Weil am Rhein Weichen richtig stellen

Weiler Zeitung, 17.04.2018 17:53 Uhr

Die Stadt kämpft für eine höhere Priorisierung der Verlängerung der Tramlinie bis zum Läublinpark. Das Projekt „Tramlinie 8+“ soll beim Schweizer Bund als B-Projekt, möglichst sogar als A-Projekt anerkannt werden. Damit würde Weil näher an einen Zuschuss aus dem Infrastrukturfördertopf in Bern rücken, der schon die Tram 8 möglich machte.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Dass Weil am Rhein bei der zweiten Generation des Agglomerationsprogramms Basel zu Gunsten der geplanten Elektrifizierung der Hochrheinstrecke das eigene Anliegen zurückgestellt hat, soll für die Grenzstadt nicht ein großer Nachteil werden, hofft die Stadtspitze um Oberbürgermeister Wolfgang Dietz und Bürgermeister Rudolf Koger. „Ziel muss sein, dass wir ein B-Projekt werden.“ Denn nur so könne in der bald startenden vierten Generation des Agglomerationsprogramms aus der „Tramlinie 8+“ ein A-Projekt werden, führte Koger am Montagabend dem Finanzausschuss vor Augen.

Kostennutzen gegeben

Der Schweizer Bund bewertete hingegen das Ansinnen jüngst als C*-Projekt, wobei davon ausgegangen wurde, dass kein positives Kostennutzenverhältnis für das rund 20-Millionen-Franken-Vorhaben gegeben ist. Dies konnte allerdings durch die standardisierte Bewertung der Firma Intraplan consult nachgewiesen werden, was in Richtung Bern deutlich gemacht wird. Der Gemeinderat soll nach dem Votum des Finanzausschusses am Dienstag der entsprechenden Stellungnahme des Agglomerationsprogramms zustimmen und sich für die höhere Priorisierung aussprechen. Damit werde dokumentiert, dass die Voraussetzungen für eine Förderung geschaffen wurden, erklärte Koger.

Bisherige Förderzusagen

Während damit die Hoffnungen auf eine Förderung durch den Schweizer Bund ruhen, kann Weil mit einer Million Euro durch den Landkreis Lörrach kalkulieren, was auch dadurch erreicht wurde, dass Weil der Hochrheinbahn-Elektrifizierung den Vortritt gelassen hat. „Es wäre tatsächlich nicht klug gewesen, dem Landkreis Lörrach entgegenzutreten“, begründete OB Dietz das damalige Vorgehen. Der Kreistag habe seinerzeit klar die Priorität bei dem Projekt gesehen. „Wir erwarten auch die Solidarität anderer, wenn wir sie vorher gezeigt haben“, setzt er nun auf die Kreis-Unterstützung. Das Land Baden-Württemberg sei außerdem bereit, dieses Projekt zu unterstützen, wenn der Schweizer Bund einen Teil der Investitionskosten trägt.

„Es ist ein Schritt, den wir gehen, in der Hoffnung, dass wir nach oben rücken“, hofft der Oberbürgermeister erst einmal darauf, mit dem Projekt Tram 8+ als B-, vielleicht sogar als A-Projekt eingestuft zu werden. „Es ist ein guter Schritt“, sprach Andreas Rühle die Unterstützung des Finanzausschusses aus.

Perspektive 2024

Ein langer Vorlauf bis zu einer Realisierung bleibt. Start der vierten Generation des Agglomerationsprogramms ist im Jahr 2024, womit eine Zusage durch den Schweizer Bund etwa im Jahr 2023 liegen könnte. Der Grundstein wird hingegen in diesem Jahr gelegt. Schließlich müssen bis zu dem möglichen Baubeginn einige Weichenstellungen erfolgen.

„Flickenteppich“ Eigentum

Dazu zählt auch die Grundstückssituation zwischen dem Schlaufenkreisel und dem Läublinpark. Dietz sprach hier von einem „Flickenteppich an Eigentumsverhältnissen“. Nicht überall, wo ein Gehweg ist, handle es sich um öffentlichen Grund. Es erfordere viel Zeit, hier für klare Besitzverhältnisse zu sorgen. Finanziell muss die Stadt in Vorleistung gehen, um die Leistungsphase 3, die Entwurfsplanung und Kostenberechnung, zu starten.

Neues Bus-Betriebskonzept

Neben der Schaffung der reinen Infrastruktur wissen die Weiler auch um den Betrieb der Tramstrecke, der Geld kostet. Außerdem müssten die Basler sicher eine Tram mehr anschaffen. Die jährlichen Zuwendungen für den öffentlichen Personennahverkehr gelte es dann ebenfalls neu zu bewerten, weiß der OB. So habe eine Verlängerung der Tramlinie auch Auswirkungen auf die Buslinien. Koger: „Ein neues Betriebskonzept für die Busse muss folgen.“ Märkt und Ötlingen seien nach der Tram 8-Inbetriebnahme in Weil besser angebunden worden.

 
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