Wieden Die Allmendweiden erhalten

Die typische Wald-Wiesen-Struktur des oberen Wiesentals soll erhalten bleiben. Diesem Ziel dient auch das Projekt „Allmende 2.0“ des Biosphärengebiets Schwarzwald.Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Das Biosphären-Projekt „Allmende 2.0“, das Florian Brossette jüngst den Gemeinderäten in Wieden präsentierte und das neben der Umstellung auf rechtssichere Pachtverträge zwischen Gemeinden und Bewirtschaftern der gemeindeeigenen Grünflächen auch das Monitoring zur zyklischen Überwachung von Verbuschungen sowie der Nutzung von Allmendweiden auf dem Gebiet des GVV Schönau auf der Agenda hat, kam an bei den Zuhörern – zumindest beim größten Teil der Landwirte, die zu den 26 Betrieben auf Wiedens Gemarkung zählen.

Wieden (hjh). Alles soll künftig schriftlich geregelt und fixiert werden. Nach den „Ist-Analysen“ steht derzeit bis 2021 unter Mitwirkung der Landwirte, der Bürgermeister und der Gemeinderäte, von Verbänden, der Wissenschaft und der Behörden im Landkreis intensive Projektarbeit auf dem Biosphären-Programm, das ab dem Jahr 2022 umgesetzt werden soll.

Florian Brossette zeigte trotz einer langen Anreise von Hamburg keinerlei Ermüdungserscheinungen, als er die ihm zugebilligte Redezeit von 30 Minuten verdreifachte, um seine Ideen zu Konzepten und Strategien zu erläutern, die am Ende dazu dienen sollen, „die charakteristischen Allmendweiden erhalten zu können und den aktuell noch vorhandenen 120 Betrieben (1979 waren es noch 240), die überwiegend von Fördermitteln (1,7 Millionen Euro jährlich) leben, den Weg in eine einigermaßen gesicherte Zukunft und auch dem Nachwuchs eine Perspektive aufzuzeigen.

Denn ein Ergebnis der bisherigen Projektarbeit zeigt: „Die jetzigen Betriebsinhaber zeichnen sich durch ein hohes Durchschnittsalter aus.“ Da bestehe also Handlungsbedarf, wenn auch künftig die Offenhaltung der Landschaft garantiert werden soll. Mögliche Nachfolger erwarten unter anderem klare Vorgaben im Falle von Flächenweitergaben. Ein Muss auf dem Weg zu rechtssicheren Verträgen, nicht nur für die Verpächter, also die Kommunen, sondern auch zum Schutz der Pächter, die auf verlässliche Unterlagen und Dokumente bauen können.

Für manche aber ging die drohende Gängelei dann doch etwas zu weit. „Wir haben Auflagen und Vorschriften genug“, meinte ein Zuhörer, der im BLHV aktiv ist und sich gegen drohendes Unheil wehrte: „Wir brauchen niemanden, der uns vorschreibt, was wir zu tun und zu lassen haben. Wir wissen selbst, was gut für uns, für unsere Tiere und die Umwelt ist“, klagte der Mann, um dann einen Schuldigen wegen des Nachwuchsmangels in der Landwirtschaft auszumachen: „Wir haben viel zu viel Bürokratismus. Ganz klar: das schreckt die Jungen ab. Man muss sich also nicht wundern, warum immer mehr aufhören.“ Gerade jetzt wieder, „nach drei trockenen Sommern“, die gezeigt hätten: „Von den Behörden kommt in solchen Fällen kein Mensch, der uns hilft.“ Seine Klage verhallte, zumindest an diesem Abend im Kulturraum des Gemeindezentrums, in dem der so attackierte Florian Brossette meinte: „Das ist eine ganz andere Baustelle.“

Auf der „Baustelle“, die er an diesem Abend zu vertreten hatte, ist nun auf Vorschlag der Wiedener geplant, zwei Landwirte als Partner für praxisorientierte Musterverträge zu gewinnen, die dann – wenn sie sich bewähren sollten – auch bei allen anderen der in Frage kommenden Betriebe angewandt würden oder werden könnten.

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