Kreis Lörrach Langsame Rückkehr zur Normalität

Mit der Corona-Pandemie wurden planbare Operationen in den Kreiskliniken verschoben. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - Die Corona-Pandemie hat die Kreiskliniken vor große Herausforderungen gestellt. So wurde Mitte März der reguläre Krankenhausbetrieb heruntergefahren und das Lörracher Klinikum zum Corona-Standort erklärt. Das führt zu finanziellen Einbußen, wie in der jüngsten Sitzung des Kreistags zu erfahren war.

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Mit der Corona-Pandemie wurden planbare Operationen verschoben und OP-Kontingente entsprechend der Dringlichkeitsskala verringert, erklärte Klinikenchef Armin Müller. Ambulante Sprechstunden und Therapien seien bis auf Weiteres, wo möglich, abgesagt worden. Darüber hinaus wurde ein Corona-Krisenstab eingerichtet und gemeinsam mit dem Landkreis ein Konzept erarbeitet. Bei der Belegschaft wurden Überstunden auf der einen, Minusstunden auf der anderen aufgebaut, führte Müller aus.

Zwei Isolierstationen

Im Rahmen des Konzepts wurden zwei Isolierstationen eingerichtet mit insgesamt 56 Betten und zur Verringerung des Infektionsrisikos zudem Zwölf-Stunden-Schichten eingeführt. Um die teilweise hohe Zahl an Covid-19-Patienten versorgen zu können, haben die Kreiskliniken die Intensivstation geteilt und deren Kapazität um 20 Betten erweitert, wovon 15 Betten Beatmungsplätze sind. Zudem wurden für ein Worst-Case-Szenario Erweiterungsmöglichkeiten für 23 bis maximal 40 Beatmungsplätze geschaffen, was wiederum 30 mögliche zusätzliche Intensivplätze bedeutet.

Die Kliniken haben auf der Intensivstation eine 1 zu 1-Betreuung ermöglicht, Mitarbeiter an den Standorten versetzt und medizinisches Personal im Ruhestand reaktiviert. Weitere Maßnahmen sahen ein mittlerweile gelockertes Besuchsverbot zum Schutz der Patienten vor, darüber hinaus wurde eine Maskenpflicht für Mitarbeiter und Patienten eingeführt und die Cafeterien für externe Besucher geschlossen.

Außerdem wurde die Notfallsprechstunde der Kassenärztlichen Vereinigung in das Gebäude in der Riesstraße verlegt.

Kritik an Entlastungsgesetz

Die Corona-Pandemie bleibt nicht ohne finanzielle Folgen für die Krankenhauslandschaft. Vor dem Hintergrund des Krankenhausentlastungsgesetzes monierte Müller, dass die tagesbezogene Ausgleichspauschale in Höhe von 560 Euro aus seiner Sicht nicht ausreiche. So werde ein nicht beatmungspflichtiger Covid-19-Patient geringer vergütet als die Ausgleichspauschale.

Daneben führe die Mehrkostenpauschale für Schutzausrüstung mit 50 Euro pro Fall zu einem monatlichen Defizit von rund 150 000 Euro. Weiter entspreche der Intensivzuschuss in Höhe von 50 000 Euro nicht der Realität. Wie Müller erklärte, komme es zu einer Lücke von 30 000 Euro. Kritisch sah er auch die Anfragen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK).

Zwar sei der Pflegeentgeltwert um etwa 40 Euro erhöht worden, die Kreiskliniken profitierten wegen der geringen Fallzahl aber nicht davon. Dagegen hätte es den Kliniken bisher sehr geholfen, dass Rechnungen durch die Krankenkassen innerhalb von fünf Tagen beglichen würden.

Normalbetrieb

„Der Weg zurück in eine neue Normalität ist lang“, erklärte der Klinikenchef. Seit 11. Mai habe man mit der Rückkehr zum „normalen“ Krankenhausbetrieb begonnen, der Weg sei komplex. Es gebe Corona-Patienten, für die man nach wie vor Gewehr bei Fuß stehen müsse. Eine Vollauslastung der Betten sei daher nicht möglich, auch sei eine Trennung von regulären Beatmungspatienten von Covid-19 Beatmungspatienten erforderlich, betonte Müller, der den Schutz von Patienten und Mitarbeitern als oberste Priorität beschrieb. Nun sei es erforderlich, sich auf eine mögliche zweite Infektionswelle vorzubereiten. „Wir müssen überlegen, was wir besser machen können.“

CDU-Fraktionschef Paul Renz lobte Kliniken und Landkreis für das Vorgehen und das Nutzen aller Spielräume. Nun komme es zu einer schrittweisen Normalisierung, die finanziellen Folgen der Pandemie würden den Landkreis aber lange begleiten. „Ich kann nur hoffen, dass ein Rettungsschirm aufgespannt wird, damit die Kommunen damit nicht alleine gelassen werden.“

Mehr zum Thema: Fördervereins-Forderung: "Normalbetrieb voll hochfahren"

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