Weil am Rhein-Märkt (jpk). Interessierte konnten am Samstag auf Einladung der beiden Forscher Sascha Kuhnert und Friedrich Wein am Stauwehr Märkt verbliebene Spuren der unrühmlichen Geschichte besichtigen und erfahren, welcher geschichtliche Hintergrund hinter der Stationierung und dem folgenschweren Einsatz schwerer Marinegeschütze mitten im Markgräflerland steckte.

40 Bürger interessierten sich für die Hintergründe

Sascha Kuhnert und Friedrich Wein haben als Autoren zum Thema nach aufwändigen Recherchen eine Buchpublikation veröffentlicht. Unter dem Titel „Die Marinegeschütze des Westwalls am Oberrhein“ haben sie die Erkenntnisse aus ihren Forschungen zu den am oberrheinischen Westwall zwischen Istein und Karlsruhe eingesetzten Marinegeschütze von ihrer Entstehung bis zu ihrem Verbleib zusammengefasst. Sie liefern damit eine Ergänzung nicht nur zur Westwallforschung, sondern auch zu anderen Schauplätzen, an denen diese Geschütze nach dem Juni 1940 eingesetzt wurden.

Rund 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger unterschiedlicher Altersstufen konnten anhand von Kartenmaterial, historischen Bildern, Plänen und einem Bunkermodell direkt am Schauplatz von den Autoren umfassende Hintergründe und Erläuterungen erfahren. Ab 1938 wurden im Markgräflerland bei Schliengen, Feldberg-Gennenbach, Märkt und Istein mehrere Marinegeschütze stationiert, die bereits aus dem ersten Weltkrieg stammten. Der Grund, dass es sich bei den Geschützen um schweres Gerät aus den Beständen der Marine handelte, war der Versailler Vertrag. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg hatte das deutsche Heer alle schweren Geschütze abgeben müssen. Die Marine war von diesem Diktat verschont geblieben und konnte deshalb bei der Befestigung des Westwalls aushelfen.

Speziell im Raum um Märkt unternahm das deutsche Militär besondere Anstrengungen, weil das Stauwehr als strategisch sehr wichtig galt. Um gegen einen französischen Vormarsch über das Stauwehr gefeit zu sein, versuchte man zunächst vergeblich, einen Tunnel zum ersten Pfeiler des Stauwehrs zur möglichen Sprengung zu bauen, installierte dann 1939 aber am Rheinufer unterhalb des Märkter Bunkers noch Wasserbombenwerfer, die ebenfalls aus Marinebeständen stammten. Man wollte unter allen Umständen in der Lage sein, ein Vorrücken französischer Truppen über das Stauwehr nach Deutschland zu verhindern.

Denkmalgeschützter Bunker am Stauwehr

Die Westwallbauten, die zwischen Weil am Rhein und Karlsruhe etwa 3500 Bunker umfassten, dienten bekanntlich der Sicherung der deutschen Südwestgrenze. Auf französischer Seite gab es ein ähnliches Bollwerk, die Maginotlinie. Viele Spuren sind inzwischen verschwunden oder kaum mehr erkennbar, da die Erdbettungen zugeschüttet und die Bunker nach Kriegsende gesprengt wurden. Der denkmalgeschützte Bunker am Stauwehr (Maschinengewehr-Doppelschartenstand in der Sonderbauweise für den Oberrhein, Limes-Regelbau 24, Bauwerk 5887) ist somit, auch wenn es sich nur um einen plumpen Betonklotz handelt, etwas Besonderes und von den Westwallbauten am gesamten Oberrhein als einziger intakter Bau vom Typ 24 erhalten.

Der Bunker ist nicht begehbar, da er komplett zubetoniert wurde. Lediglich die Beschussspuren an der stahlarmierten Außenhaut zeigen heute noch die Versuche der Ausschaltung solcher Objekte. Dass er erhalten blieb, verdankt er dem damals bereits fertiggestellten Rheinseitenkanal. Der sollte durch eine Sprengung unter keinen Umständen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Sascha Kuhnert und Friedrich Wein konnten mit ausgeprägtem Detail- und Hintergrundwissen somit anschaulich historische Hintergründe und Zusammenhänge vor Augen führen und auch zahlreiche Fragen der Teilnehmer beantworten.