Weil am Rhein „Ideenrichtungen“ für Otterbach

Das geplante Wohnquartier südlich von Otterbach ist bei den Weiler Gemeinderäten unterschiedlich angekommen. Dass bis zu 2200 Bewohner hier unterkommen könnten, stieß teilweise aber auf Kritik. Nachdem in der vergangenen Woche die zwei siegreichen Arbeiten eines städtebaulichen Studienauftrags vorgestellt wurden, präsentierte der Beurteilungsgremiums-Vorsitzende weitere Details und Einschätzungen.

Weil am Rhein. Insgesamt 37 Bewerbungen sind auf den von Immobilien Basel-Stadt ausgelobten Wettbewerb eingegangen, wovon sechs Teams dann ausgewählt wurden. Die beiden besten Arbeiten stellen aus fachlicher Sicht eine „hervorragende Leitlinie“ für die Entwicklung dar, wie der Vorsitzende des Beurteilungsgremiums, Prof. Dr. Michael Koch, im Gemeinderat erklärte.

Wie berichtet, handelt es sich dabei um Arbeiten von Hosoya Schaefer Architects mit Agence Ter.de Landschaftsarchitekten, die auf polygonale Baublöcke setzen, die gegeneinander gesetzt positioniert sind – insgesamt könnten hier etwa 1500 Menschen Platz finden. Pool Architekten mit Maurus Schifferli Landschaftsarchitekten unterteilen das zehn Hektar große Areal hingegen in eine eher klassische Wohnblockbebauung und in einem Bereich mit Hochhäusern, die bis zu 80 Meter hoch sind. Wohnraum für bis zu 2200 Menschen gibt es hier.

Der Jury-Vorsitzende schilderte hingegen ausführlich die Herangehensweise und die Nutzung des Freiraums, vermied in der Präsentation aber die Angabe der Einwohnerzahlen, die jedoch vor einer Woche bei einem Pressegespräch genannt wurden. „Das ist die Qual der Wahl“, reichte der Experte verbal den Staffelstab an den Gemeinderat weiter. So gebe es genug Zeit, für die Meinungsbildung in aller Ruhe zu diskutieren. Erst gelte es, ein Team mit dessen Vorstellungen auszuwählen, dann gehe es für dieses daran, den Rahmenplan auszuarbeiten, und erst danach folge der Bebauungsplan.

„Wir werden in einen engen Dialog mit Otterbach treten“, richtete Oberbürgermeister Wolfgang Dietz die ersten Worte direkt in Richtung der interessierten Bürger auf den Zuhörerbänken. Es gebe auch keinen Zeitdruck.

Das vom Jury-Chef verwendete Wort einer „Ideenrichtung“ griff Erster Bürgermeister Christoph Huber auf. Für eine Diskussion sei es noch zu früh, vielmehr gehe es der Verwaltung nun darum, ein Konzept für die Beteiligungsformate zu erstellen. Und auch Gespräche für die Umwidmung der eigentlichen Gewerbeflächen folgen noch.

Eugen Katzenstein kritisierte, dass die Gemeinderäte nicht früher eingebunden worden sind. „Ich bin etwas sauer.“ Huber verwies hingegen auf eine vor zwei Jahren durch den Gemeinderat zugestimmte Planungsvereinbarung. Im Pflichtenheft für die Büros sei auch die Erwartungshaltung enthalten gewesen. Katzenstein reichte dies jedoch nicht. Johannes Foege (SPD) mahnte, jetzt nicht rumzumeckern. „Wir sollten die Präsentation auf uns wirken lassen.“

Positiv nahm Wolfgang Roth-Greiner (FDP) die beiden Arbeiten zur Kenntnis. Der Stadteingang in Otterbach sei bisher „nicht so attraktiv“. Hier gelte es, die passenderen Strukturen zu erhalten.

„Auf die Schnelle kann ich mich nicht begeistern“, meinte Birgit Hinze-Rauchfuss. So sei das Quartier auf den ersten Blick „sehr überdimensioniert“. Ihre Sorge um die Gärtnerei, die in der letzten Etappe der Bebauung weichen müsste, platzierte sie ebenfalls. Das Aus für den Familienbetrieb an der Stelle ist aber noch längst nicht besiegelt, ließ Koch durchblicken. Das hänge vom Zuschnitt der Baufelder ab. „Es ist ein Prozess.“ Matthias Dirrigl (SPD) sah die Pläne „sehr zukunftsorientiert“. Die Nachhaltigkeit der Gebäude schätzte er ebenso wie die andere Perspektive.

An der Dimension störte sich auch UFW-Stadtrat Axel Schiffmann. So gelte es, den Wohnungsbau verträglich und moderat auszugestalten. Der Gemeinderat sei den jetzigen Bürgern verpflichtet und nicht den noch Zuziehenden. „Für mich ist das zwei bis drei Hausnummern zu groß.“ Wohnraum für etwa 1000 Menschen hat er vielmehr im Auge.

Foege mahnte hingegen, die Präsentation erst einmal auf sich wirken zu lassen. Zugleich erklärte er in Richtung Schiffmann. „Wir sind nicht im Auftrag der Perspektive Haltinger Kirchturm, sondern der Perspektive Weil am Rhein tätig.“ Wobei diese Äußerung wiederum vom UFW-Stadtrat als „unqualifiziert“ bewertet wurde. Es handele sich um „tolle Ideen“, doch man stehe jetzt erst am Anfang der Diskussion, weiß Schiffmann.

Und genau das unterstrich der Oberbürgermeister während der Diskussion im Gemeinderat ebenfalls. „Man muss nicht sofort eine Meinung haben. Man kann es erst einmal auf sich wirken lassen.“ Und das wollte auch Thomas Bayer (Grüne). „Ich möchte es nicht zerreden.“ Dass der Schwerpunkt im Quartier nicht auf dem Individualverkehr liege, sondern viele Wege für Fußgänger und Radfahrer bestimmt sind, gefiel ihm schon jetzt – ebenso wie seinem Fraktionssprecher Martin Fischer, der auf Aufenthaltsqualität und Grünraum setzt. Die Hochhäuser seien noch zu diskutieren. „Alles ist offen.“

Alle Arbeiten der sechs eingeladenen Büros sind in der Zeit von Samstag, 28. November, bis Sonntag, 6. Dezember, im Kultur- und Gewerbehaus ELYS an der Elsässerstraße 215a in Basel ausgestellt. Die Vernissage steht am heutigen Freitag an. Im Weiler Rathaus-Foyer gebe es nicht genug Platz für eine solche Präsentation, so Erster Bürgermeister Christoph Huber im Gemeinderat. Dort wurde aber gewünscht, dass die Arbeiten auch auf Weiler Gemarkung näher in Augenschein genommen werden können. Einen herunterladbaren Film von Immobilen Basel wird es noch geben. Die Pläne der Arbeiten sind erst nach der Vernissage für die Presse freigegeben.

Freiräume ein zentraler Aspekt

Zwei sehr unterschiedliche Arbeiten sind als die besten Ideen für das neue Otterbacher Wohnquartier ausgewählt worden. Eine bedeutende Rolle spielt bei beiden der Freiraum. Wichtig ist angesichts des hoch liegenden Grundwasserspiegels, dass nicht auf Untergeschosse gesetzt wird, sondern neben Parkgaragen sogar in den unteren Geschossen bei Hochhäusern geparkt werden könnte.

Die Arbeit von Hosoya Schaefer Architects mit Agence Ter.de Landschaftsarchitekten setzt auf den Freiraum als Charakteristikum, wie der Vorsitzende des Beurteilungsgremiums, Prof. Dr. Michael Koch, im Gemeinderat darlegte. Grundsätzliche konzeptionelle Idee sei, dass Nord und Süd verwoben sind, durchgehende Freiraumbeziehungen von jedem Punkt der Nonnenholzstraße bestehen. Angesichts der etappenweise vorgesehenen Bebauung sei es wichtig, dass jeder Zwischenzustand auch ein angenehmer Zustand sein soll, wie Koch es ausdrückte.

Ein Netz von Velo- und Fußwegen sollen das Durchqueren des Quartiers möglich machen. Zielbild sei eine Straßenanmutung von Waldwegen, statt dass diese als Erschließungsstraßen daherkommen. Eine neue Mitte sei für die gemeinschaftsorientierte Nutzung vorgesehen, am Rand hingegen die gewerbliche Nutzung.

Pool Architekten mit Maurus Schifferli Landschaftsarchitekten überraschten die Jury mit ihrem Konzept, in dem auch Hochhäuser bis zu 80 Metern enthalten sind. Damit werde auch die Zugehörigkeit zur Stadtregion ausgedrückt. Verschiedene Charakteristika der Freiräume gebe es zudem, wobei hier zwei völlig unterschiedliche vorgesehen sind: einmal ein öffentlicher beziehungsweise halböffentlicher in den Höfen der bis zu fünfgeschossigen Gebäude und Einfamilienreihenhäuser. Im südlichen Bereich stünden die Hochhäuser in Gemeinschaftsparks mit unterschiedlichen Lichtungen. Die große Ideenpalette reiche sogar bis zum Schafehüten auf diesen Flächen.

Insgesamt seien es „Ideenrichtungen, in denen die Siedlung sich entwickeln kann“, so Koch.

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