Lörrach Tumult um den Weihnachtscircus

Adrian Steineck
Der Weihnachtscircus gastiert derzeit auf dem Festplatz beim Haagensteg. Foto: Adrian Steineck

Beim Lörracher Weihnachtscircus soll es am Mittwochnachmittag zu einem Tumult gekommen sein, bei dem vier Polizisten verletzt wurden.

Zum Einsatz kam es laut Angaben der Polizei, als sich ein Teilnehmer einer angemeldeten Versammlung von Tierrechtsaktivisten darüber beschwerte, dass der Zirkusdirektor die Einlassmusik lauter gestellt hatte. Der Zirkusdirektor soll beim Eingreifen der Polizei einen Beamten attackiert haben. Der 51-Jährige wurde zunächst überwältigt, konnte aber flüchten, nachdem sich mehrere männliche Personen eingemischt hätten, so die Polizei, die nach eigenen Angaben Pfefferspray einsetzen musste, um sich der Angriffe zu erwehren. Die Lage sei schließlich durch Hinzuziehung weiterer Polizeikräfte bewältigt worden.

Was die Zirkusfamilie sagt

Aus Sicht der Zirkusfamilie Frank, die seit mehr als 20 Jahren zur Weihnachtszeit auf dem Festplatz beim Haagensteg gastiert, sei ein Polizist aber zuerst handgreiflich geworden. „Die Polizei hat überreagiert“, legt Zirkussprecherin Sandra Frank auf Nachfrage unserer Zeitung ihre Sicht der Ereignisse dar.

Demnach habe ein Polizeibeamter die Musikanlage des Zirkuszelts leiser gestellt. Als Zirkusdirektor Manuel Frank ihn bat, dies zu unterlassen, sei der Polizist sofort handgreiflich geworden und habe ihn geschüttelt. Daraufhin sei Frank von insgesamt vier Polizeibeamten zu Boden gedrückt worden, sagt der Zirkusdirektor selbst im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch der Einwand, dass er herzkrank sei, habe nicht für ein Einlenken gesorgt.

Als sich in der Folge mehrere Zirkusleute eingemischt hätten, sei es zu einem Tumult gekommen. Manuel Frank betont: „Wir sind kein Schlägertrupp, dafür sind wir einfach auch schon zu lange in Lörrach.“ Die Proteste der Tierrechtsaktivisten hätten seit der Saison 2022/23 zugenommen und seien in diesem Jahr nochmals aggressiver. So seien die Zirkusleute ebenso wie Besucher in dieser Saison erstmals als „Tierquäler“ und „Tiermörder“ beschimpft worden. Die Zirkusfamilie hat rechtliche Schritte eingeleitet. „Wir sind in erster Linie auch Menschen und nicht gewillt, uns alles gefallen zu lassen“, sagt Sandra Frank. Viele Besucher hätten ihnen spontan positive Rückmeldungen gegeben und sie auch im Nachgang zu den Vorfällen noch angerufen und sich hilfsbereit gezeigt.

Manuel und Sandra Frank sagen zugleich auch, dass die Aggression am Mittwoch nicht von den Tierrechtsaktivisten ausgegangen sei. Vielmehr habe die Polizei „überreagiert“.

Was die Aktivisten sagen

In einer Pressemitteilung der Tierrechtsaktivisten werden die Geschehnisse vom Mittwoch folgendermaßen dargestellt: „Nach erneuten Provokationen und Drohungen seitens des Zirkus riefen Demonstrierende die Polizei zu Hilfe. Nachdem die Polizei den Zirkusdirektor aufforderte, seine Musikanlage leiser zu drehen (welche zur Dauerbeschallung der Demonstration aufgestellt wurde), schubste er wiederholt einen Beamten und wurde daraufhin auf dem Boden fixiert.“ Während der Zirkusdirektor geschrien und sich gewehrt habe, seien etliche Zirkusmitarbeiter dazugekommen und hätten auf die Beamten eingeschlagen. Diesen sei es nur durch Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken gelungen, die Situation in den Griff zu kriegen.

Unsere Zeitung hat versucht, auch mit den Aktivisten zu sprechen. Unter der in der Mitteilung genannten Telefonnummer waren sie aber am Donnerstag nicht zu erreichen.

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