Weil am Rhein Wie die Figuren die Welt sehen

Am Donnerstagabend war Premiere des Stücks „RichtungsLeuchten“ der „Kesselhausgruppe“ von Tempus fugit. Foto: Pinkawa

Weil am Rhein - „Was braucht eigentlich Theater?“ Mit dieser Frage setzt sich das Stück „RichtungsLeuchten“ der „Kesselhausgruppe“ des freien Theaters Tempus fugit auseinander. Am Donnerstagabend war Premiere des von der Gruppe unter der Regie von Sabrina Lössl selbst erarbeiteten Stücks im Kulturzentrum Kesselhaus.

Sind es Rhythmus, Dynamik, kleine und große Gefühle, Licht, Ton und eine Bühne, Choreographie und Spiellust? Oder vielleicht doch einfach nur einen Menschen, der durch einen Raum geht und einen anderen Menschen, der dabei zuschaut? Mit genau diesen Fragen setzten sich die Protagonisten in „RichtungsLeuchten“ als Melange auseinander.

Sie stellten sich dazu sich selbst und dem Publikum, probierten sich aus, machten sich klassische Rollenfächer zu eigen und zeigten, wie die daraus entstandenen Figuren die Welt sehen und näherten sich so möglichen Antworten an. Die Zuschauer durften den Theaterraum betreten, während auf der Bühne die Akteure noch mit Stimm- und Sprechübungen beschäftigt waren, und wurden, zunächst unbewusst, bereits zu dem Zeitpunkt Teil der Aufführung.

Was sind Schauspieler? Was wollen Schauspieler auf der Bühne? Was geht auf der Bühne, oder gehört nicht dorthin? Einfache Definitionen wie Spiellust ohne Selbstgefälligkeit demonstrierten die Akteure als die Naive, die Salondame, der Lebemann, die komische Alte, die Heldin, die Intrigantin, der Naturbursche und die jugendliche Liebhaberin.

Wunschgläser und Wunschwelt

Das Wunschglas mit der jeweils ureigenen Wunschwelt eröffnete jedem einzelnen Charakter und seinen unterschiedlichen Eigenheiten die Möglichkeiten zur Selbstdarstellung. Die eine mochte „alles, was rosa ist und Bubble-Gum“, die andere liebte die neidischen Blicke auf sich und hasste die Einsamkeit, der nächste liebte alles, was Spaß macht, und brachte Partystimmung auf die Bühne. Eine Figur erklärte ihren Mann und ihren Sohn zu lieben und den Krieg zu hassen, während ein anderer Charakter die Stille liebte und die Dummheit verabscheute, aber die luftige Weite schätzte und Bäume umarmt. Weitere Figuren liebten Aggression und hassten Gleichmut, oder mochten die Berge und lehnten das hektische Leben der Stadt ab, liebten Hip-Hop und die Jungs, aber hassten Erwachsene, die immer alles besser wissen.

Jeder Charakter artikulierte seine Lebensphilosophie in anschaulichen Darstellungen und schlich sich damit in die Gedanken- und Bilderwelt der Zuschauer. Als eine Möglichkeit von Theater wurde gesungen, gekämpft und getanzt, aber auch gelauscht und nachgespürt. Von Nachdenklichkeit und Hinterfragen bis herzhaftem Spaß war für die Zuschauer Theater in all seinen Nuancen nachspürbar.

Kooperation zwischen Kesselhaus und Theater

Bilder, Texte (selbst in einer unverständliche Lautsprache), Mimik, Geräusche, alles transportierte eindrucksvoll dargestellt die Thematik, eben alle Elemente, die Theater für Darsteller und Theaterbesucher ausmachen.

Die schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles überzeugte, und das Publikum zeigte sich von der Reise durch die Theaterwelt begeistert. Das Ensemble erntete reichlich und gebührend Applaus für die Premieren-Aufführung. Das Stück wird am heutigen Samstag nochmals aufgeführt.

In dem Stück der Theatergruppe, die im September 2018 als Kooperation zwischen dem Kesselhaus Weil am Rhein und dem freien Theater Tempus fugit gegründet wurde spielten: Karl Emmler, Katharina Gimmi, Beate Knepper, Gabriele Scheib, Doris Sicklinger, Melanie Vahl, Gudrun Volkert und Ulrike Wohlwender-Seng. Regie führte Sabrina Lössl, die Regieassistenz und Produktionsleitung lag bei Luise Ehl und die Technische Leitung bei André Kulawik.

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