Zell im Wiesental Wie Vögel auf den Baum stürzen

Verena Wehrle

Lutz P. Kayser aus Zell zieht nach drei Jahren Bilanz zu seinem Kurz-Essay-Film „Again and again“ über die Basler Starenschwärme.

Von Verena Wehrle

Zell. Nur 10,5 Minuten dauert der Film, den Lutz P. Kayser über die Basler Starenschwärme produziert hat, dafür bedeutet er aber einen immensen Aufwand – und einen enormen Erfolg: Der Kurzfilm wurde in 71 Festivals in über 40 Ländern angenommen und mit Preisen auf allen Kontinenten auszeichnet.

Zunächst freilich gab es viele Absagen, wie Kayser erzählt. Dann aber kam die Uraufführung am 7. Oktober 2019 in Oaxaca in Mexiko. „Das war toll“, erinnert sich der Zeller Filmemacher, der selbst vor Ort sein konnte. 7000 Filme wurden für das Festival eingereicht, 500 seien gezeigt worden. Hier mit dabei zu sein, sei eine große Anerkennung gewesen.

Der Schlafplatz musste bekannt sein

Im März 2019 ist der Film fertig geworden. Vorausgegangen war eine lange Zeit der Dokumentation der Basler Starenschwärme. Diese hatte Kayser bereits im Oktober 2017 erstmals gefilmt. „Ich dachte erst, sie bleiben nur für wenige Tage, doch dann sind sie einige Wochen geblieben“, erinnert er sich.

Um die Vögel zu filmen, musste er wissen, wo sie schlafen. Das Phänomen: Die Vögel verbringen den Tag in einem weiteren Umkreis und kommen erst nachts in der Gruppe zu ihrem Schlafbaum zusammen – als wären sie verabredet.

Doch wo kommen sie her? Vermutlich seien sie aus den Benelux-Ländern nach Basel geflogen. Auf ihrem hunderte Kilometer weiten Flug machen die Vögel in Basel Station – um dann weiter in die Wärme zu fliegen, vermutet Kayser.

Was ihn gereizt habe, sei die Ästhetik dieser Tiere. Wie eingeübt schienen die waghalsigen Figuren, die sie fliegen, dabei seien diese rein intuitiv. Um die Schwärme auch aus der Nähe zu zeigen, habe er viel Zeit auf den Balkonen der Anwohner des Schlafbaums verbracht, erzählt Kayser. Viele Aufnahmen sind auch im Wiesental und in Zell selbst entstanden.

Von einem Balkon in Frankreich im dritten Stock habe er zehn Minuten vor Sonnenuntergang eingefangen, wie die Vögel immer mehr werden, am Ende sei das Bild fast komplett schwarz vor Vögeln gewesen. Dann stürzten sie ganz plötzlich in den Baum und hielten Nachtruhe. Ein Moment, den der Filmemacher nicht verpassen durfte: Diese Szene aus sechs ungeschnittenen Minuten ist der Kern des Films.

Kaysers Anspruch: „Ich wollte nicht nur dokumentieren, sondern einen Kunstfilm daraus machen“, erzählt der Filmemacher und Fotograf. In den Zeitraffer-Aufnahmen sieht man ausschließlich Naturphänomene, die Starenschwärme gepaart mit Regenbogen, die rote Sonne oder den farbigen Himmel.

Preise auf allen Kontinenten bekommen

Faszination und Erfolg des mehrfach ausgezeichneten Films mache die Gesamt-Komposition des Filmes aus, erklärt Kayser. Dazu gehört auch die Musik, die die Steigerung vom langsamen Flug bis hin zur Hysterie unterstreiche und ideal zu den Bildern passe. Gesprochen hingegen wird im Film nur wenig. Zwei Mal lässt Kayser Anwohner zu Wort kommen, die nachts wegen dem Lärm der Vögel ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden.

Für Kayser selbst ist diese Produktion sein Meisterstück. „Ich hatte viel Geduld und Hartnäckigkeit für die Aufnahmen, und es ist mir gelungen, den Vögeln ein Denkmal zu setzen“, so der Filmemacher.

Vorerst kann der Film nicht weiter gezeigt werden. Nach drei Jahren sind die Musikrechte abgelaufen. Soll der Film weiterhin veröffentlich werden, müssten sie neu beantragt werden. Dies ist aktuell nicht geplant. Die Starenschwärme aber, die ihn so sehr faszinieren, dokumentiert Kayser weiterhin.

Zur Person: Lutz P. Kayser wohnt in Zell und machte 1994 seine ersten eigenen Filme, anschließend war er Fotograf bei der Deutschen Presseagentur und nahm 2017 wieder das Filmen auf. In Basel tauscht er sich mit anderen Filmemachern aus. Weitere Infos unter www.kayserfilm.com

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