Weil am Rhein – Architektur Neuer Studiengang auf Vitra-Campus startet durch – „Die leben hier“

Marco Fraune
Die große Halle dient als Lern- und Arbeitsort. Foto: Marco Fraune

Die neuen DHBW-Studenten sind begeistert von ihrem neuen Studienort, freut sich Gründungsprofessor Frank Hovenbitzer. Hinter der Backsteinfassade der vom renommierten portugiesischen Architekten Álvaro Siza entworfenen Produktionshalle.

Die Besonderheit des vor wenigen Monaten ins Leben gerufenen und noch in der Aufbauphase befindlichen DHBW-Studiengangs wird direkt an der Eingangstür deutlich. In die unter Denkmalschutz stehende Fassade wurde ein Stahltür eingebaut, die vom über 90-jährigen Star-Architekten freigegeben werden musste. Und nicht nur das. Die genaue Ausgestaltung des Zugangs befindet sich zwischen Álvaro Siza, Vitra-Verantwortlichen und der Denkmalbehörde in einer gemeinsamen Abstimmungsphase. „Das bürgt dafür, dass es richtig klasse wird“, erklärt Hovenbitzer. Stockende Lieferketten erschweren das Ganze aber noch etwas.

Gründungsprofessor Frank Hovenbitzer Foto: Marco Fraune

Der Gründungsprofessor strahlt in der Woche vor Ostern übers ganze Gesicht. Nächste Woche kommen die 33 Starter-Studenten zurück aus der Praxis-Phase im Betrieb. Der neue Architekturstudiengang der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) auf dem Vitra Campus ist bei ihnen bisher bestens angelaufen. „Die Studenten leben hier. Sie sind mit großem Enthusiasmus dabei“ – und wissen das in Holzbauweise errichtete Innere der eigentlichen riesigen Lagerhalle zu schätzen. Der Basler Architekt Florian Stroh und Vitra-Architekt Christian Germadnik haben dies in kürzester Zeit realisiert, damit rechtzeitig zum 1. Oktober der Studiengang an den Start ging.

Handwerker im Einsatz

Da sich Theorie- und Praxis-Einheiten in dem dualen Studiengang abwechseln, hatten die Handwerker in den zurückliegenden Wochen die Möglichkeit, noch den Feinschliff beim Schallschutz mit neuen Akustik-Maßnahmen vorzunehmen. Das Foyer hinter der Stahltür wirkt daher mit den Schallschutz-Heraklit- Platten wie eine Mini-Baustelle, die aber fast abgeschlossen ist. Damit können die dortige Cafeteria, die Vortragstribüne sowie die darüber auf der Galerie befindliche Freihandbibliothek schon nächste Woche wieder bestens genutzt werden.

In dieser Woche wurde noch am Schallschutz in Foyer gearbeitet. Foto: Marco Fraune

Etwas Sorgen bereitet Hovenbitzer, ob die WC-Kapazitäten mit später dann 90 Studenten im Regelbetrieb vor Ort ausreichen werden. Die Toilettenanlage befindet sich im „Häusle“, was eine Persiflage auf den Design-Museum-Bau von Frank Gehry sei. „Das Häusle imitiert die Gehry-Architektur“, weiß der Lörracher Architekt Hovenbitzer.

In der großen Halle

Beim Gang mit dem Gründungsprofessor des Architektur-Studiengangs in die große Halle entfaltet ein zweistufiger Bereich nicht nur optisch eine Wirkung. Auch im funktionalen Kontext kann sich die Holzbauweise in der Halle sehen lassen. Noch sind es zwar nur 33 Studenten, die sich hier im ersten Semester an den aufgereihten Arbeitsplätzen auf ihre spätere berufliche Laufbahn vorbereiten. Doch wenn alle sechs Semester dann einmal an Bord sind, herrscht geschäftiges Treiben, sieht Hovenbitzer schon in freudiger Erwartung vor seinem inneren Auge.

Der Blick in die große Halle Foto: Marco Fraune

Auf Erdgeschoss-Ebene kann bis nachts kreativ gewirkt werden – was auch schon erfolgt ist. „Die Studenten arbeiten gemeinsam an ihren Projekten“, schildert der Gründungsprofessor. Vielfältige Möglichkeiten gebe es dabei, auch ein großer TV-Bildschirm für die digitale Vermittlung von Inhalten durch die Lehrbeauftragten darf nicht fehlen.

Im ersten Geschoss, das wie eine Galerie in den riesigen Raum hineinragt befinden sich wiederum die Lehrräume. Aber auch eine Holz- und Papierwerkstatt mit Schleifgeräten, Kreissäge, Bohrmaschinen und Absauganlagen dürfen nicht fehlen. 3-D-Drucker werden zudem noch aufgestellt. Die Leitung der Werkstatt hat der Lörracher Architekt Christoph Geisel.

„Vom Erfolg überrannt“

Zum 1. Oktober kommen dann weitere 60 Studenten hinzu. Die Hälfte davon beginnt mit dem Praxis-Teil in Betrieben, die andere Hälfte auf dem Vitra Campus in der Halle, erklärt Hovenbitzer den weiteren Zeitplan. „Wir werden vom Erfolg überrannt“, verweist er zugleich auf deutlich mehr Nachfrage als an Plätzen angeboten werden kann – 60 duale Partner-Betriebe seien dann mit dabei. „Auf so eine Resonanz waren wir gar nicht eingestellt.“ Zwei Professuren, ein Werkstattleiter sowie ein Sekretariat werden den Betrieb stemmen. Hinzu kommen noch etwa auch Lehrbeauftragte.

Im oberen Bereich gibt es Unterrichtsräume Foto: Marco Fraune

Es bleibe das zentrale Ziel, hohe Qualität in der Lehre zu bieten. Hovenbitzer unterstreicht dabei: „Wir wollen den regionalen Nachwuchs fördern.“ Dieser kommt zu 70 Prozent aus freien Architekturbüros sowie jeweils zu 15 Prozent aus Verwaltungen und aus der freien Wirtschaft. Aktuell sind die Studenten zwischen 18 und 28 Jahre alt, die sich auf dem Vitra Campus von der unmittelbaren Architektur-Qualität inspirieren und motivieren lassen. Hovenbitzer: „Die Studienbedingungen suchen weltweit ihres gleichen.“

Master als weiteres Ziel

Abgedeckt werden in der Lehre die Bereiche Gestaltung, konstruktiver Holzbau, Digitalisierung sowie Umwelt und Nachhaltigkeit. In letzteren fällt dann auch das Recycling und das Bauen im Bestand – zentrale Säulen für die Zukunft. Apropos Zukunft: Schon jetzt bezeichnet Hovenbitzer den Studiengang als „Leuchtturm“, der das klassische System ergänze. Für die Zukunft soll als Ziel nicht nur der Bachelor of Arts zum Schluss stehen, sondern in dreieinhalb Jahren auch der Abschluss mit dem Master möglich sein.

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