Lörrach Zwischen Hoffen und Bangen

So trist sieht die Innenstadt in diesen Tagen aus. Wie lange noch, weiß derzeit niemand so genau. Foto: Kristoff Meller

Lörrach - Über die aktuelle Situation des regionalen Einzelhandels hat der Pro Lörrach- Vorsitzende Hans-Werner Breuer online mit Akteuren aus der Politik diskutiert. Diese sehen die Nöte des Handels und betonen die Notwendigkeit effektiver Hilfen. Klar sei aber auch: Eine dritte Corona-Welle müsse vermieden werden. Unbedingt.

Leere Stadtzentren, zutiefst besorgte Händler, wieder und wieder verlängerte Lockdown-Szenarien. Das zermürbt die Menschen – insbesondere Unternehmer, deren wirtschaftliche Existenz von einer funktionierenden Innenstadt abhängt.

Bei Breuer war Dampf im Kessel, das war zum Auftakt der Debatte mit den Bundestagsabgeordneten Gerhard Zickenheiner (Grüne) und Christian Natterer (CDU), dem Landtagsabgeordneten Josha Frey (Grüne), Landtagskandidat Jonas Hoffmann (SPD) sowie Oberbürgermeister Jörg Lutz deutlich zu spüren. Er kam direkt zur Sache: „Wann dürfen wir Einzelhändler die Geschäfte wieder öffnen?“

Eine klare Frage, auf die es gegenwärtig keine klare Antwort geben kann, so die Politiker unisono. Noch seien die Inzidenzwerte zu hoch, noch sei unklar, wie sich das Infektionsgeschehen mit den neuen, mutierten Viren entwickeln wird.

Breuer verwies auf die hohen Kosten, die der Lockdown verursache. Der Handel benötige dringend eine Perspektive, denn: „Wir werden dieses Virus nicht mehr los.“ Schon für diesen Sommer seien Leerstände zu erwarten.

Zickenheiner betonte gleichwohl, dass hier nur eine gesamtgesellschaftliche Sicht der Dinge Sinn ergebe, bei welcher der Schutz von Menschenleben im Zentrum stehe – bei allem Verständnis für den Handel. Frey bekräftigte dies. Die Fallzahlen seien für eine Öffnung des Handels einfach viel zu hoch.

Auch die stets genannte 50er-Inzidenz müsse deutlich unterschritten werden, forderte Hoffmann, denn es habe sich gezeigt, dass die Gesundheitsämter bei dieser Infektionslage keineswegs in der Lage seien, die Kontakte verlässlich nachzuverfolgen. Hoffmann: „Wir müssen unter 20 – mindestens.“ Der SPD-Landtagskandidat argumentierte, dass dieses Virus zwei Mal unterschätzt worden sei: Sowohl zu Beginn der Pandemie als auch im Herbst: „Das Virus schließt keine Kompromisse.“ Es habe sich gezeigt, wie rasch „wir die Dinge nicht mehr im Griff haben“. Dies dürfe kein drittes Mal passieren.

Natterer, er rückte für Armin Schuster in den Bundestag nach, zeigte zunächst recht offensiv Verständnis für den Einzelhandel, ruderte dann aber wieder ein paar Schläge zurück: Der Handel sei – wahrscheinlich im Gegensatz zu Schulen, Kitas und Gastronomie – kein Infektionstreiber. Aus seiner Sicht könne am 15. Februar wieder geöffnet werden – mit geregelter Kundenzahl und FFP 2-Masken. Anderseits: Die dritte Welle müsse ohne Wenn und Aber vermieden werden, „sonst haben wir ein Riesen-Problem. Dann können wir uns wirtschaftlich einsargen lassen.“ Und, so Natterer: Bedauerlicherweise verhinderten Datenschutzgründe den effektiveren Einsatz einer Corona-App.

Lutz bestätigte die von Breuer beschriebene „dramatische Situation“ des Einzelhandels und forderte ebenfalls, dass diesem „besser und effektiver geholfen wird.“ Aber, so Lutz in ungewohnt drastischer Ausdrucksweise – die Wissenschaft sei sich einig: „Wenn wir die Mutationen nicht in den Griff bekommen, ist die Hölle los.“ Auch der Blick in die Schweiz helfe nicht weiter: nach anfangs lässigerem Umgang mit dem Virus sei der Lockdown dort nun verlängert worden.

Er rechne hierzulande mit einer Öffnung des Handels frühestens am 22. Februar. Flankierend seien deutliche Verbesserungen beim Zugang zu Schnelltests unabdingbar. Und: Die Nachverfolgung von Corona-Fällen müsse gewährleistet sein. Auch der Oberbürgermeister sagte, es seien aus der ersten Welle nicht genug Lehren gezogen worden.

Dies unterstrich Zickenheiner mit einem Seitenblick auf die Schulen. „Wir hätten hier gewaltig nachrüsten müssen, um unsere Schulen zu einem sicheren Ort zu machen. Es darf nicht sein, dass die Schüler letztlich fast zwei Jahre verlieren. Die Klassenzimmer entsprechend auszurüsten, wurde schlicht und ergreifend verpennt.“   siehe weiteren Artikel:

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