Wittlingen Rückbesinnung auf alte fotografische Grundsätze

Bei der Vernissage: Der Künstler Winfried Maier (l.) stößt mit Markus Ernst von Weingut an. Foto: zVg

Wittlingen. Im Zuge der wechselnden Kunstausstellungen in der Weinstube des Weinguts Ernst in Wittlingen stellt der Künstler Winfried Maier aus Steinen zum dritten Mal aus. Unter dem Titel „Fotokunst im Weingut Ernst“ wurden seine Werke vor kurzem dem Vernissage-Publikum vorgestellt.

„Wir werden überflutet mit Aufnahmen unterschiedlichster Qualität und mit einem breiten Spektrum an Kameras, die alle technischen Bedürfnisse abdecken“, sagt der Künstler. Er findet deshalb, es sei an der Zeit innezuhalten, sich aus der Perfektionsspirale auszuklinken und wieder einige Grundsätze hervorzukramen, die seit den Anfängen der Fotografie Geltung haben: Motiv, Bildaufbau und Licht. Das seien die zentralen Elemente, welche die Seele eines Bildes ausmachen. „Um damit richtig arbeiten zu können, braucht es das Sehen – und zwar sowohl das äußere, mit dem wir Gegenstände, Licht und Farben wahrnehmen als auch das innere, das uns intuitiv Motive und die Möglichkeit, sie in Szene zu setzen, erkennen lässt“, sagt Maier.

Seine aktuelle Ausstellung setzt sich aus Werken mit unterschiedlichen Schwerpunkten unter Anwendung verschiedenen Techniken zusammen. Es gibt Fotografien mit dem Schwerpunkt Licht, etwa „Wattfotografien der Normandie“, ein „Sonnenuntergang in Istanbul“ oder die „Gondeln in Venedig“. Auch oder gerade graue, regnerische Tage bieten interessante Gestaltungsmöglichkeiten, wenn man sich fotografisch auf dieses Licht einlässt, wird betont.

Stilmittel der Verfremdung

Die Verfremdung von Motiv und Aufnahme schafft Illusionen. Maier zeigt dies anhand zweier Aufnahmen vom Taksim-Platz in Istanbul. Beide spiegeln Gebäude in einer gegenüberliegenden Glasfassade, wobei die Tauben vor der Fassade auf einer Stromleitung sitzen. Durch Umkehrung und Verfremdung der Farben entstanden daraus vier weitere Bilder.

Verschiedene Möglichkeiten, die Werke zu präsentieren, verändern ein aufs andere Mal den Blick auf das Bild. Die Drucke auf Leinwand und Textil zeigen wiederum andere Wirkungen. All diese Spiel-Möglichkeiten finden Eingang in die elektronischen Collagen oder – wie Maier sie nennt – fotografischen Gemälde.

Den vier großformatigen Werken ist gemein, dass sie sich mit einer tiefergehenden Sinnhaftigkeit beschäftigen und auch eine kritische Haltung zu aktuellen gesellschaftlichen Themen widerspiegeln.

Das Werk „Odysseus überbringt Kirke die Gaben des Meeres“ bildet den Blickfang dieser Ausstellung. Im vermeintlichen Chaos lenken Linien den Blick des Betrachters. Das Zentrum des Bildes liegt im Schnittpunkt der sich kreuzenden Diagonalen. Links unten steht Odysseus als kleiner Fischer, der ja bekanntlich doch den Verführungskünsten Kirkes erlag.

Die Schaffung dieses fotografischen Gemäldes war recht aufwendig, über einen Zeitraum von drei Monaten hatte der Künstler im Bearbeitungsprogramm 27 Ebenen offen, die er immer wieder justiert und verändert hat, bis die Komposition passte. Sämtliche Bestandteile dieser Collage wurden von ihm selbst an der ägäischen Küste fotografiert.

„Mutter Erde“ nimmt dagegen Bezug auf unsere Wurzeln – woher kommen wir, wohin gehen wir, was lassen wir zurück.

„Grenzen“ – ein Thema, aktueller denn je – heißt ein anderes Werk. Die Aufnahmen stammen meist von der Frontex-Mission, welche die EU-Außengrenze zwischen Griechenland und der Türkei abzuschotten hatte.

 Die Ausstellung in der Weinstube Ernst ist bis zum 29. Dezember immer mittwochs während der Öffnungszeiten oder nach Absprache zu besichtigen. Weitere Werke von Winfried Maier können nach Absprache im Atelier auf dem Schöpflin-Areal in Brombach angesehen werden.

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