Zell im Wiesental Vereinstrip durchs südliche Brasilien

Wohlbehalten und mit vielen Eindrücken versehen ist der Fanfarenzug Zell von seiner knapp zweiwöchigen Brasilienreise zurückgekehrt. Der Übersee-Trip hat den Zusammenhalt im Verein nachdrücklich gefördert, wie Vorsitzender Frank Hutschenreuter berichtet.

Von Peter Schwendele

Zell. Alle sieben bis acht Jahre unternimmt der Fanfarenzug Zell eine längere Reise, zuletzt war man in der anderen Richtung der Welt unterwegs und besuchte China; einige Jahre zuvor war man in den USA. Die gemeinsamen Touren haben für Hutschenreuter eine ganz eigene Qualität: „Das ist erlebnistechnisch etwas Besonderes.“ Die Vereinsreise biete ganz andere Aktionsmöglichkeiten als ein Einzelurlaub und man „erlebt Sachen, die man sich in zwanzig Jahren noch erzählt.“

Die Vorbereitungen laufen über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren. Dies sei auch notwendig, um den finanziellen Hintergrund bewerkstelligen zu können. Denn ein Vereinsmitglied habe für den Brasilientrip knapp 2500 Euro investieren müssen. Viel Geld, das aber in Hutschenreuters Augen gut angelegt ist. Einen Zwang, an den Trips teilzunehmen, gibt es gleichwohl im Verein nicht. „Das ist jedem selbst überlassen“, betont der Vorsitzende.

Auf den Weg nach Brasilien machten sich Ende Oktober 44 Teilnehmer. Neben den Fanfarenzüglern war auch die Dudelsackspielerin Christine Keller aus Basel mit dabei, die die Zeller bei ihren vier Auftritten unterstützte. Die Musiker ließen es sich wie in der Vergangenheit nicht nehmen, ihre Klänge unter die Einheimischen zu streuen. Insgesamt vier Auftritte mit einem Programm von etwa eineinhalb Stunden wurden in Übersee absolviert. Es waren keine riesengroßen Auftritte wie etwa in China, wo der Fanfarenzug teilweise vor 10 000 Menschen spielte, „alles war mit 100 bis 200 Leuten kleiner und kuschliger“, so Hutschenreuter.

Bei den Auftritten wurden auch Zeller Fasnachtsmasken gezeigt, was bei vielen Menschen „der Eisbrecher“ war, wie Frank Hutschenreuter meint. Auch der Fußball - speziell das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien im Halbfinale der WM 2014 - habe immer wieder eine Rolle gespielt.

Die Reiseroute der Fanfarenzügler zog sich - geplant von einer speziellen Reiseagentur - durch den südlichen Teil von Brasilien. Die Landung des Fliegers war in Sao Paulo, Startpunkt der Reise war Foz do Iguacu. Dort standen die Zeller staunend und mit offenen Mündern vor den Iguassu-Wasserfällen, die laut Frank Hutschenreuter ihren Namen - übersetzt: Großes Wasser - absolut zu Recht tragen: „Das sind gigantische Urgewalten, das muss man gesehen haben.“

Die Fälle, die zum Weltnaturerbe der Unesco gehören, liegen teils auf brasilianischem, teils auf argentinischen Territorium. Nicht ganz glatt lief laut Hutschenreuter am zweiten Tag ein spontaner Auftritt der Fanfarenzügler, denn der nicht angemeldete musikalische Exkurs führte zu einer kurzfristigen Verhaftung des brasilianischen Führers der Gruppe durch argentinische Parkwächter.

Im weiteren Verlauf der Reise interessierten sich die Zeller insbesondere auch für die deutschen Auswanderer, von denen die ersten vor fast 200 Jahren in Brasilien ein neues Leben begannen. Zwar hat es nicht geklappt mit einem Auftritt beim weltweit zweitgrößten Oktoberfest in der Stadt Blumenau, doch gab es „viele tolle Begegnungen mit durchweg sympathischen Menschen“, so Frank Hutschenreuter, der sich begeistert zeigte, was die deutschen Einwanderer in Brasilien aufgebaut haben.

Im Süden des Landes, das der Fanfarenzug besuchte, liegen die drei reichsten Bundesstaaten, in denen Industrie und Landwirtschaft einen ordentlichen Lebensstandard garantieren, und das, obwohl überall mit Korruption zu rechnen sei, berichtet der Fanfarenzug-Chef. Landschaftlich habe man bei dem Trip, zu dem auch lange Busfahrten gehörten, ein breites Spektrum erlebt. Teilweise sah es fast so aus wie im Schwarzwald, bald darauf befand man sich wieder in subtropischem Klima.

Abschluss und Höhepunkt der Reise war dann ein zweieinhalbtägiger Aufenthalt in Rio de Janeiro. Die Millionenstadt war laut Hutschenreuter „ein echtes Highlight“ und präsentierte sich in der Realität viel besser als ihr Ruf - auch wenn der Corcovado und die Christusstatue in Nebel gehüllt blieben.

Insgesamt war die Reise für alle Teilnehmer ein tolles Erlebnis, auch wenn es nicht unanstrengend war, in so kurzer Zeit ein so großes Land zu besuchen. „Bereut hat es sicher keiner“, meint jedenfalls Frank Hutschenreuter, der Chef des „Fanfaresch de Zell“.

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