Weil am Rhein Von Bach bis zur Romantik

Orgelmusik am Samstagabend mit Jule Rosner. Foto: Jürgen Scharf

Weil am Rhein - „Bach und seine Rezeption in der Romantik“ nannte die Berliner Organistin Jule Rosner ihr Programm in der Reihe „Orgelmusik am Samstagabend“ in der Kirche St. Peter und Paul. Und es war auch ein geschlossenes Konzept mit dem Übervater Bach, Clara und Robert Schumann und Mendelssohn, der die Bach-Renaissance einläutete, bis hin zu César Franck, der seine frei erfundenen Choralmelodien in ein romantisches Klanggewand kleidete.

Alle vier Komponisten haben Bach rezipiert, waren an Bach geschult und haben sich mit dem Kontrapunkt auseinandergesetzt. Das Recital war darum so konzipiert, dass man diese musikgeschichtliche Entwicklung hören und miterleben konnte. Darauf wies schon einleitend Veranstalter Albrecht Klär hin, der wohl wegen des beschwerlichen Hitzewetters nicht so viele Besucher wie sonst begrüßen konnte. In der Kirche war es zwar um einige Grade kühler, aber Rosner heizte durch ihre fesselnden und überzeugenden Interpretationen den Zuhörern gewaltig ein.

Schon das repräsentative Werk von Bach am Anfang, Präludium und Fuge BWV 532, war mitreißend gestaltet, rhythmisch voller Elan und mit einer staunenswerten vorwärtsdrängenden Fuge. Jule Rosner zeigte bei aller technischen Bravour in der streng analytischen Arbeit einen sehr durchsichtigen Klang, zudem eine hervorragende Pedalpräsenz.

Clara Schumanns kontrapunktischen Werke waren eigentlich Klavierstücke und ein mit Klavier begleitetes Lied, schön auf die Orgel umgesetzt. Besonders die Stakkatogirlanden zu Beginn des Präludiums aus Opus 16 rankten sich unter Rosners führender Hand wunderbar um die getragenen Melodien.

Spielfreudigkeit kennzeichnete auch ihre Wiedergabe der vierten Orgelsonate von Mendelssohn, wo sie die langsameren Mittelsätze empfindungsvoll, die anderen, wie den majestätischen Allegro con brio-Kopfsatz, stärker registrierte. Gespannt war man, ob die französische Orgelromantik eines César Franck sich an der Metzler-Orgel gut realisieren ließe, was absolut der Fall war.

Die Disposition im Schwellwerk ist perfekt für Franck und auch sonst hatte die Interpretin eigene Ideen, wie sie jedes Register mit seinem Klangcharakter und das Schwellwerk für den 15-minütigen E-Dur-Choral mit seinen vier Strophen und seiner atemberaubenden Chromatik, bei der Bach grüßen lässt, bis zu Dis-Dur mit neun Kreuzen, einsetzen konnte. (In ihrer sehr lebendigen Werkerläuterung sang Rosner dem Publikum sogar das Kreuzzeichen vor).

Es war nicht das erste Mal, dass die vielseitige und vielfach ausgezeichnete Musikerin an der Weiler Orgel gastierte; sie war schon mehrfach hier und hat ihre Auftritte in guter Erinnerung, weil sie in Basel an der Schola Cantorum studierte und sich in der Regio wohlgefühlt habe. Als historisch informierte, stilkundige Solistin kannte sie auch die Metzler-Orgel, an der sie die dynamischen Übergänge und Steigerungen famos gestalten konnte.

Auch die Zugabe passte wunderbar in diese Romantik-Programmidee: ein Stück von Robert Schumann aus den Studien für Pedalflügel. So gab es für die Organistin an diesem heißen Tag nicht hitzefrei, dafür war die Musik teils heißblütig und teils besänftigend.  

Das nächste Orgelkonzert in der Reihe gibt Pavel Kohout: 24. August, 19.15 Uhr

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