Weil am Rhein Taxi-Branche bangt um Existenz

Die Corona-Krise trifft auch die Weiler Taxiunternehmer hart. Foto: sba/Franziska Kaufmann

Weil am Rhein - Die Kurzarbeit hat angesichts der aktuellen Lage auch bei den Taxi-Unternehmen „Taxi Lutz“ und „Taxi Cem“ Einzug gehalten. Fahrten zum Einkaufen, Transitfahrten an den Flughafen oder Geschäftsfahrten entfallen weitestgehend, Geschäftsführer Akif Arslan von „Taxi Lutz“ hat rund 60 Prozent weniger Fahrten zu verzeichnen als noch vor der Corona-Krise.

„Der Alltag der Fahrer hat sich schon verändert“, sagt Akif Arslan. Aktuell arbeite er nur mit 40 bis 50 Prozent seiner Fahrer, und natürlich in Kurzarbeit. Die Passagiere fehlen, dennoch steigt der Arbeitsaufwand für die wenigen Fahrer, die tatsächlich noch im Dienst sind.

„Nach allen längeren Fahrten, also alle, die 20 Minuten überschreiten, müssen wir den Innenraum des Taxis vollständig desinfizieren“, erklärt Arslan. Besonders liege dabei der Fokus auf den Handgriffen und Sitzbänken. Die Hygienevorschriften werden strengstens eingehalten.

Die Fahrer übernehmen diesen zusätzlich anfallenden Arbeitsschritt selbst. Pro Tag müsse ein Taxi rund drei- bis viermal geputzt werden, „das kostet Zeit“, sagt Cem Cevek, Geschäftsführer des Taxiunternehmens „Taxi Cem“.

Zwischen Fahrerkabine und Fond ist ein sogenannter Spuckschutz, eine Plastikplane, aufgehängt, die sowohl Fahrer als auch Fahrgast schützen soll. „Die Maskenpflicht gilt auch für uns, alle Fahrer tragen eine vorschriftsmäßige Maske“, berichtet Arslan, der, sollte ein Fahrgast einmal keine Maske zur Hand haben, auch diesbezüglich Abhilfe schaffen kann. „Wir haben in unseren Autos immer Ersatzmasken liegen, die wir bei Bedarf auch an die Fahrgäste verteilen können.“

Dass sich Leute der bestehenden Maskenpflicht widersetzen, hat Arslan bisher selten erlebt. „Es gibt wenige Einzelfälle, wo es mit den Fahrgästen auch mal Ärger gibt. In der Regel können wir sie aber überzeugen, zu ihrer und zu unserer Sichheit die Maske bitte aufzusetzen“, berichtet der Geschäftsführer des Taxi-Unternehmens Lutz.

Für die schwierigen Fälle beruft sich Arslan auf sein Recht, dem Fahrgast die Fahrt zu verweigern. „Die Maske ist Pflicht, weigert sich ein Fahrgast vehement, dann kann er mit uns leider nicht fahren.“

Großtransporte vermeiden die Unternehmen derzeit. Im regulären Taxi dürfen aktuell nur zwei Personen befördert werden, da ab drei ein Fahrgast auf dem Beifahrersitz Platz nehmen müsste. Ausnahmen werden bei Personen desselben Haushalts gemacht: „Wenn zwei Personen aus demselben Haushalt stammen, kann ich noch eine dritte mitnehmen“, erklärt Cevek.

Fahrgäste schildern ihre Eindrücke

Die Rückmeldungen der Fahrgäste seien durchwachsen, berichtet Arslan. „Obwohl unsere Kunden natürlich froh sind, dass sie unsere Dienstleistungen nach wie vor wahrnehmen können, sind doch alle sehr genervt vom Lockdown.“ Das Unternehmen ist derzeit froh über jeden einzelnen Fahrgast.

Mit rund 60 Prozent weniger Fahrten als zuvor gilt es, die Krise möglichst gut zu überstehen. „Viele sind im Homeoffice, und Transitfahrten zum Flughafen haben wir auch nur selten“, erklärt Arslan im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei seinen Kollegen sieht es ähnlich aus, bestätigt Cevek, der sogar 70 Prozent weniger Fahrten zu verzeichnen hat, als noch vor der Corona-Krise.

Der eigene Schutz gehe vor, bemerkt Arslan und ergänzt: „Die Leute sollen ja auch zuhause bleiben. Die meisten halten sich daran, dann ist es klar, dass wir deutlich weniger fahren.“

Fahrten zum Einkaufsbummel, zum Arzt oder gar Nachtfahrten, die Kneipengänger in den frühen Morgenstunden nach Hause befördern, bleiben nahezu aus. Auch der Ausfall großer Veranstaltungen macht sich für die Unternehmen bemerkbar, „Menschenansammlungen oder große Feiern sind ja verboten, das merken wir dann auch an den Umsätzen.“

Dass durch die Ausdünnung des ÖPNV-Fahrplans mehr Leute Taxi fahren, daran glaubt Arslan nicht: „An der Anzahl der Fahrgäste ändert das für uns nichts, die Leute reisen einfach insgesamt weniger.“

Schwierig stellen sich die Unternehmer auch ihre berufliche Zukunft vor. „Ich glaube, dass gerade die großen Unternehmen jetzt im Lockdown feststellen, wie angenehm das Arbeiten aus dem Homeoffice für sie sein kann. Die Arbeitgeber müssen weniger Geld investieren für Flüge und Fahrten ihrer Mitarbeiter – für uns sind das dann keine rosigen Aussichten“, beschreibt Cem Cevek seine Sorgen. Wenn künftig mehr Leute von Zuhause aus arbeiten, fielen Geschäftsfahrten vermutlich auf lange Sicht ganz weg.

Cevek erhofft sich von den Verantwortlichen mehr Hilfe in Krisenzeiten. Lange, so glaubt er, könne er die jetzige Situation nicht mehr durchstehen.

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