Weil am Rhein Übergriffe verhindern

Anike Loewen und Patrick Müller können im Streifendienst künftig auf die Kameratechnik zurückgreifen. Fotos: Marco Fraune Foto: Weiler Zeitung

Die Weiler Streifenbeamten sind seit gestern mit Body-Cams unterwegs. Kommt es zu Konflikten, läuft die Kamera mit, um Straftaten zu dokumentieren. Primäres Ziel ist hingegen, mit dem neuen Gerät für eine Deeskalation der Situation zu sorgen, wie gestern bei der Vorstellung der Technik im Weiler Revier geschildert wurde.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Der Streifendienstpolizist Patrick Müller hat bereits in einer Pilotphase im Frühjahr 2017 die Body-Cam sechs Wochen lang an der Schulter gehabt. Dass nach diesem wissenschaftlich begleiteten Test, der positiven Auswertung und der Freigabe von 1,8 Millionen Euro für die nun bis Mitte dieses Jahres anstehende Einführung der neuen Technik jede Streife in Weil eine Kamera an der Kleidung heften hat, begrüßt der Beamte. „Wir sind froh, wenn wir unbeschadet nach Hause kommen. Dafür haben wir ein weiteres Mittel bekommen.“ Denn, so ergänzt seine Kollegen Anike Loewen. „Es ist ein neues Einsatzmittel und dient unserem Eigenschutz.“

Im äußersten Südwesten der Republik ist angesichts der hohen Kriminalitätsbelastung auch die Revierleiterin Kathrin Mutter optimistisch gestimmt mit Blick auf die zehn Body-Cams, die ihre Dienststelle erhält. „Ich bin sehr froh und dankbar, dass es landesweit eingeführt wird.“ Schließlich habe sich schon in der Pilotphase, bei der das Weiler Revier sechs Wochen lang die Cams getestet hat, eine deeskalierende Wirkung gezeigt. Es komme weniger zu Solidarisierungen bei Gruppen. Zugleich werde der Rechtsschutz der Bürger mit der Technik gewahrt. Unberechtigten Anschuldigungen könne man so Beweismittel gegenüberstellen.

„Die Body-Cam hat aber auch ihre Grenzen“, verweist Polizeisprecher Frank Fanz auf vollkommen Betrunkene, die noch nicht einmal erkennen, dass es sich bei den Angepöbelten und Angegriffenen um Polizisten handelt. Und: „Leute, die Regeln und Normen der Gesellschaft ablehnen, interessiert keine Body-Cam.“ Hintergrund der Einführung sei auch die zuletzt gestiegene Gewalt gegen Polizisten gewesen. Im Land werden daher nun 1350 Systeme eingeführt, 118 Kameras im Polizeipräsidium Freiburg. „1,8 Millionen Euro werden investiert, um die Kollegen zu schützen und vor Übergriffen zu bewahren“, erklärt Fanz.

Ein gestern vorgeführtes Demonstrationsvideo zeigte, dass sowohl in farbigen Bildern als auch mit Ton aufgenommen wird. Die Kamera weist einen 143-Grad-Winkel auf, wobei diese auch bei der Dunkelheit funktioniert. In der Regel werden zwei bis acht Minuten aufgenommen. „Es sind relativ kurze Sequenzen, aber knackig“, schilderte Marco Troll, Leiter Einsatztraining. Kommen die Beamten zurück zum Dienstsitz, werden hier Bilder heruntergeladen und Kameras aufgeladen.

Nicht aufgenommen wird bei Einsätzen in Wohnungen, da Artikel 13 des Grundgesetzes greift, mit dem die Unverletzlichkeit der Wohnung geregelt ist. Auch die Versammlungsfreiheit soll gewahrt werden, also keine Body-Cam hier zum Einsatz kommen. Die Kamera läuft hingegen an öffentlich zugänglichen Orten zur Gefahrenabwehr bei konkreter Gefahr. In den sechs Wochen der Pilotphase wurde in Weil so nur drei bis fünf Mal etwas aufgenommen, erklärt Revierleiterin Mutter. Aber sehr oft hätten die Beamten das Gefühl gehabt, der Kameraeinsatz führte zu einer positiven Verhaltensänderung beim Gegenüber.

Noch nicht eingesetzt werden die Body-Cams bei den Verkehrsfachdienststellen und Ermittlungsteams.

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