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Lörrach „Kein Revoluzzer, aber ein Aufklärer“

Adrian Steineck
Die Statue des Schriftstellers und Theologen Johann Peter Hebel (1760 bis 1826) steht im Hebelpark. Auch in Basel, wo Hebel geboren wurde, gibt es auf dem Peterskirchplatz ein Denkmal. Foto: Kristoff Meller

Der Präsident des Hebelbunds Lörrach, Volker Habermaier, plädiert dafür, den Schriftsteller Johann Peter Hebel in seiner Gesamtheit zu betrachten.

Herr Habermaier, ganz allgemein gefragt: Was tut der Hebelbund, um Hebel im Gedächtnis zu halten?

Dies geschieht vor allem durch unsere öffentlichen Veranstaltungen. Als Nächstes steht am Sonntag, 14. April, unter dem Titel „Alemannisch am Rhy entlang“ eine Lesung mit verschiedenen Autoren in heimischer Mundart an. Das Schatzkästlein wird dann am Sonntag darauf, 21. April, verliehen (siehe nebenstehender Artikel). Am 21. Juli stellt Thomas Weiß sein Buch „Frauen um Hebel“ vor. Unsere Veranstaltungen finden in der Regel im Dreiländermuseum statt, das unser Kooperationspartner ist und mit dem wir sehr gut zusammenarbeiten.

Hebel ist hier in der Region vor allem für seine alemannischen Gedichte bekannt, die oftmals als geflügelte Worte in den Sprachschatz eingegangen sind. Wird diese Reduzierung Hebel gerecht?

Es stimmt schon: Hierzulande wird er als Autor gerne auf die alemannischen Gedichte reduziert. Aber es sind die standarddeutschen Geschichten, mit denen Hebel weltweit bekannt wurde. Schriftsteller wie Franz Kafka oder der Philosoph Ernst Bloch, die natürlich kein Alemannisch sprachen, schätzten Hebel sehr. Ein zeitgenössischer Schriftsteller, der aus seiner Bewunderung für Hebel nie ein Hehl gemacht hat, ist etwa Arnold Stadler.

Es geht uns um den ganzen Hebel, um die Zeit, in der er lebte, und um sein Umfeld. Hebel war nicht zuletzt auch ein Pädagoge und Lehrer, der nicht der damals weit verbreiteten „schwarzen Pädagogik“ das Wort redete. Erziehung durch Prügel lehnte er deutlich ab, da gibt es in seinen Geschichten viele Beispiele. Hebel ist mehr als etwa: „Ne Trunk in Ehre/wer will’s verwehre?“

Sie sprechen seine Geschichten an. In diesen geht es mitunter derart grausam zu, dass man sich als Leser fragt, ob man sich in eine der Schauergeschichten von Hebels Zeitgenossen E.T.A. Hoffmann verirrt hat. So gibt es etwa eine Kalendergeschichte, in der ein Metzger von einem Bauernpaar erschlagen und ein Kind, das den Mord beobachtet hat, zu Tode verbrüht wird. Wie passt das zum Bild des vermeintlich biederen Heimatdichters Hebel?

Johann Peter Hebel war Vieles, aber bieder war er auf gar keinen Fall. Hebel lebte nicht in einer Zeit des Kuschelns. Er schilderte die Grausamkeit seiner Zeit als genauer Beobachter. Aber Brutalität gerät bei ihm nie zum Selbstzweck, sondern es folgt am Ende stets eine Moral. In der von Ihnen beschriebenen Geschichte etwa wird das mörderische Bauernpaar am Ende hingerichtet, und die Raben sagen: „Das Fleisch schmeckt gut.“ Natürlich darf man da von Hebel auch nicht zu viel verlangen. Von einer Rechtssprechung der Resozialisierung, wie es sie in Deutschland im Übrigen erst seit den 1970er-Jahren gibt, war er weit entfernt. Aber er hatte stets einen menschenfreundlichen Blick: Die Welt ist nicht böse, aber es gibt in ihr das Böse.

Wie lässt sich Hebel aus heutiger Sicht beschreiben?

Er war bestimmt kein Revoluzzer, aber man kann ihn als „andächtigen Aufklärer“ bezeichnen. Er verstand sich als Volksaufklärer, der eine allgemein verständliche Sprache wählte. Darum lesen bis heute sowohl Kinder als auch Erwachsene seine Geschichten. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa den damaligen Wissensstand zum Weltall, vermittelte Hebel auf allgemein verständliche Art und Weise.

Weitere Informationen zum Hebelbund Lörrach und dessen Veranstaltungen gibt es im Internet unter www.hebelbund.de.

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