Bauernprotest in Lörrach Landwirte wollen besser demonstrieren – auch gegen Rechts

Jutta Schütz
Die Kundgebung von Sonntag sorgt bei führenden Landwirten für große Verärgerung. Foto: Marco Fraune

In Lörrach soll es am Samstag, 27. Januar, eine weitere Kundgebung geben. Es soll um Anliegen der Landwirtschaft, für die Demokratie und gegen rechte Gruppierungen und Parteien Position bezogen werden.

Sich wehren und deutlich gegen Rechts Stellung beziehen: Der Steinobsttag in Blansingen bot Heinz Kaufmann, Vorsitzender des BLHV Lörrach, und Max Hagin, Kreisvorsitzender des Obst- und Gartenbauverbands, gleich ein größeres Forum, um zu Verschwörungstheorien und Rednern vom rechten Rand bei der Kundgebung mit Landwirten in Lörrach vom vergangenen Sonntag Stellung zu nehmen.

„Das, was Sonntag gelaufen ist, hat uns enorm geschadet und vieles zunichte gemacht, was wir an Sympathien gewonnen hatten – das lassen wir nicht auf uns sitzen“, zeigten sich beide Landwirte entschlossen, mit der Kundgebung am Samstag, 27. Januar, klare Kante zu zeigen. „Bisher ist es uns gelungen, die Unterwanderung der Landwirte-Proteste durch rechtes Gedankengut zu verhindern. Und jetzt so etwas, wie in Lörrach am Samstag – wir können uns nur entschieden distanzieren“, unterstrich Kaufmann.

Trotzdem geklatscht

Die Kundgebung in Lörrach war durch Edmund Schwald, Christian Wassmer und Sven Geiger organisiert worden. Unter anderem sollte auf die Wettbewerbsverzerrung auf dem Agrarmarkt in Europa aufmerksam gemacht werden. Unter die Demonstranten mischten sich aber auch AfD-Mitglieder und AfD-Anhänger sowie Querdenker und Verschwörungstheoretiker. So sorgte Redner Ingo Kohler unter anderem dafür, dass zu landwirtschaftlich wichtigen Themen fast nichts mehr gesagt wurde, sondern dass die Kundgebung „entglitt“, schilderte Hagin. Wie berichtet, wurden angeblich gesteuerte Medien kritisiert, auch der Impfzwang kam zur Sprache.

„Dass die AfD genauso wie andere Parteien im Bundestag im Finanzausschuss den Kürzungen zugestimmt hatte und zudem einen kompletten Subventionsabbau im Parteiprogramm stehen hat, das haben anscheinend viele Unterstützer der Rechten und leider auch einige Landwirte noch immer nicht gerafft“, regte sich Hagin auf. „Schlimm war, dass nicht nur einige Redner am Mikrofon kompletten Unsinn verbreiteten, sondern dass ich dann gemerkt habe, dass Leute sich unterhielten und sagten ‚Für den Mist bin ich nicht hergekommen‘ – und dann trotzdem klatschten, weil drumherum geklatscht wurde“, ärgerte sich Kaufmann.

„Schnitt ins eigene Fleisch“

Hagin und Kaufmann forderten die Anwesenden in der Halle auf, bei solchen Reden den Rednern „den Rücken zuzuwenden und zu gehen“. Man habe sich am Samstag überlegt, auf die Bühne zu gehen und Rednern wie Kohler „reinzugrätschen“, schilderte Kaufmann. Sowohl Hagin und er befürchteten aber, dass die Kundgebung dann hätte aus dem Ruder laufen können.

„Diese Kundgebung war ein Schnitt ins eigene Fleisch. Das rückt uns wieder aus der Gesellschaft raus. Das Negative bleibt immer hängen“, gab Hagin zu bedenken. „Das, was da gelaufen ist, ist eine Katastrophe für uns, so kann man keinen politischen Diskurs führen, da blamieren wir unseren Berufsstand“, bedauerte Kaufmann außerordentlich.

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