Weil am Rhein Toiletten-Frage noch unbeantwortet

Sollte im Wiegehäuschen ein Kiosk untergebracht werden, hält OB Wolfgang Dietz wenig von der Idee, hier eine öffentliche Toilette direkt anzugliedern. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Der Gemeinderat hat die Verteuerung der Rheinufergestaltung (Projekt Vis à vis) um eine Million Euro mit der Faust in der Tasche kommentiert. Als Folge der Kostensteigerung soll die Errichtung einer selbstreinigenden Toilette im Rheinpark erst später verwirklicht werden, was wiederum auf großes Bedauern stieß, da die Grünanlage dann ohne öffentliches WC startet. Es wird nach einer Lösung gesucht.

Auch wenn die Gemeinderäte gewusst hätten, dass das Projekt statt 2,1 Millionen insgesamt 3,1 Millionen Euro kostet, hätten sie es bewilligt, erklärte Andreas Rühle (UFW) ohne später Widerspruch von anderen Ratsmitgliedern zu erfahren.

Zwar sei ein Übertragungsfehler durch den Hauptauftragnehmer/Fachplaner für 400 000 Euro an nicht kalkulierten Kosten verantwortlich, doch andere Mehrkosten auch sinnvoll. Also, dass die Barrierefreiheit zum „Rheinbalkon“ angepasst werde. Toi-Toi-Toiletten seien als Alternative für die mit 100 000 Euro ursprünglich veranschlagte selbstreinigende Toilette nicht sinnvoll. Eventuell müssten temporäre Container her. Richtig sei hingegen, dass das Multifeld erst einmal zeitlich geschoben und noch nicht gebaut werde.

„Sofortige Abwertung des Parks“

Von einer „sofortigen Abwertung des Parks“ sprach Ulrike Fröhlich (Grüne) angesichts des erst einmal fehlenden öffentlichen Klos. Gar nicht gut an kam bei ihr, dass die Bewegungsfreiheit der Jugendlichen eingeschränkt werde, da auf das Multifeld erst einmal verzichtet werden soll. Wobei Erster Bürgermeister Christoph Huber hier auf die „McArena“ verwies, die bei der ersten Planung der Umgestaltung des Rheinparks noch kein Thema gewesen sei, womit nun extra Bewegungsangebote unterbreitet werden.

Es gebe Gründe für die Erhöhung, weiß Wolfgang Roth-Greiner (FDP) um die Einrichtung einer ökologischen Baubegleitung, die Forderung einer Prüfstatik für den „Rheinbalkon“, die Eidechsenvergrämung, die Entsorgung von belastetem Material und vorgefundenem Fundamentaushub sowie die Sicherheits- und Gesundheitskoordination wegen gefährlicher Arbeiten am Wasser, die sich insgesamt auf 600 000 Euro summieren. Doch das solle nicht noch einmal so passieren, schlug er neue Strukturen für solche Maßnahmen im Rathaus vor.

Eigentlich könne er stets passende Zahlen vorweisen, bedauerte auch Stadtplaner Christian Renner die Mehrkosten. Dass bei der Erschließung des Neubaugebiets Hohe Straße oder bislang im eigentlichen Rheinpark weniger Kosten anfallen, „darüber reden wir wenig“.

Jürgen Valley (SPD) sprach angesichts der eine Million Deckungslücke von einem „erschreckenden Betrag“. Auch er regte an, die Strukturen im Rathaus zu überdenken. Wichtig war dem Sozialdemokrat, dass es sich bei der zeitlichen Verschiebung des Multifelds und der Toilettenanlage, die unterm Strich 300 000 Euro ausmachen, nicht um eine Einsparung handle. „Die Kosten werden in ein späteres Jahr verschoben.“

„Es braucht eine intelligentere Lösung“

Wobei unklar ist, ob beides umgesetzt wird. So stellte Axel Schiffmann (UFW) das Multifeld infrage. Und auch hinsichtlich der selbstreinigenden Toilettenanlage müssten noch Überlegungen angestellt werden, erklärte OB Wolfgang Dietz.

Eine WC-Angliederung an einen im Wiegehäuschen untergebrachten Kiosk, wie von Renner im Ausschuss platziert hatte, stößt bei Dietz auf wenig Gegenliebe. „Es braucht eine intelligentere Lösung.“ Brigitte Pantze (SPD) erinnerte, dass mit dem Rheincafé-Betreiber über eine „nette Toilette“ gesprochen werden müsse. Eva-Maria Bozenhardt (CDU) legte ebenso großen Wert auf ein öffentliches WC im Park. „Eine Toilettenanlage ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft für die Hygiene.“

Der Gemeinderat bewilligte bei fünf Enthaltungen die Erhöhung der Baufreigabe.

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