Weil am Rhein Wo die Feuerwehr zu Hause ist

Die feuerroten Ziffern auf dem Schlauchturm der Weiler Feuerwache sind weithin sichtbar: Wenn man die 112 wählt, kommt die Feuerwehr, mit Blaulicht und Martinshorn. Im Hintergrund solch einer Alarmierung läuft aber noch sehr viel mehr ab – und auch danach, wenn der Einsatz offiziell längst wieder beendet ist.

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. Wenn die Floriansjünger gebraucht werden, machen sich ihre digitalen Meldeempfänger lautstark bemerkbar. An der Wache angekommen, geht es vom Parkplatz direkt in die Umkleidekabinen. Dort wird in Spinden die Ausrüstung aufbewahrt, in die die Wehrleute rasch hineinschlüpfen. „Helm, Stiefel, Jacke, Hose, Handschuhe und Feuerwehrhaltegurt gehören zur Grundausstattung“, erklärt Markus Utke, erster stellvertretender Kommandant, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Weg führt dann weiter in die Fahrzeughalle zur Info-Tafel. „Die Meldeempfänger haben eine Rückmeldefunktion – hier kann man zum Beispiel sehen, wie viele Kräfte alarmiert wurden und wie viele kommen.“ Daraus könne der Einsatzleiter auch schließen, ob gegebenenfalls nachalarmiert werden muss. „Das ist relativ neu“, erzählt Utke. Auch Alarm-Fax, Funkgerät und Telefon stehen dort bereit.

Gleich daneben befindet sich ein Regal mit unzähligen roten Ordnern. „Dort sind alle Weiler Brandmeldeanlagen hinterlegt“, erklärt Utke. Die Feuerwehrleute können sich in den Unterlagen über die schnellste Anfahrt oder Zugänge informieren. Auch Ansichten der jeweiligen Gebäude befinden sich darin.

Je nach Alarmstichwort wie Wohnungsbrand oder Verkehrsunfall ist klar definiert, welche Fahrzeuge ausrücken müssen. Diese werden dann besetzt – mit Gruppenführer, Maschinist und weiteren Kräften – und dann geht die Fahrt auch schon los.

Im Fahrzeug

Viele verschiedene Fahrzeuge stehen für die unterschiedlichen Einsatzarten zur Verfügung. Etwa die Drehleiter, die unter anderem für die Brandbekämpfung und zur Menschenrettung eingesetzt wird. Aber auch ein großes Tanklöschfahrzeug, das 5000 Liter Wasser und 500 Liter Schaum mit sich führen kann. „Das ist hilfreich, wenn es keine Löschwasserversorgung gibt, auf der Autobahn oder bei einem Waldbrand“, erklärt Utke. Daneben gibt es das herkömmliche Löschfahrzeug „LF-20“, das 2000 Liter fasst, ein Hilfeleistungs-Löschfahrzeug oder einen Rüstwagen für schwere technische Hilfeleistungen, etwa mit Lastern. „Das ist eine mobile riesige Werkstatt.“ Daneben kann auf Fahrzeuge für Kleineinsätze wie die Beseitigung einer Ölspur zurückgegriffen werden, oder den Vorausrüstwagen für längere Anfahrten. „Damit kommt man schneller durch einen Stau oder auch in unwegsamem Gelände besser voran.“

Wenn ein kompletter Löschzug ausrückt, also 22 Mann, dann ist auch der Einsatzleitwagen dabei, der unter anderem über Computer und Internet verfügt. „Das Fahrzeug ist wichtig für die Lagebesprechung und Dokumentationen“, erläutert Utke. Daneben gibt es auch noch verschiedene Transportfahrzeuge – für Geräte oder die Feuerwehrkräfte selbst.

Nach dem Einsatz

Wenn der Einsatz beendet ist, geht es wieder zurück zur Feuerwache. Sehr wichtig ist ab dann eine strikte „Schwarz-Weiß-Trennung“, um eine Kontamination – etwa mit krebserregenden Stoffen – zu verhindern. Im Waschraum wird der grobe Schmutz entfernt und die gebrauchte Ausrüstung zurückgelassen, damit diese gründlich gereinigt werden kann. Auch die Schläuche gilt es zu säubern und auf Defekte zu untersuchen – dafür werden sie unter Druck gesetzt. Anschließend hängt man sie zum Trocknen im Schlauchturm auf.

In der Atemschutzwerkstatt werden unter anderem die benutzten Geräte gereinigt und geprüft, die Flaschen wieder mit Atemluft befüllt oder auch Chemikalienschutzanzüge desinfiziert. „Das ist ein wahnsinniger Arbeitsaufwand, aber lebenswichtig“, betont Utke. „Alles muss dicht sein.“ Ein Atemschutzgerätewart verfügt deshalb auch über eine entsprechende Ausbildung. „Er muss zum Beispiel wissen, wie genau die Kleidung gewaschen und imprägniert wird – das sind schließlich keine Sportjacken.“ Geprüfte Atemschutzmasken werden verschweißt, so dass beim nächsten Einsatz wieder darauf zurückgegriffen werden kann.

Und auch die Fahrzeuge der Feuerwehr müssen neu bestückt werden – von den Masken und gefüllten Flaschen bis hin zum neuen Schließzylinder für geöffnete Türen.

Was sich alles in der Wache verbirgt

Von der Fahrzeughalle bis zum Fitnessraum – im Gebäude der Feuerwehr gibt es Räume  für verschiedene Zwecke. Neben  dem Stabsraum für Besprechungen, der Einsatzzentrale mit Funktischen sowie  Büros befindet sich im Obergeschoss außerdem ein Aufenthaltsraum für die Kameradschaftspflege oder auch, um nach einem  schwierigen Einsatz  zusammen zu sitzen. Nebenan liegen Seminarräume und der Jugendraum, zudem gibt es einen Fitnessraum für die körperliche Betätigung. Im Archiv werden unter anderem Einsatzberichte und Chroniken gelagert. „Dort gibt es Schätze von vor 100 Jahren“, weiß  der erste stellvertretende Kommandant Markus Utke. Im Erdgeschoss befinden sich nicht nur die Umkleiden und die große Garage für die Fahrzeuge, sondern auch Waschhalle, Kleiderkammer, Atemschutzwerkstatt, Funkwerkstatt und das Großlager mit allerhand Nachschub –  vom Sprit bis zur Ersatzkleidung. Der Schlauchturm  wird auch als Übungsturm benutzt. „Etwa mit der Drehleiter, zum Abseilen oder zum Treppen steigen.“
 

Die Mitarbeiter und ihre Aufgaben

Bei der Weiler Wehr handelt es sich um eine Freiwillige Feuerwehr mit einigen hauptamtlichen Kräften. Seit Mai 2018 ist Frank Sommerhalter hauptamtlicher Kommandant. Zwei hauptamtliche Mitarbeiter sind in der Verwaltung tätig, dazu gibt es drei Gerätewarte. Für die Mitarbeiter fallen die unterschiedlichsten Aufgaben an: Diese reichen von  der Einsatzplanung über  die   Fahrzeug- und Gerätewartung, Unterhalt, Pflege, Reinigung und Instandsetzung der verschiedenen Geräte und Materialien,   Dokumentation von Einsätzen inklusive  der Abrechnung von Einsätzen und Leistungen bis zur Beschaffung von kleinen Ersatzteilen oder  Großfahrzeugen. Daneben gilt es,     Personalakten zu führen, Lehrgänge anzumelden oder   Aufwandsentschädigungen abzurechnen.  Zu den Aufgaben gehören auch die Aus- und Fortbildungsplanung sowie die  Mitarbeit  bei Brandverhütungsschauen oder Stellungnahmen bei Baugenehmigungen.
 

Zahlen und Fakten

150 Aktive hat die Weiler Feuerwehr. Es gibt vier Abteilungen: Stadt, Haltingen, Märkt und Ötlingen, jeweils mit einem eigenen Kommandanten. Außerdem gibt es Spezialgruppen wie die Führungsgruppe, die Messgruppe oder die Wasserrettung. Dazu kommen  die Jugendwehr, die Altersmannschaft und der Spielmannszug. Drei Fachberater kümmern sich um die Bereiche Medizin, Seelsorge und Sport. Insgesamt verfügen die Wehrleute über 22 Fahrzeuge.

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