Weil am Rhein Stadt soll Verkehr anders lenken

Ein Punkt für Verbesserungen: Beim Abbiegen vom Kreisverkehr wird laut Gutachter nicht direkt deutlich, dass Tempo 20 gilt. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Die Überprüfung des Vorbehaltsstraßennetzes der Stadt Weil am Rhein hat ein eindeutiges Ergebnis gebracht: Demnach besteht Handlungsbedarf zur Anpassung der Verkehrsführung- und lenkung. Mögliche Maßnahmen gibt es gleich mehrere, die sich auf das gesamte Stadtgebiet verteilen.

Ein zentraler Punkt ist, den Verkehr um die Innenstadt herum zu leiten, damit dort Anwohner weniger belastet werden. „Es geht nicht darum, die Besucher aus der Innenstadt herauszuhalten“, erklärte Ulrich Noßwitz, der das Gutachten des Planungsbüros Brenner am Dienstagabend im Bauausschuss vorstellte. Doch wichtig sei, dass die Autofahrer dann schnell ihren Parkplatz finden, ohne dass sie quer durch Weil am Rhein fahren müssen. Dies könne mit einem Verkehrs- und Parkleitsystem erreicht werden, so die Empfehlung. „Das gehört unbedingt dazu.“

Das Vorrangstraßennetz

Die Lenkung des Verkehrs könne nicht mit einer, sondern müsse mit mehreren Maßnahmen erfolgen, zeigte der Gutachter auf. Dazu zählt insbesondere das so genannte Zielnetz der Vorbehaltsstraßen, also über welche Wege der meiste Verkehr fließen soll. Nahezu alle innerstädtischen Straßen sollen nach dem Vorschlag des Planungsbüros Brenner herausgenommen werden: Hauptstraße, Bühlstraße, Turmstraße, Breslauer Straße und Oberbaselweg. Damit verblieben die zentralen Vorrangstraßen B 3, B 317 und B 532.

In den Ortsteilen

Herausgenommen werden sollten zudem die Heldelinger Straße in Haltingen, da die Nordwestumfahrung hier als schnelle Verbindung neu eröffnet wurde. In Ötlingen kann dem Gutachten zufolge eine Geschwindigkeitsreduzierung erfolgen, damit der nicht ortsbezogene Verkehr auf die B 3 und A 98 ausweicht. In Märkt wird hingegen keine Alternativstrecke gesehen.

Straßenbild verändern

Hand anlegen soll die Verwaltung nach einem vom Planungsbüro empfohlenen, noch auszuarbeitenden Beschluss für den Gemeinderat zudem an der Straßeninfrastruktur und der Verkehrsregelung. Eine durchgängige Anpassung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 30 auf den innerstädtischen Straßen diene der Unterstützung der Verlagerungswirkung auf die Vorrangstraßen, also die drei Bundesstraßen. Damit die Autofahrer direkt schon merken, dass sie nicht kräftig aufs Gaspedal treten dürfen, soll der Straßenraum umgestaltet werden. Heißt: die Straßenbreite verringern, straßenbegleitendes Parken einrichten, weitere Begrünungen und eine Straßenbelagsänderung.

Innenstadt: Hauptstraße

Speziell für die westliche Hauptstraße zwischen Römerstraße und Schlaufenkreisel müsse eine mittel- und langfristige Planung berücksichtigt werden. Konkret geht es hier um die mögliche Verlängerung der Tramlinie 8 bis zum Läublinpark sowie die in der Diskussion befindliche Einrichtung einer Fußgängerzone zwischen Bühlstraße und Schlaufenkreisel.

Römerstraße und Alt-Weil

Anwohner in Alt-Weil spüren täglich die hohe Verkehrsbelastung auf der östlichen Hauptstraße, ebenso wie diejenigen, die an der Römerstraße wohnen. Eine Entlastung ist nach Einschätzung des Gutachterbüros durch die Verkehrslenkung auf die Umfahrungsroute über die B 317 und B 3 möglich, die aktuell zwar zwei Kilometer länger ist, doch keinen Zeitvorteil für die Fahrer bringe.

Damit die Autos und Laster tatsächlich diesen Weg wählen, gelte es, den Knotenpunkt B 3/B 532 umzubauen, um auf die Route zu lenken. Mit anderen Grünzeiten an den Ampeln im Knotenpunkt Römerstraße/Breslauer Straße sowie am Knotenpunkt B 317/Hauptstraße könne ebenfalls zur gewünschten Wirkung beigetragen werden. Eine Einbahnstraßenregelung auf der Römerstraße zwischen Hauptstraße und Breslauer Straße solle zudem geprüft werden. Dies führe womöglich zu einer Veränderung des gesamten Verkehrssystems und der Notwendigkeit von Lösungen für den Busverkehr, weiß das Planungsbüro.

Fazit und Empfehlungen

Insgesamt zeigt die Analyse des Vorrangstraßennetzes „wesentliche Defizite“ aus Sicht der Stadtplanung, der Verkehrssicherheit, der Begreifbarkeit des Verkehrsnetzes und der Verkehrsplanung in der Stadt, zog Gutachter Noßwitz ein Fazit. Gleichzeitig gebe es Maßnahmen zur Optimierung des Verkehrssystems, also: Konzentration des Vorbehaltsstraßennetzes auf tatsächlich geeignete Routen, Temporeduzierung innerorts, Umgestaltung des Straßenraums und Knotenpunkte-Umgestaltung, um den Verkehr passend zu leiten. Eine Umsetzung von Maßnahmen sei aber erst dann sinnvoll, wenn die aktuell halbseitige Sperrung der B 3 im Bereich der im Bau befindlichen „Dreiländergalerie“ aufgehoben ist und so kein Verkehr mehr durch die Innenstadt umgeleitet werden müsse.

Nur OB fragt nach

Konfrontiert mit den umfassenden Schilderungen gab es von Seiten der Mitglieder des Bauausschusses keine Nachfragen. Lediglich Oberbürgermeister Wolfgang Dietz sorgte noch für einige Konkretisierungen durch Gutachter Noßwitz. Angesichts der aktuellen Diskussion um den neuen Lärmaktionsplan und der Kritik von lärmbelasteten Zollfreie-Anwohnern unterstrich dieser, dass die B 317 noch mehr überörtlichen Verkehr aufnehmen kann – ebenso wie die B 3. Diese hätten eine entsprechende Leistungsfähigkeit. Grünen-Stadtrat Thomas Bayer mahnte aber an, dass dann an den Unfallschwerpunkten, speziell den An- und Abfahrten, das Tempolimit reduziert werden soll. Insgesamt sei hier eine Geschwindigkeitsreduzierung sinnvoll, findet Bayer. „Das zuständige Regierungspräsidium soll hier ein Einsehen haben.“

Mögliche Grenzen, intuitive Situationen für die Verkehrslenkung zu schaffen, gibt es aber, machte der OB deutlich. Es wird zwar ab der Vitra bis zur neuen Heizzentrale an der Römerstraße eine Bebauung erfolgen, doch auf der anderen Straßenseite ist dies wegen des FFH-Gebiets nicht erlaubt.

Einen Blick in die Zukunft richtete Noßwitz auch noch. So soll von den zentralen Parkplätzen ein Fußgängerleitsystem eingerichtet werden und diese Fläche zu „Mobilitätshubs“ werden. Außerdem gehe es um eine Förderung der Verkehrsmittel des Umweltverbunds, konkret ÖPNV-Nutzung, Radfahren, zu Fuß gehen. Damit würden die Verkehrsbelastungen in der Stadt reduziert.

OB Dietz hatte schon einleitend deutlich gemacht, dass die höhere Mobilität zu einer stärkeren Nutzung von Straßen führe. „Es gibt Spannungsfelder, und man kann nicht jedem Recht geben.“

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