Lörrach Es ist nicht hoffnungslos

 Foto: Kristoff Meller

Lörrach - Der Krisenstab im Lörracher Rathaus arbeitet reibungslos zusammen und hat die Corona-Krisenlage in der Stadt im Griff, hieß es heute, Donnerstag, bei einer Medienorientierung.

Die Zahlen

In Lörrach gibt es derzeit 26 mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Bürger.   Im gesamten Landkreis hat sich die Zahl der bestätigten COVID-19-Infektionen seit gestern um zehn erhöht. Damit gibt es aktuell (26. März, 16:45) 163 bestätigte Fälle im Landkreis Lörrach.

Im Krankenhaus werden derzeit acht COVID-19 Patienten behandelt;drei davon intensivmedizinisch.

Rund 1850 negative Abstrichergebnisse liegen dem Gesundheitsamt zur Zeit vor.

Insgesamt sind mittlerweile 27 Personen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten, wieder gesund.

Der Krisenstab arbeitet reibungslos

Geradezu beschwingt begrüßte Oberbürgermeister Jörg Lutz – Abstand haltend – die Medienvertreter gestern im Rathaus, um über die aktuelle Lage in der Corona-Krise zu informieren. „Trotz aller Ernsthaftigkeit ist es gut und wichtig, optimistisch in die Zukunft zu blicken“, erklärte Lutz seine gute Laune. Dazu hatte er trotz der unverkennbaren Dramatik allen Grund.

Der Krisenstab im Rathaus arbeitet nach seinen Worten gut, und die Bürger halten sich nahezu alle an die vorgeschriebenen Regeln. Auch wenn laut Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic zahlreiche Beschäftigte der Verwaltung von zu Hause aus arbeiten, können die wichtigen Abteilungen wie Melde- oder Bestattungswesen gut aufrecht erhalten werden. Selbst auf eine Zunahme der Todesfälle sei man vorbereitet. „Wir waren früh dran und haben uns gut gewappnet“, zeigte sich die Bürgermeisterin zufrieden.

Höhepunkt könnte nach Ostern erreicht sein

Von Entwarnung kann laut Lutz allerdings keine Rede sein, „auch wenn es in der Stadt so scheint, als ob alles im Lot ist“. Doch das sei nicht so. Dass noch vor gut drei Wochen die Buurefasnacht mit 15 000 Besuchern in Hauingen gefeiert worden sei, und man heute nur noch zu zweit auf die Straße gehen dürfe, „zeigt, welcher Tsunami da über die Welt fegt“, sagte Lutz.

Der Oberbürgermeister rechnet damit, dass die Zahl der Infektionen im Landkreis Lörrach und auch in der Stadt weiter nach oben gehen werden, der Höhepunkt aber nach Ostern erreicht sein könnte. „Danach gibt es berechtigte Hoffnung, dass das Virus eingedämmt ist und wir Schritt für Schritt unsere Einrichtungen wieder öffnen können.“

Die Schäden für die Wirtschaft, für den Handel und auch für den städtischen Haushalt könne man erst danach beziffern. Für dieses Jahr rechnet Lutz mit einer um sieben bis zehn Prozent sinkenden Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Nach der Lehman-Pleite und der dadurch ausgelösten Finanzkrise habe das Minus bei 5,7 Prozent gelegen.

Bußgeld von 500 Euro pro Person und Fall

Dennoch könne man beim Blick zurück auch Zuversicht für die Zukunft schöpfen: „Nach der Finanzkrise kamen die zehn besten Jahre der Nachkriegszeit. Wir müssen also nicht in Hoffnungslosigkeit versinken“, zumal im nächsten Jahr fest mit einem Impfstoff zu rechnen sei.

Auf die lokalen Gegebenheiten eingehend, freute sich Lutz darüber, dass „98 bis 99 Prozent der Bevölkerung die Regeln befolgen und Rücksicht genommen wird“. Allerdings gebe es immer noch Ignoranten. „Gegen diese werden wir unnachgiebig vorgehen“, betonte der Oberbürgermeister und erklärte die Konsequenzen: „Wer das Kontaktverbot von mehr als zwei Personen nicht beachtet, der muss ein Bußgeld von 500 Euro pro Person und Fall zahlen“. Auch über Ostern gebe es keine rechtsfreien Zonen in der Stadt.

Wie wichtig die Einhaltung von Abständen und die Befolgung der Kontaktverbote ist, wird an Zahlen deutlich. In Lörrach gibt es 26 mit dem Coronavirus infizierte Bürger (Stand Donnerstag). Allein am Mittwoch kamen sieben im Stadtgebiet dazu. Angesichts dieser Zahlen räumt Lutz ein, dass schon viel früher hätte reagiert werden müssen und die Mobilität zu spät lahmgelegt worden sei.

Hygieneauflagen im Handel werden eingehalten

Gut funktionieren laut Lutz die Hygieneauflagen im Einzelhandel. Dies gelte auch für ausländische Geschäfte. Lediglich mit zwei Kiosken gebe es noch Probleme. Falls das so bleibe, „schließen wir diese“. Lutz dankt allen, die in Geschäften und in anderen Einrichtungen zwangsläufig mit Menschen in Kontakt treten müssen, um das unbedingt notwendige öffentliche Leben aufrecht zu erhalten.

Folgen für den Haushalt werden immens sein

Beim Blick auf die finanzielle Lage der Stadt machte er deutlich: „Die Folgen werden immens sein“. Ohne dies genau beziffern zu wollen, summieren sich die Verluste durch den Verzicht auf Beiträge für die Kinderbetreuung (siehe gesonderten Artikel), die Ausfälle bei Vergnügungs-, Einkommens- und Gewerbesteuer auf einen Betrag von mehreren Millionen Euro. Eine Haushaltssperre sei wohl unausweichlich.

Andererseits dürfe die öffentliche Hand auch nicht alle Projekte stoppen, um die Wirtschaft nicht vollends abzuwürgen. Lutz appellierte schon einmal vorsorglich, „dass der Bund und das Land die Kommunen nicht vergessen“. Er sieht es ähnlich wie der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz, der einen Marshall-Plan für die Kommunen gefordert hat.

Die Wochenmärkte will Jörg Lutz weiter betreiben, obwohl in der Anfangsphase noch Defizite feststellbar gewesen seien. Lutz appelliert dringend, den Wochenmarkt lediglich zum Einkauf und nicht zum Schwätzchen und als Treffpunkt zu nutzen. „Da sind auch ältere Menschen bisweilen uneinsichtig“, betonte er.

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