuseum – ein Rodin am letzten Öffnungstag des Hauses vor der pandemiebedingten Schließung. Das letzte Bild der Serie machte Frei in der Fondation Beyeler, auch ein Rodin. Ein Kreislauf schließt sich, ein bemerkenswertes Pandemie-Jahr, das mit jedem Menschen etwas machte.

Rolf Frei schätzte und suchte auf seinen Fahrten durch Wälder, entlang Kanälen, vorbei an Feldern und Brachen, die absolute Ruhe vor Ort. Für nur ein, zwei Aufnahmen am Tag ließ er sich Zeit, sog die jeweilige Stimmung auf, entdeckte scheinbar Belangloses, das durch seine Arbeit zum Kunstwerk wird. Der richtige Moment, seine starke kompositorische Intuition – so bannte er Geäst, Totholz, Wasserspiegelungen, verästelte Baumkronen, Erdformationen oder Blätter und Blüten auf seine Bilder. Für ihn eine inspirierende Arbeit, die ihm half, mit all den Extremen, mit dem ungewohnten Auf-sich-Geworfensein zurecht zu kommen.

Der Betrachter mag in den fast ausschließlich in schwarz-weiß gesetzten bearbeiteten Fotografien seinen eigenen Empfindungen nachspüren. Eine Baumwurzel formt sich zum Arp’schen Frauenkörper. Ein Gesteinsriss lässt einen vielleicht an die Gespaltenheit der Gesellschaft denken, verkohlte Holzbalken an Apokalypse. Die sich wellende Schutzfolie des Spargelfelds an Schutzanzüge und Masken. Holzreste und erfrorene Blüten an die Vergänglichkeit.

Rolf Frei zeigt uns mit seinen Arbeiten die Wunder der Natur, die zur Kunst wird, Geschichten über Raum und Zeit. Wie werden wir diese nach Corona wahrnehmen?

Eine Fotografie lässt uns aus einem steinernen Tunnelgewölbe in die sonnenbeschienene Natur blicken: Licht am Ende des Tunnels!

  „Wiedersehen“: bis 30. Juni, Galerie Underground, Eimeldinger Weg 16, Weil-Haltingen; Öffnungszeiten nach Vereinbarung, Tel. 07621/1612672 oder Mail: frei@rolf-frei.de

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