Zell im Wiesental Das lebenslange Lernen fördern

Peter Kiefer, Vorsitzender der Seniorenakademie, der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel und Zells Bürgermeister Peter Palme (von links) freuen sich über das neue Bildungsangebot in der Region. Fotos: Peter Schwendele Foto: Markgräfler Tagblatt

Die Seniorenakademie Hochrhein-Wiesental mit Sitz in Zell hat offiziell ihren Betrieb aufgenommen – mit dem ausgewiesenen Ziel, lebenslanges Lernen in der Region zu fördern und zu ermöglichen. Und für die Eröffnungsveranstaltung am Dienstagabend hätte man sich wohl kaum einen passenderen Festredner vorstellen können als den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel.

Von Peter Schwendele

Zell. Denn Teufel, der erst vor wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag feiern konnte, symbolisiert den Ansatz der Seniorenakademie perfekt, hat er doch nicht nur nach der Beendigung seiner politischen Karriere 2005 ein Philosophiestudium begonnen, sondern ist auch im hohen Alter noch geistig sehr rege und gesellschaftspolitisch stark interessiert.

So spiegelte sich in der Person Teufels der Slogan der Seniorenakademie Hochrhein-Wiesental „Weiter wissen wollen, Wissen wirkt weiter“ wider, wie Geschäftsführerin Christine Zeller in ihren Ausführungen im gut besetzten Pfarrsaal darlegte. Der im April als gemeinnütziger Verein gegründeten Seniorenakademie gehe es darum, dass Menschen den dritten Lebensabschnitt aktiv gestalten können. Der Ansatz sei, dass fortgeschrittenes Alter viel an Erfahrung und nützlichem Wissen mit sich bringe, dass all dies aber durch Vermittlung von Expertenwissen erweitert und vertieft werden könne.

Zielgruppe 55+

Zeller legte die sechs Aspekte dar, auf denen das Programm der Seniorenakademie fußt: Lernen, Qualifizieren, Gestalten, Begegnen, Forschen und Weitergeben. Angeboten werden vor diesem Hintergrund Seminare, Vorträge und Exkursionen zu aktuellen Themen aus Gesellschaft und Politik. Zu finden sind zudem verschiedenste Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zum flexiblen Studium (mit dem Partner SRH-Fernhochschule). Nicht zuletzt geht es auch darum, Gestaltungs- und Orientierungsmöglichkeiten für die letzte Berufsphase bis zum Eintritt ins Rentenalter aufzuzeigen, wie Christine Zeller anhand der Zielgruppendefinierung „55+“ deutlich machte.

Die Seniorenakademie sei gleichzeitig weltoffen und regional verbunden, betonte die Geschäftsführerin. Man strebe keine Konkurrenz zu bestehenden Weiterbildungsinstitutionen an, sondern verstehe sich als Partner und Teil eines wachsenden Netzwerks. „Wir sind mitten im Prozess“, sagte Zeller und lud alle Interessierten im Wiesental und im Hochrheingebiet zur Mitgestaltung ein.

Ausdrücklich begrüßt wurde diese Initiative von Festredner Erwin Teufel, der den Gesichtspunkt der Solidarität in der Gesellschaft betonte. Der Mensch sei von Geburt an auf andere angewiesen und profitiere Zeit seines Lebens von der Wissensvermittlung durch Dritte. „Wir Älteren müssen uns revanchieren und den nächsten Generationen das nahe bringen, was wir vermittelt bekommen haben“, sagte der 80-Jährige und betonte, er sei zutiefst überzeugt vom Prinzip des lebenslangen Lernens und vom Wesen der Bildung als „vemitteltem Wissen“.

Dem Subsidiaritätsgedanken verpflichtet skizzierte der ehemalige Ministerpräsident die zukünftige Gesellschaftsordnung als ein Gebilde, das auch weiterhin von unten nach oben gedacht werden müsse. „Die Stadt, der Ort, das ist die allerwichtigste Ebene, auf der wir uns einbringen müssen“, meinte Teufel und beschwor die Bedeutung des Vereinslebens und die Unverzichtbarkeit des ehrenamtlichen Einsatzes für die Gemeinschaft.

In einer sich rapide wandelnden Zeit sei es wichtiger denn je, Erinnerungen an dunklere Phasen der deutschen Geschichte weiterzugeben, argumentierte Erwin Teufel und plädierte dafür, die positiven Entwicklungen der Nachkriegszeit weiterzuführen und sich nicht „auf dem Erreichten auszuruhen“.

Für seine Ausführungen bedankte sich der Vorsitzende der Seniorenakademie, Peter Kiefer, bei Erwin Teufel mit der Übergabe des ersten Akademiepasses, den der ehemalige Ministerpräsident auf Lebenszeit nutzen darf.

Kompetenz und Haltung

Den kooperativen Charakter des neuen Angebots unterstrich Professor Thomas Schempf von der SRH-Fernhochschule, die ebenfalls in Zell wirkt, seit hier vor über zwanzig Jahren von Peter Kiefer und Rudolf Rümmele das Institut für Krankenhaus- und Sozialmanagement (IKS) gegründet wurde. Bei den Angeboten für die Seniorenakademie gehe es nicht nur um reine Wissensvermittlung, betonte Schempf, sondern auch darum, Kompetenzen und Haltungen weiterzugeben.

Zells Bürgermeister Peter Palme wünschte der neuen Bildungseinrichtung stetiges Wachsen und freute sich, dass der „traditionellen Schulstadt Zell“ ein weiterer wichtiger Baustein der Wissensvermittlung hinzugefügt wird.

Alexander Willi, Dezernent im Landratsamt Lörrach, brachte seinen Respekt für die ambitionierten Ziele der Seniorenakademie zum Ausdruck: „Genau das brauchen wir heute, es wäre schade, wenn wir den Wissensschatz Älterer einfach brach liegen lassen würden.“

Die Veranstaltung im Zeller Pfarrsaal wurde von dem Quintett „Hot Sax Circle“ musikalisch umrahmt.

Das Jahresprogramm 2019/ 2020 der Seniorenakademie ist bereits fertiggestellt. Die Angebote der Seniorenakademie Hochrhein-Wiesental sind offen für alle, unabhängig von Alter oder Vorbildung. Zusätzlich wird für alle Personen ab dem 55. Lebensjahr ein Akademiepass angeboten (72 Euro pro Person), der zur gebührenfreien Teilnahme am Akademieclub und an Vorträgen der Akademie berechtigt. Auf die übrigen Veranstaltungen werden Rabatte gewährt.

Kontakt und weitere Informationen: Constanze Weber-Gasse 1, Zell, Tel. 07625/9188371, E-Mail: info@seniorenakademie-hw.de, Homepage: www.seniorenakademie-hw.de.

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