Basel Fasnacht: Basler trotzen dem Morgestraich-Verbot

Michael Werndorff/sda

Basel - In Basel haben sich am frühen Montagmorgen trotz der Coronavirus-bedingten Absage des Morgestraichs mehrere Hundert Menschen in die Innenstadt begeben. Nur Einzelne trugen jedoch ein Fasnachtskostüm.

Zahlreiche Menschen – viele von ihnen mit Kerzen – trafen sich auf dem Marktplatz, wie ein Reporter von Keystone-SDA vor Ort beobachtete. Als das Rathaus-Glöcklein vier Uhr schlug, setzte ein Gejohle ein. In normalen Jahren beginnt exakt um diese Uhrzeit mit dem Morgestraich die Basler Fasnacht, die dieses Jahr wegen des neuartigen Coronavirus abgesagt wurde (wir berichteten).

Zu sehen waren vor dem Rathaus auch zwei Fasnächtler mit Steckenlaternen. Die Polizei zeigte in Innenstadt Präsenz, schritt jedoch nicht ein. Ein Polizeifahrzeug folgte gar einem sogenannten „Schyssdräggziigli“ aus drei Trommlern und einem Pfeifer, das musizierend vor dem Spiegelhof vorbeizog, dem Sitz der Basler Polizei.

Cliquen treffen sich

Vor dem abgesagten Morgestraich hatten sich in Basel am Sonntag zahlreiche Cliquen getroffen – und zwar nicht zum traditionellen Einpfeifen, sondern zu einem Eintrinken. Nur vereinzelte Gruppierungen zeigten dabei ihre Laternen, die sie eigentlich am Morgestraich hätten präsentieren wollen.

Am Freitag hatte der Bundesrat sämtliche Veranstaltungen ab 1000 Personen vorerst bis zum 15. März verboten, betroffen ist davon auch die Basler Fasnacht.

Nicht an das bundesrätliche Verbot und weitere behördliche Anordnungen gehalten hatten sich am Sonntag Fasnächtler im Kanton Baselland. Der Baselbieter Polizeikommandant Mark Burkhard berichtete, dass der Dialog mit den Fasnächtlern nichts gebracht habe. In der Folge erließ die Regierung des Landkantons für die Beizen in Liestal und in Sissach ein Ausschankverbot, das von Sonntag, 19 Uhr, bis Montag, 6 Uhr, früh galt.

Veranstaltungen abgesagt

Neben dem Morgestraich sind in Basel sämtliche weiteren Fasnachtsveranstaltungen abgesagt. Auch die beliebten Schnitzelbänkler dürfen nicht auftreten. Das Verbot betrifft auch die beiden Umzüge von Montag- und Mittwochnachmittag. Dennoch fanden sich gestern Mittag am Markt- und Claraplatz Fasnächtler, Kostümierte und Schaulustige ein, um dem Verbot zu trotzen. Auf Motivwagen und Laternen warteten die Passanten indes vergebens.

„Wir lassen uns die Fasnacht nicht verderben und feiern trotzdem“, sagte ein Cliquenmitglied im Gespräch mit unserer Zeitung, das nicht genannt werden wollte. Die Absage sei maßlos übertrieben, monierte er.

Polizei hielt sich zurück

André Auderset, Großrat und Basler Fasnächtler, erklärte: „Auf Bundesebene ist der Entscheid nachvollziehbar, auf lokaler Ebene hätte man zumindest eine Art Ventilwirkung offenhalten können“, verwies er auf Veranstaltungen in Beizen mit einer überschaubaren Teilnehmergröße. Und auch das „Gässeln“, hätte man ruhig erlauben können. „Die Aktiven werden jetzt das Beste aus der abgesagten Fasnacht 2020 machen.“ Gefreut habe er sich, dass sich die Basler Polizei zurückhielt. Bußen gab es keine, wie das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt später mitteilte.

Petition gestartet

Mit der Absage der Basler Fasnacht machten sich Wut, Trauer und Enttäuschung breit. Die Frage nach einer Verschiebung der drei tollen Tage konnte zwar im Rahmen der Medienkonferenz am Freitag nicht beantwortet werden, Hoffnung keimt dennoch auf: In Basel wurde am Wochenende eine Online-Petition auf den Weg gebracht, die verlangt, dass die Fasnacht 2020 nachgeholt wird.

„Die Basler Fasnacht 2020 wurde wegen der Gefahr durch das neuartige Corona-Virus aus verständlichen Gründen abgesagt. Viele Cliquen und Guggen haben sehr viel Arbeit und Herzblut in die Vorbereitungen gesteckt. Wie bereits vor 100 Jahren wegen der Spanischen Grippe geschehen, fordern wir eine Verschiebung der Basler Fasnacht!“, schreiben die Initiatoren. Bis gestern Mittag kamen bereits mehr als 8500 Unterschriften zusammen.

Derweil prüft das Basler Fasnachtscomité zahlreiche eingehende Vorschläge, wie denn zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel am dritten Bummelsonntag, die Fasnacht nachgeholt werden kann – ­vorausgesetzt Bundesbern verlängert nicht das bis zum 15. März geltende Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern.

Orangen werden gespendet

Und was jetzt mit den vielen Orangen und Mimosen geschieht, die sonst immer an der Fasnacht verteilt werden? Diese sollen gespendet werden. Die „Schweizer Tafel Region Basel“ hat im Internet angekündigt, damit Bedürftige beliefern zu wollen. Weitere Fasnachtscliquen suchen Abnehmer für das sogenannte Wurfmaterial.

So verteilten die „Rhybord Rueche“ in der Freien Straße Orangen und Mimosen an Passanten, ebenso waren die „Ammedysli“ unterwegs und brachten ihre Momosen unter die Basler. Die 400 Kilogramm Orangen der „Räpplifrässer“ gehen zum Beispiel an das Basler Unispital.

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