Zell im Wiesental Zeller Fasnacht: „Do goht trotzdem öbbis“

In diesen traurigen Tagen muss der Hürus hinter den Gittern der Burg Altenstein bleiben. Zum Glück hat er einen Internet-Anschluss bekommen. Foto: Fotomontage: Uli Merkle

Zell - Der Wald um seine Burg ist inzwischen bunt gefärbt. Die dunklen Wolken lassen das Bunte allerdings nur in novembergrauen Tönen erscheinen. Kein Vieh ist mehr auf den grünbraunen Matten zu sehen. Vom Regen der letzten Tage stecken Nebelschwaden zwischen den Bäumen fest. Einige Nebelfetzen wabern aber bis hoch zu ihm auf seine Burg. Die Feuchtigkeit zieht langsam in das alte Mauerwerk ein. Es wird ungemütlich in der Burg Altenstein hoch über dem Angenbachtal.

„´S isch Ölfte Ölfte“, denkt der Hürus wehmütig vor sich hin. Heute wäre sein Tag gewesen. Heute noch würde er als neuer Hürus in die Zeller Stadthalle einmarschieren. Heute würde das Geheimnis um ihn gelüftet. Heute würden ihm die Zeller Fasnächtler zujubeln. Dann wäre ihm seine unwirtliche und zugige Burg ziemlich egal. Dann wäre er in Zell bei seinem Narrenvolk. Dann wäre Fasnacht. Dann würde die Sonne für ihn sowieso scheinen.

Er wendet sich ab, sieht die alte hölzerne Truhe im Eck stehen. Bis vor kurzem lag darin noch sein Zepter. Doch der Kanzler hat es vor ein paar Tagen geholt. Wohlwissend, dass es an dieser Fasnacht nicht gebraucht wird. Es gibt keinen Hürus an dieser Fasnacht. Das hat ihm der Präsident der Fastnachtsgesellschaft Zell schon vor Wochen gesagt. Da gibt`s kein Wenn und kein Aber.

Doch jetzt hockt er da oben in seiner feuchten, kühlen Burg und kann sich nicht vorstellen, wie das gehen soll. „Des goht doch nit?“ rätselt er vor sich hin. „Zell ohni Fasnacht? Des halte d` Zeller doch nit us?“

Er hat wohl keine andere Wahl, als in seiner Burg zu bleiben. Er sieht`s ja ein. Die Schrätteli haben ihn schon mit Brennholz versorgt, der Kiefer Franz hat seinen Keller mit Getränken aufgefüllt und die Zeller Wirte karren ihm täglich Leckeres zum Essen herauf. Der Schneider Bernd hat ihm, als seine letzte Amtshandlung im FGZ-Präsidium, noch einen Internet-Anschluss verlegt. Er wird die Zeit bis Aschermittwoch vermutlich überstehen. Wohl oder übel überstehen müssen. Vielleicht kann er in einem Jahr runter nach Zell und den Zellern ein würdiger Fasnachtsregent sein.

Wieder schweift sein Blick über das Angenbachtal, das trostlos und still unter bleiernen Regenwolken widerstandslos verharrt. Aber irgendwo vorne über Zell sieht es aus, als ob die Sonne die Wolken beiseiteschieben würde und einzelne Sonnenstrahlen aufs Narrenstädtli fallen. Nur Einbildung? Oder geht da doch noch was Fasnächtliches ab? Schön wär`s. Aber was? Wieso hat er eigentlich den Internet-Anschluss von der FGZ bekommen?

Vielleicht machen die Zeller Fasnächtler irgendwas im Internet? Digital oder virtuell oder wie das immer heißt? Er wird heute Vormittag Punkt 11.11 Uhr auf jeden Fall seinen Computer einschalten und auf die Webseite der Fastnachtsgesellschaft Zell gehen. „I friss e Bese, wenn do nüt abgoht!“, ruft er noch.

Schon aber ist er auf der steilen Steintreppe hoch zum Turm. Er will die Hürusfahne hissen. Jeder soll sehen: „Holadio d`Fasnacht isch do!“ Sein „Ta-Hü“-Ruf verhallt allerdings ungehört. Wer soll`s auch hören? Die Rindviecher im Hinterhag sind ja schon längst in ihren trockenen Ställen.

Der Hürus hat wohl den richtigen Riecher. Jawoll, da geht was ab heute. Die Zeller Fasnächtler machen das Beste aus der vertrackten Situation. Machen Sie es wie der Hürus: Besuchen Sie die Website der Fastnachtsgesellschaft Zell. Ab 11.11 Uhr erwarten Sie dort fasnächtliche Überraschungen: www.zeller-fasnacht.de Der unten stehende QR-Code bringt Sie direkt auf diese Seite.

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