Wittlingen Tempo 30 für weniger Lärm im Ort

Weiler Zeitung
Künftig Tempo 30 wegen Lärmschutz? In Wittlingen ist es auf der Kandertalstraße dort besonders laut, wo die alten Häuser dicht an der Straße stehen. Foto: Jutta Schütz

Könnte Eimeldingen das Vorbild für Wittlingen in Sachen Tempo 30 sein? Im Gemeinderat Wittlingen wurde der Lärmaktionsplan mit Lärmkarten von Alexander Colloseus vom Büro Fichtner Water & Transportation vorgestellt. Noch ist nichts beschlossen, denn der Plan muss noch in die Offenlage gehen. Aber mehrheitlich – es gab drei Gegenstimmen – stimmte das Ratsgremium dafür, Tempo 30 auf der Kandertalstraße und dazu auf der Haagener Straße anzugehen.

Von Jutta Schütz

Wittlingen. Colloseus stellte zunächst die Grundzüge des Lärmaktionsplans dar. Für die Kommunen hat sich bezüglich der Pläne die Rechtsprechung so geändert, dass nun Gemeinden nicht mehr nur eine Empfehlung aussprechen, sondern selbst entsprechend vorgegebener Rahmenbedingungen einen verbindlichen Plan aufstellen können. Beteiligt werden aber auch die Verkehrsbehörden, wenn eine Gemeinde eine Entscheidung getroffen hat.

Daten durch Berechnungen

Aktiv Lärm gemessen wurde im Ort nicht. „Die Daten für den Lärmaktionsplan werden mit Berechnungen erhoben, etwa was das tägliche Verkehrsaufkommen angeht“, informierte Colloseus. Das Verfahren habe Vorzüge, denn man könne so „für ganz Deutschland vergleichbare Werte ermitteln“. Berücksichtigt wird in den Berechnungen auch, wo es besonders laut ist, und wie und wohin sich der Schall ausbreitet sowie wie viele Bürger vom Lärm betroffen sind.

„In Wittlingen gibt es definitiv Handlungsbedarf auf der Kandertalstraße, insbesondere dort, wo die Bebauung mit den alten Häusern bis dicht an die Straße reicht. Der Lärm von Autos, Lastwagen, Motorrädern und Bussen fällt hier besonders auf“, erklärte Colloseus. Dies sei rund um den Bereich des ehemaligen Internats „Hirschen“ der Fall, bestätigte er. Auf der ebenfalls stark befahrenen Haagener Straße sieht es anders aus, denn dort ist die Bebauung eher aufgelockert beziehungsweise viele Häuser liegen zurückgesetzt von der Straße, was die Lärmschallwellen reduziert. Hier könnte die Durchsetzung von Tempo 30 aufgrund der genannten Rahmenbedingungen schwierig werden, stellte der Fachmann fest.

Minderung um 2,5 Dezibel

Anders liegt der Fall bei der Kandertalstraße. Würde man dort Tempo 30 einrichten, dann könnten der Lärm um 2,5 Dezibel reduziert werden. „Das hört sich wenig an, macht aber sehr viel aus. Um eine Vorstellung zu geben, sollte man wissen, dass bei einem Minus von drei Dezibel die Hälfte des bisherigen Lärms wegfällt“, konstatierte Colloseus.

Bürgermeister Michael Herr bestätigte, dass es aus der Bevölkerung einen gewissen Druck für die Einführung von Tempo 30 auf beiden Straßen gebe. Er würde es gerne mit beiden Straßen versuchen, meinte er. Auch einige Gemeinderäte verwiesen auf die Problematik des Lärms, nicht nur auf der Ortsdurchfahrt Kandertalstraße, sondern auch auf der Haagener Straße. „Bergauf wird Gas gegeben, bergab zu spät gebremst“, hieß es im Rat.

Andere Räte wie Simon Geiger störte der Autolärm nicht besonders, er sei daran gewöhnt, sagte er. Gerhard Wetzel konnte sich nicht mit Tempo 30 anfreunden, denn: „Ich glaube, dass mehr Stickstoff ausgestoßen wird und es eher lauter wird, wenn sich dann mehrere Autos in Schlange fortbewegen so wie in Eimeldingen“, verwies er auf möglichen Dauerlärm. Heike Wagner sah zumindest die Möglichkeit, dass sich „die Autos in Schlange durch den Ort schieben“, ähnlich.

Flüsterbelag zu teuer

Angemerkt wurde zudem, dass der schlechte Straßenzustand mit zum Durchfahrtslärm beitrage. „Einen sogenannten Flüsterbelag auf der Kreisstraße – das ist zwar eine effektive, aber sehr teure Maßnahme, das kommt sicherlich nicht“, ergänzte Herr, wobei er hier auch Rückendeckung von Colloseus erhielt.

Dietrich Hermann sah Tempo 30 positiv. Ohnehin sei die Hoffnung, dass sich mit einem allmählich höheren Anteil von Elektrofahrzeugen der Lärm reduziere, warf er ein. Wobei dann die auf die Schnelle nicht zu klärende Frage im Raum stand, ob man Tempo 30 für eine gewisse Anzahl von Jahren festlegen könnte, solange, bis viel mehr Elektrofahrzeuge unterwegs sind.

Dann aber war da noch das Argument für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer. „Diese ist bei Tempo 30 sicher höher, für Radfahrer – ich bin selbst einer – und auch Fußgänger im Ort, die an verschiedenen Stellen die beiden Straßen kreuzen“, argumentierte Hermann.

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